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    Tiefkühlgerichte, Konservendosen, Tütensuppen - so sieht heute der Ernährungsalltag in vielen Familien aus. Das jahrhunderte-, ja sogar jahrtausendealte Wissen über essbare und gesundheitsfördernde Wildkräuter ist in den vergangen Jahrzehnten in der breiten Bevölkerung weitgehend verloren gegangen.

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    Der Knoblauchduft erfüllt die Waldlichtung: Von der Bärlauchwiese nahmen die Kräuterwanderer eine Kostprobe.
    Der Knoblauchduft erfüllt die Waldlichtung: Von der Bärlauchwiese nahmen die Kräuterwanderer eine Kostprobe.
    Foto: Natalie Simon

    Tiefkühlgerichte, Konservendosen, Tütensuppen - so sieht heute der Ernährungsalltag in vielen Familien aus. Das jahrhunderte-, ja sogar jahrtausendealte Wissen über essbare und gesundheitsfördernde Wildkräuter ist in den vergangen Jahrzehnten in der breiten Bevölkerung weitgehend verloren gegangen.

    Vielen bekannt: der Sauerampfer.
    Vielen bekannt: der Sauerampfer.
    Foto: Härtewig

    Hillscheid - Gundermann, Giersch, kriechender Günsel - noch nie gehört? Gehört vielleicht nicht, aber bestimmt hat jeder schon einmal diese Wildkräuter gesehen. Die Gemeinschaftsinitiative Westerwald der drei Landkreise Westerwald, Altenkirchen und Neuwied hat mit dem Projekt „Kräuterwind - Genussreicher Westerwald“ einen Themenschwerpunkt gesetzt, um die Stärken und Vorzüge der Region zu vermitteln und mit anderen Aspekten wie Wandern und Tourismus zu verknüpfen. Regelmäßig bietet die Initiative Kräuterwind auch Kräuterwanderungen an, bei denen Interessierte alles über die, weitgehend unbeachteten, Köstlichkeiten am Wegesrand lernen. Dieses Angebot nutzte auch unsere Zeitung.

    In Zusammenarbeit mit der Reihe „Wäller kochen mit Pfiff“ der Bürgergemeinschaft „Mach mit“ Hillscheid bot das Leuchtturmprojekt LT-RP-1 „Lernen wie die Beginen“ eine Wildkräuterwanderung in Verbindung mit einem Kochkurs an. An einem kalten, aber trockenen Nachmittag machen sich 15 Interessierte unter der Führung von Klaus-Dieter Stahl, Kräuterpädagoge der Initiative Kräuterwind, auf, um die Delikatessen am Wegesrand und ihre Verwendung kennenzulernen. Kaum aus dem Auto gestiegen, ist man dann erst einmal auf einen Marsch eingestellt, um dem ersten der ominösen Kräuter zu begegnen. Doch weit gefehlt. Noch auf dem Parkplatz macht uns der Kräuterpädagoge auf eine sattgrüne Pflanze aufmerksam: Beinwell. Seine medizinische Wirksamkeit ist vielen bekannt, doch dass er auch in der Küche vielfältig verwendet werden kann, das weiß kaum jemand. Nach Geruchs- und Geschmacksproben geht es schrittchenweise weiter, denn dort steht Wildkraut an Wildkraut. Dass Löwenzahn und Brennnessel genießbar sind, ist uns Kräuerwandernden, die wir schon eine gewisse Vorbildung haben, natürlich bekannt. Aber auch das hübsche Wiesenschaumkraut, eine ausgezeichnete Würzpflanze mit pfeffrigem Aroma, die Taubnessel, der Gundermann, den jeder schon einmal gesehen hat, von dem aber keiner wusste, dass er auch in der Küche verwendet werden kann, und der Giersch, der viele Gärtner zur Verzweiflung bringt, jedoch durch Verzehr ganz einfach „vernichtet“ werden kann - sie alle sind essbare Wildkräuter, die für Salate und andere Zubereitungen wunderbar genutzt werden können. „Jetzt sind wir circa 20 Meter gegangen und haben schon so viele Kräuter gefunden. Sie sind da, aber man

    beachtet sie nicht“, sagt Klaus-Dieter Stahl. Der Experte empfiehlt, lieber die Finder von Pflanzen zu lassen, bei denen man sich mit der Identifikation nicht hundertprozentig sicher ist. Ein großer Teil der Wildkräuter, die wir auf der Wanderung sehen, sind uns jedoch schon bekannt, die Teilnehmer wussten bisher nur nicht, dass sie auch in der Küche Verwendung finden können. Wir setzen den Weg fort, treffen aber fast bei jedem Schritt auf ein neues Kraut, das gleich an Ort und Stelle probiert werden muss. Sauerampfer ist natürlich vielen bekannt, Storchenschnabel schmeckt erst wie Sauerampfer, wird dann bitter - nicht unbedingt das leckerste der gefundenen Kräuter. Beim Huflattich kann man die Blüten in getrockneter Form für Tee verwenden und auch vom kriechenden Günsel, den man oft auf Wiesen sehen kann, sind Blätter und Blüten essbar. Und wer hätte das gedacht - selbst die jungen Buchenblätter kann man für einen Wildkräutersalat verwenden.

    Vom Weg führt uns Klaus-Dieter Stahl über einen kleinen Bach in den Wald, wo jedem schon der charakteristische Knoblauchduft des Bärlauchs in die Nase steigt. An dieser Stelle ist der Waldboden komplett von dem köstlichen Kraut bedeckt. Nachdem auch dort einige Kostproben genommen sind, machen sich die Wanderer wieder auf den Rückweg. Die gefundenen Kräuter wurden fleißig in Wort und Bild dokumentiert, damit man sie auch wiederfindet. Denn alle sind sich einig: Das bei der Wildkräuterwanderung erworbene Wissen soll auf jeden Fall am heimischen Herd weiter kulinarisch genutzt werden. Natalie Simon

     

    „Als begeisterte Hobbygärtnerin und -köchin interessiert es mich sehr, welche Pflanzen aus der Natur ich in meiner Küche verwenden kann.“ So erklärt Natalie Simon, weshalb sie dieses Thema aufgegriffen hat.

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