Archivierter Artikel vom 21.03.2011, 17:02 Uhr

Zweiter Wettprozess: Sapina wieder vor Gericht

Bochum (dpa). Aus der Gefängniszelle zurück ins Rampenlicht: Nach 16 Monaten U-Haft sitzt Wettbetrüger Ante Sapina im zweiten großen Wettskandal-Prozess wieder auf der Anklagebank. Der 35-jährige Berliner tauschte seine Zelle zum Prozessauftakt gegen einen Platz im Bochumer Landgericht.

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Angeklagt
Der Angeklagte Ante Sapina wartet in Bochum auf den Prozessbeginn.
Foto: DPA

Sapina und fünf Mitangeklagte sollen 47 Spiele verschoben haben – bis hoch zu Champions League und WM-Qualifikation. Ganze Teams wurden laut Anklage zum Schaulaufen degradiert. Die Fans waren ahnungslos. Sapina war schon in den Bestechungsskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt und auch verurteilt worden.

Als er von einem Wachtmeister in den Gerichtssaal geführt wurde, gab er sich locker. Fast anderthalb Jahre hat Sapina in einer U-Haft-Zelle gesessen. Anzumerken war ihm das nicht. Seinen Brüdern, die extra zum Prozess angereist waren, winkte er durch eine zentimeterdicke Sicherheitsscheibe zu. Mehr ist nicht erlaubt. Verteidiger Stefan Conen betonte jedoch sofort: «Die U-Haft zerrt massiv an ihm. 16 Monate abseits von zu Hause, das ist für einen Familienmenschen wie ihn kein Zuckerschlecken.» Ob Sapina sein umfangreiches Geständnis im Prozess wiederholen wird? Zunächst sollen vertrauliche Gespräche mit den Richtern geführt werden.

WM-Qualifikation, Champions League, Europa League: Die Wettbetrüger hatten offenbar keine Angst vor großen Spielen. Vor der Partie zwischen Liechtenstein und Finnland am 9. September 2009 soll der FIFA-Schiedsrichter mit 30 000 Euro bestochen worden sein. Dafür sollten in der zweiten Halbzeit mindestens zwei Tore fallen. Genau so war es beim 1:1 auch gekommen. Wettgewinn laut Anklage: 221 000 Euro.

Kurios verlief die angebliche Manipulation der Champions-League-Partie zwischen VSC Debrecen und AC Florenz am 20. Oktober 2009. Laut Anklage sollte der ungarische Torwart 100 000 Euro erhalten, war aber angeblich schon von anderer Seite bestochen worden. Die Partie beschäftigt auch den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Zur völligen Farce sollen einige Spiele in der Türkei mutiert sein. Der 3:0-Sieg von Trabzonspor gegen Antalyaspor um den türkischen Antalya-Pokal ist laut Anklage zuvor von sämtlichen Spielern abgesprochen worden. Auf den Sieg von Istanbul Büyüksekir Belediyespor gegen Genclerbirligi Ankara am 3. Mai 2009 in der ersten türkischen Liga haben sich angeblich die Club-Präsidenten geeinigt. Aber auch bei Begegnungen in Belgien und in der Schweiz sollen die Anklagten Spieler von beiden Seiten auf ihren «Gehaltszetteln» gehabt haben.

Eine unrühmliche Rolle soll auch dem bosnischen Club NK Travnik zugekommen sein. Ante Sapina und der ebenfalls angeklagte Marijo C. sollen dem Verein gleich mehrfach Freundschaftsspiele in der Schweiz besorgt und auch die Reisekosten von 30 000 Euro übernommen haben. Als Gegenleistung sollte absichtlich schlecht gespielt und verloren werden. Nach Erkenntnissen der Ermittler ein lukratives Geschäft: Bei einer Begegnung gegen den FC Sion am 26. Juni 2009 beliefen sich die Wettgewinne auf rund 116 000 Euro. Die mutmaßlichen Wettbetrüger sollen ihren Einsatz fast verdoppelt haben.

Ein Großteil der Wetten wurden in Asien platziert. Über das Konto eines Londoner Buchmachers wurden zwischen 2008 und 2009 angeblich 32 Millionen Euro Umsatz gemacht. Wettgewinn laut Anklage: 3,5 Millionen Euro. Neben Ante Sapina und Marijo C. müssen sich auch Ex-Basketballprofi Ivan P., Gaststättenbetreiber Dragan M., Rotlichtgröße Deniz C. und Ramazan K. vor Gericht verantworten. Auch sie haben sich zum Prozessauftakt noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Alexander Hornung, Verteidiger von Marijo C., erklärte das auf dem Gerichtsflur so: «Beim Kartenspiel spielt man seinen Trumpf ja auch nicht sofort aus.»

Der Prozess vor der 12. Strafkammer des Bochumer Landgerichts wird am 24. März fortgesetzt.