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Herbert Piel: Zeitgeschichte in Bildern

Koblenz - Es kommt zur Konfrontation im Wald. Die Polizisten tragen Helme und Schilde, sie stemmen sich gegen die vordrängende Masse der Protestler. Da bricht ein junger Mann mit freiem Oberkörper durch die Verteidigungslinie - Brille, Bart, die Arme erhoben.

Wutbürger anno 1981: Herbert Piels Foto von den Protesten an der Frankfurter Startbahn West. Die Koblenzer Galerie Handwerk zeigt noch bis zum 21. April die Ausstellung "Bitte nicht lächeln!" mit 140 Schwarz-Weiß-Bildern des Bopparder Pressefotografen.
Herbert Piel/Pielmedia

Ein Polizist - mitten im Kampfgetümmel - schaut ihm nach, ebenso mehrere Demonstranten. Ein fesselnder Augenblick, eine Szene, die ungeheuer viel erzählt über das Geschehen 1981 an der Startbahn West in Frankfurt - eingefangen von Herbert Piel.

"Damals im Wald an der Startbahn - da hat es richtig geknistert. Man hat gespürt: Hier passiert gleich was."

Der Pressefotograf erzählt das heute, 30 Jahre später, gelassen. Und er hat eine Pointe parat: "Da habe ich mal eine Szene erlebt, die war so ähnlich: Protestler und Polizisten stehen sich gegenüber, eine ungeheure Spannung in der Luft. Ich merke, dass es gleich losgehen wird. Da knackt es im Lautsprecher des Mannschaftswagens, und der Einsatzleiter der Polizei sagt: ,So, hier erst mal die Bundesliga-Ergebnisse ...‘ Da hat sich die ganze Anspannung in Sekunden aufgelöst."

Herbert Piel hat viel zu erzählen, wenn er über seine Bilder spricht. Gelegenheit bot ihm die sehr gut besuchte Eröffnung seiner Ausstellung "Bitte nicht lächeln!" in der Galerie Handwerk, wo noch bis 21. April gut 140 Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus seinem Archiv zu sehen sind, entstanden hauptsächlich zwischen 1975 und 1990, in der Zeit, in der Piel als Pressefotograf für Agenturen, Magazine und auch unsere Zeitung tätig war. Ein Kapitel, mit dem er inzwischen abgeschlossen hat: "Ich betrachte das als Episode meines Lebens. Heute mache ich etwas ganz anderes, mache ganz andere Bilder." Er betreibt eine Agentur, arbeitet viel für Firmen und Verbände, hat ein Fotostudio.

In einem Fotografenleben sammeln sich Zigtausende Bilder an. Wie hat er ausgewählt? "Ganz hart - und nach meinem Bauchgefühl. Ich habe die Bilder genommen, die mich heute noch berühren." Und diese Fotos berühren auch andere. Die Ausstellung ist ein Tourneeprojekt, war schon in Mainz zu sehen, ein Teil hängt in der Leica-Galerie in Solms ("Da bin ich besonders stolz drauf"), als Stationen sollen noch mehrere Städte in Rheinland-Pfalz sowie Orte in Asien und den USA folgen. "Ich war selbst überrascht, dass die Ausstellung auch international so gut ankommt", sagt Piel. Seine Erklärung: "Ich glaube, das liegt daran, dass es Bilder der Zeitgeschichte sind, aber nicht von 1900 und auch nicht von 1950, sondern aus einer Zeit, an die sich noch viele erinnern können oder die sie aus Erzählungen ihrer Eltern kennen."

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