Oropax geht in Mainz baden
Mainz - Mit Wortwitz, Ekel und wahnsinnigen Figuren zieht das Chaos-Theater Oropax seit 1983 durchs Land. Nebenbei sind die Brüder Thomas und Volker Martins, die Ende Mai im Unterhaus auftreten, auch als Leistungsschwimmer unterwegs. Zum Interview gingen sie mit der MRZ auf dem Taubertsberg ins Wasser.
Wenn er nach Mainz gefragt wird, gerät Thomas Martins ins Schwärmen. "Das ist so wunderschön, wie die Donau an der Stadt vorbeifließt, dann auf der einen Seite der Odenwald, auf der anderen die Vogesen ..." Er seufzt hingerissen, nicht mal ein Mundwinkel zuckt, und sein Bruder Volker steht unbeeindruckt daneben. Wer sich mit diesen beiden trifft, muss mit Merkwürdigkeiten rechnen, davon leben sie als Chaos-Theater Oropax.
Für ein Gespräch über ihre ganz besondere Kunst haben die Brüder sich das Taubertsbergbad ausgeguckt, denn sie sind Leistungsschwimmer, das beweisen schon die muskulösen Körper. Da sie regelmäßig in Mainz spielen, sind sie Stammkunden im Bad. "Hier ist am Freitag bis 2 Uhr geöffnet", erzählt Volker, "da können wir nach der Vorstellung schwimmen gehen." - "Nackt!", blafft Thomas dazwischen. "Aber das kriegst du heute nicht zu sehen." Der Kerl kann einfach nicht die Klappe halten.
Die Rollen scheinen im Schwimmbad nicht anders verteilt zu sein als auf der Bühne. Volker, Jahrgang 1966, bewahrt immerhin eine dünne Patina der Seriosität, während der vier Jahre ältere Thomas dem Affen tüchtig Zucker gibt.
Oropax hat sich seinen Fans mit irrwitzigen Shows ins Hirn gebrannt, mit unglaublich albernen Wortspielen und mit allerlei abgedrehten Kunstfiguren, deren Part - wie sollte es anders sein? - meist Thomas übernimmt. Vor allem aber ist es das Spiel mit dem Ekel, das die beiden einzigartig macht. Die Bilder verblassen nicht ...
Sauerei mit Salami
Vor gut zehn Jahren im Unterhaus: Thomas kaut eine Minisalami kräftig durch. Er speichelt den Klumpen gut ein, bevor er ihn in die Höhe spuckt. Der Brocken glänzt feucht im Scheinwerferlicht, und dann fängt Volker ihn auf - mit dem Mund. So geht es hin und her. Bei manch unerfahrenem Zuschauer stellt sich angesichts der Oral-Artistik leichter Brechreiz ein.
Wenn die beiden am 20. Mai ihr neues Programm "Im Rahmen des Unmöglichen" im Unterhaus vorstellen, dann wird auch der Ekel wieder seine Rolle spielen, das verspricht Volker. "Aber wir sind längst nicht mehr so krass." Thomas mault: "Zwischen all den lustigen Witzen bleibt immer die Salami hängen. Schockierend, wie das Visuelle bleibt, und unser filigraner Wortwitz ist vergessen." Volker fällt noch ein: "Wenn die bei einer Schlankheitsoperation Fett absaugen, das ist doch viel ekliger als alles, was wir auf der Bühne machen."








Diesen Artikel versenden