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Koblenz: Jean Paul Tinnitus ist Meister der Luftgitarre

Koblenz - Ein Luftikus zeichnet sich durch Leichtsinn und Unzuverlässigkeit aus. Wer Luftschlösser baut, hat oft die Bodenhaftung verloren. Hoffnungen zerplatzen schon einmal wie Luftblasen. Und Luftgitarristen? Haftet den Spielern eines imaginären Instrumentes auch ein Makel an? Sieben "Pantomime"-Musiker bewiesen im Circus Maximus: Nein! Denn das Spiel auf einer Gitarre aus Luft ist hohe Kunst und keine Spinnerei.

John Paul Tinnitus (3. von links) hatte nicht nur seinen eigenen Fanklub mitgebracht, sondern beherrschte auch das Luftgitarrenspiel am besten: Er wurde der erste Rheinland-Pfalz-Meister an dem unsichtbaren Instrument. Sein Lohn: die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften und eine echte E-Gitarre. Fotos: Annette Hoppen

Nun ja: Ohne Hintergrundwissen und als absoluter Laie des Genres dürfte der unbedarfte Beobachter seine Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Akteure gehabt haben, die da am Samstagabend im Keller des Circus Maximus seltsam gestikulierend, aber dafür mit verzückten und zum Teil weltentrückten Mienen ungestüm auf der Bühne herumhampelten.

Da fuchtelten tatsächlich erwachsene Männer, zwar mit Rocker-Mähne, aber doch schon ergraut und zum Teil mit mehr als vier Jahrzehnten auf dem Musikerbuckel, mit ihren Händen und Armen schon sehr seltsam ausschauend in der Luft herum. Stimmten Saiten, wo es eigentlich keine Saiten gab, ließen ihre Finger über das Griffbrett eines Gitarrensteges tanzen, wo es eigentlich keinen Gitarrensteg gab, warfen sich, das imaginäre Instrument in den Händen haltend, gar unerschrocken auf den Boden.

Dass all dies beim Publikum kein Kopfschütteln, sondern ausschließlich lautstarke Beifallsschreie hervorrief, zeugt davon, dass sich eben keine Unwissenden in die Circus-Maximus-Katakomben verirrt hatten, sondern durchweg fachkundige Zuschauer. Zuschauer, die die hohe Kunst des Luftgitarrenspiels zu schätzen wussten. Die wussten, dass es keine Spinnerei war, die sich hier abspielte, sondern vielmehr eine Art Pantomime-Kunst, die darin besteht, ein Instrument zu bespielen, welches nur in der Vorstellungskraft von Musiker und Zuschauer existiert. Eine Kunst übrigens, die kein anderer als Joe Cocker beim großen Woodstockfestival 1969 quasi "geboren" und etabliert hatte.

Natürlich war der Abend im Circus Maximus mit Woodstock nicht zu vergleichen. Und vom Joe-Cocker-Niveau waren die Luftgitarristen allesamt weit entfernt. Showeffekte und Spannung versprachen die Live-Acts aber trotzdem. Denn immerhin wurden in Koblenz am Samstagabend die ersten Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Luftgitarrespielen ausgetragen.

Ein Sieg bei diesen berechtigt wiederum zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. Und von dort aus werden dann die besten "Pantomime"-Musiker zur Luftgitarren-WM nach Finnland entsandt.

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