Archivierter Artikel vom 05.12.2011, 10:25 Uhr

Zwanziger: Niersbach und «ein, zwei andere»

Berlin (dpa). Der DFB will in der Debatte um den Nachfolger von Präsident Theo Zwanziger eine schnelle Lösung. Auf einen Zweikampf zwischen Favorit Wolfgang Niersbach und Überraschungskandidat Erwin Staudt wollte sich der noch amtierende Verbandsboss aber nicht festlegen.

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Abgang
DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte am 2. Dezember seinen Rückzug angekündigt.
Foto: Maurizio Gambarini – DPA

Generalsekretär Niersbach sei «nicht nur ein guter Freund, sondern ein herausragender Kandidat für diese Aufgabe», sagte Zwanziger am Montag beim SPD-Parteitag in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. «Aber ich denke auch, dass es ein, zwei andere Kandidaten gibt, denen ich durchaus zutraue, dass sie dieses Amt übernehmen und wahrscheinlich besser machen können als ich.»

Liga-Chef Reinhard Rauball verzichtete am Montag auf eine Bewerbung. Für den FC Bayern winkte Präsident Uli Hoeneß ab. Schon an diesem Mittwoch wollen die Landesverbandsvorsitzenden und das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt/Main die Weichen für die Post-Zwanziger-Ära stellen. Möglicherweise steht der neue starke Mann schon am Ende der Woche fest. Zwanziger will sich aber nicht unter Handlungsdruck setzen lassen. «Es ist ja noch nicht ganz so weit, ich bin ja noch im Amt. Wir werden das in aller Ruhe entwickeln, man muss sich um den deutschen Fußball keine Sorgen machen», sagte der Jurist, der am Freitag überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte.

Mit aller Macht soll ein schlagzeilenträchtiger Wahlkampf innerhalb des größten Sportfachverbandes der Welt vermieden werden. «Wir müssen aufpassen, dass wir keine Nachfolge-Diskussion à la Gottschalk haben», mahnte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Sicher ist, dass Rauball als Vertreter des Profifußballs keine Ambitionen hegt. «Ich habe den Mitgliedern erklärt, dass es bei mir zu keinem Zeitpunkt die Überlegung gab, für das Amt zu kandidieren», sagte der Präsident des deutschen Meisters Borussia Dortmund am Montag vor den 36 Vertretern der ersten und zweiten Liga. An der Personaldebatte wollte sich Rauball nicht beteiligen: «Ich werde 72 Stunden nach einer Rücktrittsankündigung nicht erklären, wer der Nachfolgekandidat wird.» Die Amateurvertreter sollten jetzt «erst mal einen Vorschlag machen, dann werden wir in der Liga überlegen, wie wir uns dazu verhalten».

Vor allem in den Landesverbänden wirkt der eigenwillige Abschied Zwanzigers noch immer nach. In der Nachfolge-Frage sind die Regionalfürsten gespalten, ein klares Votum ist nicht zu erkennen. DFB-Vize Hermann Korfmacher hält Niersbach und Ligavorstands-Mitglied Staudt für «respektable und kompetente Anwärter». Als erster Spitzenfunktionär machte sich DFB-Vize Karl Rothmund für Staudt stark. «Staudt als Präsident und Wolfgang Niersbach als Generalsekretär, das wäre für mich eine Traumkombination», sagte der einflussreiche Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes.

Hinter den Kulissen ist der Wahlkampf längst entbrannt – öffentlich hält sich Niersbach total zurück, Staudt fühlt sich geschmeichelt. «Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu sein, das ist eine der schönsten Aufgaben, die es in Deutschland gibt. Ich traue mir das zu», sagte der frühere Präsident des VfB Stuttgart und IBM-Manager. «Wenn es in einem demokratischen Prozess entschieden würde, wäre ich bereit für dieses Amt.»

Am Sonntag sollen sich Zwanziger, Niersbach und Staudt getroffen haben. Der Stuttgarter gilt im Spannungsfeld zwischen Amateur- und Profifußball als möglicher Vermittler. Dumm nur für den Schwaben, dass der medial omnipräsente Franz Beckenbauer den kaiserlichen Segen seinem Freund Niersbach erteilt hat: «Er ist in meinen Augen der Beste.» Zu Staudt sagte Beckenbauer: «Er ist ein hervorragender Mann und ein super Mensch dazu. Aber er kommt aus der Liga. Gewählt wird er von den Verbänden, da hat er wenig Chancen. Ich glaube, dass die Wahl in eine andere Richtung geht.» Andere sehen das nicht so. Er verkörpere «das Scharnier zwischen Liga und Amateurfußball», meinte Korfmacher. Staudt könnte ein guter Kompromiss sein.

Niersbach genießt sowohl bei den Landesfürsten als auch bei UEFA und FIFA enormes Ansehen und hat ein hohes Standing bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). «Dass Wolfgang Niersbach ein Generalsekretär ist, der durchaus höhere Fähigkeiten hat über dieses Amt hinaus, also auch als DFB-Präsident, das weiß jeder, der in der Tagesarbeit mit dem DFB zu tun hat», sagte Rauball. «Ich halte es aber für sinnvoll, dass die Amateurvertreter einen Vorschlag machen sollen.»

Seit 38 Jahren ist der heutige Generalsekretär im Geschäft, angefangen hat er als Sportjournalist. Beckenbauer würde sogar so weit gehen, für einen Verbandschef Niersbach die Statuten zu ändern und das DFB-Präsidentenamt zu einem bezahlten Job zu machen. Sein Präsidentschaftsnachfolger beim Branchenprimus FC Bayern hält sich aus der Debatte heraus. «Ich möchte mich in die personellen Diskussionen nicht einmischen», sagte Uli Hoeneß, der sich selbst in München bestens aufgehoben fühlt. «Meine Position ist Präsident des FC Bayern. Da habe ich so viele Aufgaben in den nächsten Jahren, da verschwende ich keinen Gedanken, nach Frankfurt zu gehen.»