Archivierter Artikel vom 05.07.2010, 16:54 Uhr

Zahnärzte: Nachholbedarf bei Behandlung Behinderter

Erfurt (dpa). Die zahnmedizinische Behandlung behinderter Menschen ist nach Einschätzung der Landeszahnärztekammer Thüringen verbesserungsbedürftig. Dabei sei diese Patientengruppe besonders anfällig für Erkrankungen wie Karies oder Parodontitis.

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Zahnarztbesuch
Behinderte Menschen sind besonders anfällig für Karies – trotzdem ist ihre zahnärztliche Versorgung oft schlecht. (Bild: dpa)

Zu viele Menschen mit Behinderungen würden bisher durch das Netz der zahnärztlichen Betreuung fallen, sagte Kammerpräsident Andreas Wagner am Samstag (3. Juli) auf einer Fachtagung in Erfurt. Nach einer Studie der Universität Heidelberg haben behinderte Menschen sechsmal so viele Zähne mit Karies und doppelt so viele fehlende Zähne wie Nichtbehinderte. Gründe sind die Probleme, die sie wegen ihre Einschränkungen bei der selbstständigen Mundhygiene oder bei Zahnarztbesuchen haben.

Eine weitere Ursache sei zu einseitige Ernährung. Auch bei Zahnärzten und Praxispersonal gebe es Defizite im kompetenten Umgang mit Behinderten oder Pflegebedürftigen. Dort sollen die Weiterbildungsangebote ansetzen. Nach Schätzungen der Bundeszahnärztekammer sind beispielsweise bei etwa 40 Prozent der Behandlungen Vollnarkosen notwendig.

Ziel sei es, behinderten Menschen durch eine verbesserte Mundgesundheit zu einer höheren Lebensqualität zu verhelfen, erklärte Wagner. Die Thüringer Zahnärztekammer hat nach seinen Angaben maßgeblich an einem bundesweiten Konzept für die zahnärztliche Versorgung behinderter und pflegebedürftiger Menschen mitgewirkt. Die Kammer in Thüringen ist die Vertreter für knapp 2000 Zahnmediziner.