Fußball

Wo sind die Dauerkartenbesitzer?

Die Zuschauer sind längst zurück in den Stadien der Fußball-Bundesliga, aber was ist eigentlich mit den Dauerkarteninhabern? Einige von ihnen dürfen schon wieder rein, manche wollen aber gar nicht. Für die Clubs ist das kompliziert.

BVB-Fans
Die Dortmunder Fans feuern ihr Team an.
Foto: Bernd Thissen/dpa

Stuttgart (dpa). Es war einmal, da galt die Dauerkarte als Konstante im Leben eines Fußball-Fans.

Wer sie bekommen wollte, musste sich bei einigen Bundesligisten ziemlich lange darum bemühen, doch dann orientierte sich das Privatleben alle paar Tage an dem begehrten Ticket: Wenn der Herzensverein im eigenen Stadion spielte, ging man hin, die Treuesten der Treuen waren fast immer da.

Corona-Pandemie kam dazwischen

Sie kamen im Hochsommer, wenn es regnete, wenn es um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg ging – bis auch ihnen das Coronavirus im März vergangenen Jahres dazwischen grätschte. Und jetzt, im Herbst 2021, gibt es die Pandemie noch immer, trotzdem sind die Zuschauer längst zurück in den Arenen. Aber wo sind eigentlich die Dauerkartenbesitzer?

Die Antwort ist kompliziert. In einige Stadien kommen sie aufgrund verschiedener Corona-Bestimmungen noch gar nicht wieder so einfach rein. Andere Clubs wie der FC Bayern München aktivieren für das kommende Heimspiel gegen den SC Freiburg am Samstag wieder ihre Jahreskarten, mit 75.000 Zuschauern soll die Arena erstmals seit Anfang 2020 sogar wieder ausverkauft sein. Und dann gibt es Clubs wie Eintracht Frankfurt, wo Dauerkartenbesitzer schon zuletzt wieder rein durften, aber gar nicht unbedingt wollten. Beim jüngsten Heimspiel gegen RB Leipzig blieben rund 20.000 von ihnen lieber zuhause.

„Das Thema ist viel größer als die Ultragruppen“, sagte Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann zuletzt dem TV-Sender Bild. Während die Ultragruppierungen einiger Clubs in den vergangenen Wochen aus Protest gegen die Corona-Beschränkungen noch nicht wieder in die Arenen strömten, könnten die Gründe für andere regelmäßige Stadionbesucher tiefer liegen. Es dürfte auch um Sorgen angesichts zuletzt stark steigender Corona-Zahlen und um die zunehmende Verwirrung um einen Flickenteppich an Regeln geben. Denn eine einheitliche Richtlinie für die Zulassung von Zuschauern in Bundesliga und 2. Liga gibt es nicht.

Verschiedene Modelle

Während einige Vereine auf das 2G-Modell setzen, wechselte unter anderem Borussia Dortmund zuletzt wieder auf ein 3G-Modell. Dabei dürfen auch negativ auf das Coronavirus getestete Fans ins Stadion. Nach Ansicht einer Mehrheit der Bundesbürger sollten aber grundsätzlich nur geimpfte und genesene Fans Einlass erhalten. 60 Prozent der Befragten sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur dafür aus. 29 Prozent der Deutschen würden dies demnach nicht richtig finden – wozu auch die Ultras der meisten Clubs zählen dürften.

Viele Vereine stehen dadurch vor einem Dilemma: In Baden-Württemberg etwa erlaubt die Landesregierung den Profi-Clubs wie dem VfB Stuttgart eine Vollauslastung des Stadions nur unter 2G-Bedingungen. Für seine restlichen Hinrundenspiele hatte der VfB dennoch bis Ende Oktober immerhin rund 11.000 „Dauerkärtle“, also ein Ticket-Paket für eine bestimmte Anzahl an Spielen, verkauft. Reguläre Dauerkarteninhaber dürften aber auch den Schwaben zuletzt ferngeblieben sein. Wie andere Clubs hat auch der VfB mit aktuell (noch) verhaltendem Zuschauerinteresse zu kämpfen.

Es wird also noch dauern, bis die „Normalität“ in die deutschen Stadien zurückkehrt. Falls sie überhaupt zurückkehrt. „Wir hoffen natürlich, dass der Bundesliga-Fußball schon bald wieder zur gewohnten Wochenend-Routine der Leute dazugehören wird“, sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Tim Schumacher. Diese Routine gab es mal in einer Zeit vor Corona. Ob es sie bald wieder gibt, ist abzuwarten.

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