Archivierter Artikel vom 17.12.2010, 12:52 Uhr

Wir basteln uns ein Weihnachtsmenü

Es hatte schon einer gehörigen Portion Fantasie bedurft, sich auf dem brachliegenden Fabrikgelände in Höhr-Grenzhausen ein Restaurant vorzustellen. Heute wiederum fällt es schwer, sich anstelle des stylishen „Silicium“ noch an die alte Glasfabrik zu erinnern, die hier einmal stand.

Lesezeit: 3 Minuten
Eine Vorspeise im Silicium: Tatar vom Lachs mit Anis, Salat im Parmesankorb und Pfefferschmand.
Eine Vorspeise im Silicium: Tatar vom Lachs mit Anis, Salat im Parmesankorb und Pfefferschmand.
Foto: Nicole Mieding

Es hatte schon einer gehörigen Portion Fantasie bedurft, sich auf dem brachliegenden Fabrikgelände in Höhr-Grenzhausen ein Restaurant vorzustellen. Heute wiederum fällt es schwer, sich anstelle des stylishen „Silicium“ noch an die alte Glasfabrik zu erinnern, die hier einmal stand.

Doch der Loftcharakter in dem 2008 eröffneten Hotel-Restaurant erzählt noch die industrielle Vorgeschichte des Gebäudes. Klare Linien, karge Sichtbetonwände und lackierte Böden verbreiten nüchterne Sachlichkeit. Chichi sucht man vergebens.

In der Küche geht es dafür umso spielerischer zu. „Die reicht von rustikalen regionalen Gerichten wie einer modernen Variante von ‚Himmel un Ääd’ bis hin zu asiatisch-mediterraner Fusionküche – derzeit etwa einem Lammcurry mit Maronen und Wurzelgemüse“, erläutert die geschäftsführende Inhaberin Christina Heinz. „Wir nehmen von allem das Leckerste und richten uns bei den Zutaten nach der Jahreszeit“, sagt sie. Im Restaurant bereiten Köche die Speisen am offenen Tresen vor den Augen der Gäste zu.

Dennis Ehlen ist längst daran gewöhnt, dass Besucher ihm über die Schulter und in die Töpfe schauen. Mehr noch: Der Küchenchef des Silicium reicht seine Tricks sogar gern an Kochlaien weiter. Beim „Selfmade Dinner“ im Restaurant leitet er Gäste bei der Zubereitung ihres Abendessens in der Restaurantküche an. Und in der hauseigenen Kochschule weiht er versierte Hobbyköche ebenso wie unbeleckte Kochlaien in seine Küchengeheimnisse ein. Ein Satz fällt dabei nie: der Kochfernseh-Klassiker „Ich hab da mal was vorbereitet“. Ehlen beweist seinen Schülern, dass Kochen auf hohem Niveau keine Zauberei ist, indem er jeden Handgriff Schritt für Schritt vor ihren Augen vollzieht. So brachte er einer neugierigen Gruppe von Kücheneleven vergangene Woche bei, wie man stressfrei ein viergängiges Weihnachtsmenü auf den Tisch bringt.

„Wenn man zu Hause Gäste hat, ist Vorbereiten allerdings das A und O“, warnt Ehlen mit Blick auf die Feiertage. Sein Tipp für kochende Gastgeber: Schon bei der Zusammenstellung des Menüs darauf achten, dass die einzelnen Komponenten nicht „à la minute“ – also quasi vor den Augen der Gäste – fertig werden müssen. „Fleisch braten im Festtagskleid ist wirklich unangenehm“, sagt der Profi. „Und wer anfängt, die Kartoffeln zu kochen, während alle anderen schon am Esstisch sitzen, der hat es sich selbst eingebrockt, wenn der Abend im Schlamassel endet.“

Bis zum Schluss sollte man sich beim Festessen lediglich den letzten Produktionsschritt in der Küche aufbewahren. Das Wichtigste nach der Planung des Menüs ist deshalb, vor dem Kochen für genügend Stauraum im Kühlschrank zu sorgen. So lassen sich die fertigen Komponenten zum Schluss einfach und rechtzeitig auf dem Teller zusammenführen.

Drei goldene Regeln gibt Ehlen Gastgebern für kommende Küchengroßkampftage mit auf den Weg:

1 „Bloß nicht zu viel Kunsthandwerk!“ Also: Die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen, lieber etwas bodenständiger bleiben.

2 „Weniger ist mehr!“: Der Umfang eines Menüs sollte überschaubar bleiben, um dem Koch nicht zu viel Küchenlogistik abzuverlangen. Selbstbewusste können zu Weihnachten sogar den Hauptgang streichen, weil ohnehin meist schon jede Menge Plätzchen den Magen füllen.

3 In der Küche gilt die umgekehrte Menüfolge. Also zuerst das Dessert vorbereiten: „Der Abschluss hinterlässt den nachhaltigsten Eindruck“, weiß Ehlen, „der muss eine sichere Bank sein.“

NICOLE MIEDING