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Neuwied

Zwölf Minuten Kirmes von früher

Ulf Steffenfauseweh

Heddesdorfer? Claus Kruft schüttelt entschieden den Kopf. Neuwieder! „Aber zur Kirmes sind wir als Pänz schon gern hingezogen“, gibt er dann mit einem Lächeln zu. Positiv aus heutiger Sicht: Claus Kruft war dabei oft nicht alleine. Schon als Jugendlicher besaß er eine Kamera und nahm eifrig bewegte Bilder auf. Daraus entstand ein Fundus, den er jetzt durchging, als er in der Rhein-Zeitung las, dass die Aktionsgemeinschaft Heddesdorfer Pfingstkirmes auf der Suche nach alten Bildern ist. Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen: Claus Kruft hat einen zwölf Minuten langen Film zusammengeschnitten, der während der Kirmestage in Dauerschleife in der Heddesdorfer Sparkasse gezeigt wird.

Foto: claus Kruft

Zu sehen ist er dabei zunächst einmal selbst: wie er sich im Pferdekarussell an die Stange klammert. Zwei Jahre alt ist er da, im Jahr 1942, und gemeinsam mit Großvater Carl Sprunkel zu Besuch auf der Pfingstkirmes. Doch während das noch Standbilder aus dem Familienalbum in Schwarz-Weiß sind, geht es nach einem Sprung in die Jahre 1956 und 1957 mit selbst gemachten, bunten und bewegten Bildern weiter. Zu sehen ist nicht nur das Treiben auf der Kirmeswiese, es gibt auch Aufnahmen von den damals äußerst üppig bepflanzten Goetheanlagen und vom Rheinufer. „Ich hatte glücklicherweise den bis heute unübertroffenen Kodak-Farbfilm“, schwärmt Kruft und weiß: „Alles andere ist rot geworden, aber der hat dauerhaft die Farbe gehalten.“ Das gilt auch für die dann auf Super 8 gemachten Aufnahmen aus dem Jahr 1977.

Hinzu kommt Filmmaterial des mittlerweile verstorbenen Werner Beinhauer. Cruft war mit dem ehemaligen Betreiber des „Hotel Union“ am Neuwiede Bahnhof dank gleicher Interessen „locker freundschaftlich verbunden“ und wusste, dass dessen Ehefrau seine Aufnahmen an das Kreismedienzentrum gegeben hatte. Dort stöberte er sich durch etliche Meter Film und pickte die interessantesten Stellen heraus. „Genauso wie bei meinem eigenen Material musste ich schon sehr selektieren. Es bringt bei einem solchen Film ja nichts, wenn die Zuschauer eine Viertelstunde Tante Frieda anschauen müssen“, sagt er. Erinnerungen wachrufen könnten dagegen die Bilder von „Spinne“ und Achterbahn – und von Alfred Bock. Jahrelang machte sich der Drehorgelspieler aus Hannover auf den Weg nach Heddesdorf, um hier zu Pfingsten zu spielen. Seine Musik hat Kruft auch unter den Film geschnitten.

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