Archivierter Artikel vom 08.07.2010, 11:32 Uhr
Erasmia

Zwanziger drängt Löw weiter – noch keine Einigung

Der Verbands-Chef spricht schon über die Laufzeit, der Bundestrainer signalisiert Lust – doch die Fußball-Nation muss weiter auf das endgültige «Ja»-Wort von Joachim Löw warten.

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Die Zeit für Bundestrainer Joachim Löw scheint noch nicht abgelaufen zu sein.

Obwohl viele Zeichen darauf hindeuten, dass der 50-Jährige den in Südafrika erfolgreichen Kurs seiner neuen «Boy Group» mindestens auch bis zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine weiter bestimmen wird, bleibt die Vertragsverlängerung für den Freiburger wie immer wieder betont ein «Thema nach dem Turnier».

«Wer Jogi kennt, weiß, dass er zu seinem Wort steht», erklärte Manager Oliver Bierhoff im DFB-Quartier in Erasmia. Löw, der sich vor dem abschließenden Spiel um Platz drei gegen Uruguay mit einem grippalen Infekt plagt, will nach der Rückkehr in die Heimat zuerst das Gespräch mit Bierhoff suchen. «Ich habe immer noch nicht mit ihm gesprochen. Es gibt noch ein wichtiges Spiel», versicherte der Manager vor dem «kleinen WM-Finale» des deutschen Teams in Port Elizabeth.

«Es gibt keinen festen Zeitplan», betonte Bierhoff, der auch wieder Motivation für zwei weitere Jahre als Teammanager zu verspüren scheint. Zwar würden Löw und er wissen, dass sie das Vertrags-Thema «nicht ewig hinauszögern» könnten, da schon am 11. August in Dänemark das erste Länderspiel der neuen Saison ansteht. «Aber wir werden das Turnier zu Ende spielen. Danach ist Zeit. Wir brauchen drei, vier Tage, um Luft zu holen», sagte Bierhoff.

DFB-Präsident Theo Zwanziger drängt dennoch weiter, weil er spürt, dass die Nation einen Abschied von Löw nach dem bisher begeisternden WM-Auftritt von Mesut Özil & Co. nicht verstehen und akzeptieren würde. «Es gibt keine Verabredungen, die wir je getroffen hätten. Aber die Chancen stehen gut, weil der Bundestrainer weiß, dass wir hinter ihm stehen», sagte Zwanziger am Freitag in der ARD. So einfach aber werden die Verhandlungen mit dem gestärkten Löw nicht. Schon einmal waren sie zu Beginn des Jahres mit viel Getöse gescheitert.

In der «Bild»-Zeitung» nannte der DFB-Boss schon wieder Details der angestrebten neuen Vereinbarung mit Löw, der in Südafrika mit der jüngsten deutschen Mannschaft seit 76 Jahren zum Trainer der WM und zum Liebling der schwarz-rot-goldenen Fans in der Heimat aufgestiegen ist. Laut Zwanziger soll Löw einen Zwei-Jahres-Kontrakt bis zur EURO 2012 erhalten: «Ein Vier-Jahres-Vertrag war bislang nie ein Thema, das war bislang auch die Philosophie von Joachim Löw.»

Der Bundestrainer selbst bleibt auch vor dem letzten Turnierspiel «zu hundert Prozent» konzentriert auf die WM-Aufgabe. «Daran haben wir uns gehalten», hatte Löw betont.

Der Druck auf die DFB-Bosse wächst, eine Einigung mit Löw schnell herbeizuführen. «Wir haben seit Jahren eine sehr gute Nachwuchsarbeit und exzellente Möglichkeiten für die Zukunft. Das sind Voraussetzungen, die einen ehrgeizigen Trainer wie Löw interessieren dürften», glaubt Zwanziger.

Natürlich hat der Bundestrainer, der seit 2004 zunächst als Assistent von Erneuerer Jürgen Klinsmann und seit 2006 als Chefcoach für den Deutschen Fußball-Bund wirkt, in den neun Wochen zusammen mit seiner neuen DFB-Jugendband Bestätigung für seine Trainerarbeit und Lust auf mehr bekommen. Doch drängen lassen wird er sich auch von Zwanziger nicht. Schon zweimal ist das grandios schief gegangen.

Am 15. Dezember des Vorjahres hatte Zwanziger aus Jerusalem einen neuen «Handschlag-Vertrag» mit Löw verkündet. Der Verband zog am folgenden Tag mit der offiziellen Mitteilung nach, dass Löw bis zur EM 2012 Bundestrainer bleibe. Überrascht davon bestätigte Löw seine «grundsätzliche Bereitschaft», sah aber «weiteren Gesprächsbedarf».

Mit einem Desaster endeten die von Manager Bierhoff mit der DFB-Spitze geführten Vertragsgespräche zu Beginn des WM-Jahres. Einzelheiten des von Löw und Bierhoff geforderten Vertrages gelangten durch Indiskretionen in die Öffentlichkeit; Löw stand plötzlich nach außen als Abzocker da. Auf der anderen Seite setzte der Verband ein Ultimatum für die Unterschrift – und das ausgerechnet für den 50. Geburtstag des Trainers. «Ich hatte schon mit der Situation zu kämpfen und war angespannt», bekannte Löw danach.

Nur mit Mühe normalisierte sich das Verhältnis zwischen den Chefs der Nationalmannschaft und den Bossen des Verbandes wieder. Viele Zeichen deuten nun auf eine Verlängerung hin – zunächst um zwei Jahre. Selbst Bierhoff, dessen Zukunft beim DFB nach den Querelen mit Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach schon beendet schien, ist für die Job-Fortsetzung bis 2012 wieder im Rennen.

«Langfristige Verpflichtungen sind nicht so gut, auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Es ist vernünftig, immer von Turnier zu Turnier zu denken», sagte Zwanziger, der Löw schon in Südafrika den Roten Teppich ausgerollt hat. Am 30. Juli möchte Zwanziger einen neuen Löw-Kontrakt vom DFB-Präsidium absegnen lassen.