Nürburgring – Nein, das hier ist kein Scherz: Renate Thomé-Graf ist 68 Jahre alt und zum ersten Mal bei Rock am Ring dabei. Die Lahnsteinerin hat beim Gewinnspiel unserer Zeitung und Warsteiner teilgenommen und zwei Festivalkarten gewonnen. Schon das ist bemerkenswert: Denn die 68-Jährige hat die Karten nicht am Telefon, sondern im Internet bei der Netzwerkgruppe Wer-kennt-wen gewonnen. Sie ist also ganz auf der Höhe der Zeit. Worte wie „Event“ und „E-Mail-Adresse“„ gehören selbstverständlich zu ihrem Wortschatz. Kein Wunder, dass sie auf dem Festival auch nur mit ihrem Vornamen angesprochen werden will: “Ich bin die Renate„, stellt sie sich jedem fröhlich vor.
Obwohl sie circa 45 Jahre älter ist als der durchschnittliche Festivalbesucher, fällt Renate gar nicht sonderlich auf. Erstmal sieht sie eh mindestens zehn Jahre jünger aus. Und natürlich schläft sie auch auf dem Rock-am-Ring-Gelände. An ihrer Seite: Ihr Enkel Leon. Lässig legt sie den Arm um den kleinen Rocker, der mit seinem schwarzen Hut, Sonnenbrille, Nietengürtel und -armbändern echt cool aussieht. Die beiden lachen viel und sind von der Festivalatmosphäre begeistert. “Ich kenne die Bands zwar nicht mit Namen, aber es macht echt Spaß!„, erzählt die Rock-Oma.
Eigentlich wollten Oma und Enkel schon am Donnerstag anreisen, aber Leon hatte in der Nacht zuvor eine Schulparty, bei der er durchgemacht hat. “Er sollte sich dann am Donnerstag ausruhen, damit er fit ist„, sagt Renate.
Von Freitag auf Samstag haben die beiden dann im Warsteiner Village übernachtet – ihr Nachtquartier gleicht einer riesigen Papprolle. Darin liegt eine richtige Matraze und es ist viel dunkler und kühler, als in einem normalen Zelt. Dennoch haben die beiden kein Auge zugemacht. “Wenn die Konzerte nachts vorbei sind, dann geht die Party auf den Zeltplätzen weiter„, sagt Renate schmunzelnd. Eigentlich wäre das zu verkraften, genauso wie die Halsschmerzen, die Leon seit dem Morgen plagen. “Aber ich will, dass er am Montag in die Schule geht„, sagt die 68-Jährige. Da ist sie dann doch ganz die fürsorgliche Oma, die sich um ihren Schützling kümmert. Deshalb ging es dann auch am Samstagabend nach Hause. “Ich will aber unbedingt Rammstein sehen, Oma!", sagt Leon. Die Gruppe spielt am Sonntagabend. Bis dahin ist es noch Zeit. Zeit, um zu schauen, ob die beiden noch einmal zurückkehren. (Katrin Steinert/rzmobil)

