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Knatterfieber in Kell: Mit dem Mofa übers Stoppelfeld

Kell - Ein lauter Knall schallt über das Stoppelfeld. Kai Kohlhaas zuckt zusammen. Dann rennt er los, die Zündkerze seines Mofas in der Hand. Der 19-Jährige ist einer von 195 Fahrern, die am Mofarennen in Kell bei Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) teilnehmen. 65 Teams streiten dort in einem dreistündigen Rennen um den Sieg. Zu jedem Team gehören zwei bis drei Fahrer, die sich ablösen, sobald die Konzentration und Kraft im Rennen nachlassen.

 

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

Doch bevor Kai Kohlhaas von seinem Kollegen Karl-Heinz Bay abgelöst werden kann, muss er überhaupt erst einmal losgefahren sein. Und das gestaltet sich gerade schwieriger als gedacht.

Das Rennen in Kell beginnt nämlich mit dem sogenannten Le-Mans-Start. Dazu werden die Zündkerzen der Mofas vor dem Rennen ausgebaut. Bevor es losgeht, stellen die Teams ihre Mofas entsprechend ihrer Zeitwertung entlang der Zielgeraden auf. Die Fahrer nehmen die Zündkerze in die Hand, und positionieren sich circa 30 Meter gegenüber ihrer Maschinen. Dann ertönt der Startschuss.

Kai Kohlhaas rennt also und ist einer der ersten, die ihr Mofa erreichen. Er kniet sich neben die Maschine, schraubt die Zündkerze in Windeseile ein, zieht sie mit einem Schlüssel fest, schmeißt sich auf den Sattel und tritt die Pedale. Und tritt und tritt. Die ersten Mofafahrer düsen bereits an ihm vorbei.

Mofarennen gibt es in Rheinland-Pfalz wie Sand am Meer. Doch jede dieser Veranstaltungen hat ihren eigenen Charme. Das besondere am Keller Rennen: Der Ort hat knapp 1000 Einwohner, nahezu jeder Haushalt ist in einem der Rennteams vertreten. Und die Besucherzahlen explodieren: 3000 Menschen stehen auf dem Stoppelfeld und feuern Verwandte, Nachbarn oder Freunde an, atmen dabei Staub und Abgase ein.

Während Kai Kohlhaas und andere mit unvorhersehbaren Problemen an der Startlinie kämpfen, bringt Florian Müller sein Mofa ganz nach Plan in der Boxengasse zum Laufen. Der Kickstarter hatte bereits im Zeittraining versagt. Deshalb haben er und sein Teamkollege noch Zeit gehabt, das Problem zu lösen. Das Wunderwerkzeug: eine Bohrmaschine. Damit schmeißen sie die Antriebswelle an. Die Rennleitung hat dem Team den unüblichen Start aus der Box erlaubt. Deshalb darf der Fahrer erst als letzter aufs Feld.

Bei Profirennen wären solche Pannen und Lösungen undenkbar. Aber genau diese Herausforderungen, das Schrauben und Tüfteln kurz vor dem Start, machen neben dem Fahren übers Stoppelfeld den Kick der Mofarennen aus.

Nach etlichen Tritten springt auch das Mofa von Kai Kohlhaas an. Während er losdüst, bekommt er einen freundschaftlichen Klaps auf den Po. Dann reiht er sich in die Staubwolke der 65 Mofas ein.

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