French Open
Talentiert, nervenstark, lernwillig: Die Jungstars im Tennis
Joao Fonseca
Joao Fonseca gilt als kommender Top-Ten-Spieler im Tennis - mindestens. (Archivbild)
Asanka Brendon Ratnayake. DPA

Jannik Sinner und Carlos Alcaraz auf Jahre unantastbar? Ein paar Youngster wollen es nicht dazu kommen lassen. Wer die großen Talente sind und wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

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Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open.

Rafael Jódar (19)

Schon allein wegen desselben Vornamen drängt sich die Frage auf: Hat das spanische Tennis einen neuen Rafael Nadal? Der Vergleich hinkt aber nicht nur aufgrund der riesigen Erfolge des früheren Sandplatz-Königs, sondern auch wegen der Spielweise. Anders als Nadal ist Jódar kein Defensivspezialist, lange Rallys will der 19-Jährige eher vermeiden. Der 1,91 Meter große Spanier kommt über das Tempo und Risiko in seinen Schlägen ohne viel Topspin. 

Dass er damit auch auf Sand erfolgreich sein kann, hat Jódar in Barcelona, Madrid und Rom bewiesen. Weil er möglichst lange Tennis am College spielen wollte, stand er vor einem Jahr in der Weltrangliste noch jenseits der Top 600 - jetzt gehört er schon zu den besten 30 Spielern der Welt. Nicht nur für Toni Nadal, Onkel und früherer Erfolgstrainer von Rafael Nadal, ist Jódar der «beste Spieler dieser neuen Generation» mit dem «größten Potenzial».

João Fonseca (19)

Der Brasilianer ist schon länger im Fokus. Bei den Australian Open 2025 verlor Fonseca zwar in der dritten Runde, doch selbst die ganz Großen der Szene waren begeistert. «Ich liebe einfach, wie er die wichtigen Punkte spielt», sagte Novak Djokovic: «Ich bin ein Fan seines Spiels.» Alcaraz meinte damals: «Wir werden den Namen João Fonseca schon bald auf die Liste der besten Spieler der Welt setzen.»

Noch ist es nicht so weit, die Entwicklung des 19-Jährigen stagnierte zuletzt - auch bedingt durch wiederkehrende Rückenschmerzen. Der kraftvolle Fonseca bringt aber viel mit für eine Erfolgskarriere. Von seinen Fans wird er bei jedem Turnier frenetisch angefeuert - mitunter sogar für ihn selbst zu eifrig. Es müsse «ein gewisses Maß geben», sagte er und klagte über «zu viele Zwischenrufe». 

Learner Tien (20)

Der US-Amerikaner ist längst kein Unbekannter mehr auf der Tour. Den Sprung in die Top 100 schaffte er bereits im Januar 2025, danach arbeitete er sich kontinuierlich bis in die Top 20 vor. Der mit 1,80 Meter vergleichsweise kleine Tien ist kein Aufschlagwunder, dafür besitzt er ein herausragendes Spielverständnis. «Meiner Meinung nach kann er irgendwann die Nummer 1 der Welt werden», sagte der frühere Weltranglistenerste Daniil Medwedew.

Im Dezember triumphierte Tien bei den Next Gen ATP Finals der besten Nachwuchsspieler. Trainiert wird der 20-Jährige vom ehemaligen Grand-Slam-Turniersieger Michael Chang. «Ich halte ihn für eine ganz besondere Persönlichkeit», sagte Chang über seinen Schützling: «Er denkt auf dem Platz weitaus mehr nach als die meisten anderen Spieler.»

Martín Landaluce (20)

An Selbstvertrauen mangelt es dem Madrilenen nicht. Er könne schon jetzt «die besten Spieler schlagen», sagte Landaluce. Der frühere Weltranglistenerste bei den Junioren schaffte es in Miami als erster Spieler seines Jahrgangs 2006 ins Viertelfinale eines Masters-1000-Turniers. In Rom bestätigte er das auf Sand mit seinem offensiven und aktiven Spielstil.

Er wuchs in einer Tennisfamilie auf und wurde in der Rafael-Nadal-Akademie ausgebildet. Das Training mit dem 14-maligen French-Open-Gewinner Nadal habe ihn vorangebracht, sagte Landaluce: «Jemanden wie ihn zu beobachten, mit ihm zu spielen und zu sprechen, seine Ratschläge zu bekommen und ihn täglich beim Training zu sehen – all das ist mir im Kopf geblieben.»

Alexander Blockx (21)

Der Aufstieg des Belgiers deutete sich schon länger an, ist in den vergangenen Wochen aber atemberaubend schnell vonstattengegangen. Blockx startete in dieser Sandplatzsaison voll durch, beim Masters-Turnier in Madrid stürmte er bis ins Halbfinale. Da war er aber chancenlos gegen Alexander Zverev, genau wie anderthalb Wochen später in Rom in der dritten Runde.

«Ich habe mich gefühlt», sagte Blockx nach dem ersten Duell, «als würde ich gegen mich selbst spielen». Aber das andere Ich sei eben «ein paar Versionen stärker» gewesen. In der Tat ist der 1,93 Meter große Blockx genau wie Zverev aufschlagstark und aufgrund seiner Reichweite gut in der Defensive. Aber Konstanz fehlt ihm noch.

© dpa-infocom, dpa:260524-930-122461/2

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