Mia Bernstein: "Die digitale Sonnenfinsternis"
„Damals meinst du. Damals, als es das Internet noch gab“, sagte ich, bestelle meinen zweiten Kaffee und schaue mir die Leute um mich herum an. Nur wenige versuchen noch hartnäckig, ihre E-Mails abzurufen, die meisten reden. Oder lesen. „Es gibt Schlimmeres als kein Internet zu haben“, denke ich, behalte es aber lieber für mich.
Martin versucht, ein Fazit des fünften Tages ohne Internet zu ziehen: Die Post erwartet steigende Gewinne in der Briefzustellung, Fahrradkuriere werden gesucht, altmodische Single-Tanztees melden riesigen Zulauf, Mütter auf den Spielplätzen konzentrieren sich auf ihren Nachwuchs. Pornoindustrie und Buchhandel profitieren ebenso wie das kleine Café, in dem wieder Leben herrscht, Arbeitsplätze werden geschaffen. Und während er redet, Vor- und Nachteile abwägt, merke ich, dass ich in Gedanken abschweife, weil ich für das Problem keine Lösung habe.
Für meine Recherchen muss ich in Zukunft wieder in Bibliotheken gehen und mir in einer gemischten Schreibwaren-Lotto-Spielwaren-Handlung sagen lassen, dass Tintenpatronen für meinen exotischen Drucker zur Zeit restlos ausverkauft sind. Es gibt nur eine Frage, die mich in der Tat beschäftigt und die wirklich gelöst werden muss: Wie füllt man noch einmal einen Überweisungsträger aus?
http://twitter.com/miabernstein

























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