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  • Sakristei birgt mehr als Weihrauch

    Für viele Menschen bleibt eine Sakristei verschlossen. Dennoch ist sie ein Ort, in dem es lebhaft zugehen kann. Unsere Zeitung ließ sich von Pfarrer Josef Mettel die Tür zur Sakristei der katholischen Pfarrkirche in Waldbreitbach öffnen.

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    Das Pfingstfest ist nicht mehr weit. Zum Gottesdienst wird Pfarrer Josef Mettel dann ein rotes Gewand tragen. Das sieht die liturgische Farbenlehre so vor.
    Das Pfingstfest ist nicht mehr weit. Zum Gottesdienst wird Pfarrer Josef Mettel dann ein rotes Gewand tragen. Das sieht die liturgische Farbenlehre so vor.
    Foto: Ralf Grün

    Für viele Menschen bleibt eine Sakristei verschlossen. Dennoch ist sie ein Ort, in dem es lebhaft zugehen kann. Unsere Zeitung ließ sich von Pfarrer Josef Mettel die Tür zur Sakristei der katholischen Pfarrkirche in Waldbreitbach öffnen.

    Weihrauchfässchen sind in der Sakristei zu finden.
    Weihrauchfässchen sind in der Sakristei zu finden.
    Foto: Ralf Grün

    Waldbreitbach - Weihrauchduft kriecht einem in die Nase, wenn Pfarrer Josef Mettel die Tür zur Sakristei öffnet. Einem Schwalbennest gleich sitzt dieser für den Kirchenalltag wichtige Raum (der eigentlich aus zwei Räumen besteht) an der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. „Die Sakristei ist nachträglich angebaut worden. Früher hat sich der Priester noch an einer kleinen Anrichte hinter dem Altar umgezogen“, erklärt Mettel.    

    Der Waldbreitbacher Seelsorger zieht den Schlüssel ab und tritt ein. Eine rote LCD-Anzeige samt Uhr an der Wand fällt als erstes in Auge. „Das ist die Elektronik, mit der wir die Kirchenglocken steuern können“, verrät Mettel. Gleich darunter hängt die „Schaltzentrale“ für die Kirchenbeleuchtung. Licht im Gotteshaus ist schließlich nicht nur wichtig, wenn zur Weihnachtszeit die Wurzelholzkrippe aufgebaut ist.

    Ansonsten ist der kleinere Raum schlicht eingerichtet. Eine Spüle zum Händewaschen und Säubern der liturgischen Geräte, ein Schränkchen, in dem sich die verschiedenen Sorten Weihrauch befinden, ein Ständer für die Weihrauchfässchen, eine Musikanlage und eine Reihe Schranktüren, an denen unter anderem der Dienstplan für die Messdiener klebt.

    Interessanter wird es da schon im knapp 20 Quadratmeter großen Hauptraum. In der Mitte steht ein Tisch, den sonst Küsterin Hedi Buhr nutzt – etwa um Aufzeichnungen zu machen oder die Gottesdienste vor- und nachzubereiten. Jetzt stellt Pfarrer Mettel ein paar „Kostbarkeiten“ darauf, die er zuvor aus einem fast mannshohen grauen Tresor geholt hat. Darunter befindet sich neben Bechern und Kelchen auch die mehr als 100 Jahre alte Monstranz, die bei der Prozession an Fronleichnam durch die Straßen getragen wird.

    Im Tresor steht auch Mettels eigener Kelch, den er zu seiner Priesterweihe von seiner Familie bekommen hat. Er ist in der Form eines jüdischen Trinkbechers gearbeitet. Sogar Heimaterde aus dem Bitburger Land ist eingebrannt. Das Gefäß besitzt für den Pfarrer einen hohen ideellen Wert. Er sagt: „Den eigenen Kelch verleiht kein Priester weiter.“

    Ansonsten dominieren zwei große Schränke die Sakristei. In dem einen lagern weitere liturgische Gefäße und Materialien, in dem anderen hängen Priestergewänder. Wer denkt, dass Schwarz und Weiß dominieren, sieht sich getäuscht. Fast das gesamte Farbenspektrum findet sich wieder. Und Josef Mettel gewährt Einblick in die liturgische Farbenlehre: Bei hohen Heiligenfesten ist dem Pfarrer fürs Gewand die Farbe Weiß vorgeschrieben. An Pfingsten steht die „Farbe des Feuers“, also Rot, im Mittelpunkt. Von Fronleichnam bis November hält der Seelsorger die Gottesdienste ganz in Grün. Erteilt Mettel die Sterbesakramente, hat er die Wahl zwischen Schwarz und Violett. „In Waldbreitbach tragen wir aber Violett, die Farbe der Buße“, erklärt er.

    Die Gewänder selber muss ein Pfarrer nicht kaufen, die bekommt er geschenkt. Andere stammen von Vorgängern oder sind Eigentum der Pfarrei. Lediglich drei der aufwendig gearbeiteten Kleidungsstücke gehören Mettel persönlich. Übrigens: Hergestellt werden die Gewänder in da〜rauf spezialisierten Betrieben. Einer befindet in Schönstatt, ein anderer in Eschweiler bei Aachen.

    Der Blick schweift weiter, am Vortragekreuz vorbei zu einem Kleiderständer in der Ecke. Dort hängen rote Messdienerkleider wie bei C & A auf der Stange – hübsch nach Größe geordnet. Derzeit sind immerhin 34 Kinder und Jugendliche im Kirchendienst aktiv. Die Tapete an der Wand dahinter sieht nicht mehr allzu frisch aus. Kein Wunder, schließlich hat sich hier seit 35 Jahren nicht mehr viel getan. Laut Mettel ist die Sakristei aber Bestandteil des aktuellen Renovierungsprojekts.

    Vor den Gottesdiensten zieht in die Sakristei Leben ein. Pfarrer, Kaplan, Küsterin, Kantor und Organist, Messdiener und Laien, die liturgische Texte verlesen oder die Kommunion austeilen – sie alle treffen sich dann in den Räumen. Pfarrer Mettel macht der Trubel nichts aus. Nur kurz vor dem Gottesdienst nimmt er sich einen Moment Zeit fürs Gebet, um mit geordneten Gedanken die kleine Glocke an der Tür zum Chorraum zu läuten, bevor er vor seine Gemeinde tritt. (rgr)

     

    Wer selbst einen Blick in die Sakristei werfen möchte, kann das am 6. Juni beim Tag der offenen Tür (Führung für Kinder und Angehörige) tun.

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