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Reportage: Technojünger huldigen ihren alten Herren

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

Kastellaun - Der Hunsrück klebt an den Schuhen. Er hat sich ins Profil geschmiert, langsam matscht er sich die Hosenbeine hinauf.

Reportage: Technojünger huldigen ihren alten Herren
Andreas Jöckel
In unserem Nature-One-Special mit vielen Fotos und in unseren Video-Zeitraffern aus zwei Livecam-Perspektiven kann man das Festival Tag für Tag vom Aufbau bis zum Finale nacherleben.

Jeder Schritt schmatzt. Die Mädchen mit den Pfennigabsätzen versinken im durchweichten Gras. Die Jungs mit den Stiefeln haben’s besser. Sie trauen sich was und hopsen, springen, tanzen, dass es nur so spritzt. Der Hunsrück ist schlammig in dieser Nacht. Es ist noch Samstag, es geht gegen Mitternacht. Der letzte richtige Schauer liegt ein paar Stunden zurück – der Regen ist schon wieder vergessen, geblieben ist der Nature One nur der Matsch.

54.000 schlittern übers Gelände, umkurven Pfützen auf dem Weg zur nächsten Sensation – DJ-Auftritt, Bonkasse oder Getränkestand. Es ist kühl, doch nicht unangenehm. Nacht zwei der größten Party Europas an diesem Wochenende. Und im Zentrum der früheren US-Raketenbasis, die die archaische Kulisse liefert für dieses gigantische Musikvolksfest, stehen sich zwei Technogenerationen genau gegenüber.

Techno ohne Scheuklappen

Fritz Kalkbrenner ist 30 Jahre alt und im Moment einer der heißesten Künstler der Elektroszene. Für die Leser des Fachblatts „Raveline“ hat er das „Album des Jahres“ aufgenommen. Er steht – genau wie sein Bruder Paul – für Techno ohne Scheuklappen, für unterschiedlichste Einflüsse, für Melodie. Er legt auf der Haupttanzfläche der Nature One auf, dem Open-Air-Floor, einer gigantischen Krake aus Traversen mit Scheinwerfern und einer LED-Kugel – dynamisch, kraftvoll, ins Schmettern des Rhythmus mischt sich Gesang, flächige Sounds fliegen in die Nacht. Zu seinen Füßen feiert eine schrill gekleidete Menschenmasse und reckt immer wieder Getränkedosen in die Luft.

Etwa 100 Meter von ihm entfernt, vis-à-vis ihm zugewandt und getrennt durch Menschen und die festivalobligatorische Fressmeile, legt zeitgleich Markus Gardeweg auf. Der Hamburger ist 42, in Rave-Jahren gerechnet könnte er also Kalkbrenners Vater sein, wenn nicht gar Großvater. Gardeweg war mal Haus-DJ im Kontor-Klub, eine jener Weihestätten des frühen Techno. Sein Sound ist knochentrocken, Bumm-bumm-bummbumm klopft er seinen Bass auf die Bauchdecken seiner Zuhörer. Darüber schweben Melodiefetzen, doch hier geht es um Bass.

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