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  • Festival Staatstheater bringt Bewegung von uralten Stammesriten bis zu Tanz im Alter auf die Bühne

    Tanzmainz Festival #2: Tanz ist für alle Menschen da - und für jedes Alter

    Mainz. Spannende Kontraste beim „Tanzmainz Festival #2“ am Staatstheater: Die ernsthafte Beschäftigung mit uralten Stammes- und Ritualtänzen ist heute mehr denn je Teil des modernen internationalen Tanzgeschehens. Dies unterstrich jetzt ein Gastauftritt der Compagnie von Georges Momboye.

    Die Compagnie Georges Momboye von der Elfenbeinküste zeigte die Produktion „Fußabdrücke der Massai“ beim Tanzfestival.
    Die Compagnie Georges Momboye von der Elfenbeinküste zeigte die Produktion „Fußabdrücke der Massai“ beim Tanzfestival.
    Foto: Steve Appell

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Der von der Elfenbeinküste stammende französische Choreograf Georges Momboye hatte seine Produktion „Fußabdrücke der Massai” nach Mainz mitgebracht. Darin folgen sechs Männer und eine Frau der Tanztradition jener halbnomadischen Volksgruppe Ostafrikas, erzählen auf diese Weise tanzend von Ereignissen in deren Leben.

    Stolzen, ruhigen, wiegenden Schrittes geht die Frau, eine Kalebasse auf dem Kopf balancierend, Wasser holen. An der Bühnenrampe kniet ein nur mit Lendenschurz bekleideter junger Mann, tief atmend in sich versunken. Er bereitet sich auf seine Initiation als Jäger und Krieger vor. Die folgenden Prüfungen sind hart. Sie umfassen Jagdgeschick, Zweikampf, Selbstbehauptung und schließlich einen schon beim bloßen Zuschauen beängstigenden Spießrutenlauf durch einen mit Stöcken peitschenden Korridor der Stammesgenossen.

    Tänzerischer Kraftakt

    Man lässt aus archaischer Kraft-, Mut- und Geschicklichkeitsdemonstration Anmut bis hin zur gefühligen Zartheit erwachsen: Das scheint hier die Devise des Choreografen zu sein. Immer wieder springen einzelne Tänzer in der Massai-typischen Manier sich mit beiden Beinen abstoßend und angelegten Armen senkrecht in die Höhe. Wir verstehen das als Ausdruck von Entschlossenheit oder auch als Mittel, eigene Unsicherheit zu überwinden – beim Bändigen eines wilden Tieres, wuchtig dargestellt von einem an Gummibänder gefesselten Tänzer, beim Überwinden von Streit durch enges Zusammendrängen der Gruppe, bei der konkurrierenden Brautwerbung um jene Frau, die ein gelassenes Selbstbewusstsein ausstrahlt, als sei sie die verjüngte, wissende Wiedergeburt von Mama Afrika.

    Was ist da bloß gut gemachte Folklore, was künstlerische Verarbeitung authentischen ethnischen Erbes? Wer nicht vertraut ist mit der Massai-Kultur, kann es kaum beurteilen. Aber vermutlich ist das auch nicht so wichtig, weil die sechs schwarzen und ein weißer Darsteller beide Stränge zu einer dynamischen, komplexen und an sinnlichen Ambivalenzen reichen Performance zusammenfließen lassen.

    Gespräch über das Wesen des Tanzes

    Afrikanischer Kraft der Jugend im Kleinen Haus folgt auf der Kellerbühne U17 des Theaters ein fast gegenteiliger Aspekt aus der Tanzwelt: Zwei Herren, schon über das 50. Lebensjahr hinaus, sinnieren launig über schwindende Kraft und Tanz im Alter. Der slowenische Theatertheoretiker und Performer Janez Jansa plaudert mit seinem Landsmann, dem Tänzer und Choreografen Iztok Kovak, über dessen Kultsolo „How I caught a Falcon” aus dem Jahr 1991. Da wird augenzwinkernd manch alte Rechnung aufgemacht oder in vergangenem Glanz geschwelgt.

    Im Zentrum jedoch stehen, von schweißtreibenden Demonstrationen begleitet, Alterserkenntnisse über das Wesen des Tanzes. Tanz, heißt es da, sei überall. Kovak und Jansa führen den Körperrhythmus beim Basketball vor, zeigen an Ballettfiguren erinnernde Haltungen von Skifahrern, unterstreichen ihr Reden mit harmonisch fließenden Bewegungen. Die ausschließliche Bindung der Tanzkunst an kraftvolle, schöne, junge Körper wird von den beiden als Irrtum verworfen. Und man zieht daraus die tröstende wie ermunternde Lehre: Jede Altersklasse kann sich für fast jeden Körperzustand den angemessenen Tanzausdruck schaffen – und sei es eine kunstvolle Choreografie nur von Arm- und Handbewegungen im Stand oder Sitzen.

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