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    Hoppstädten/Hattgenstein

    Windkraft: Drei Zusagen und ein Widerspruch

    Die Kreisverwaltung hat den Investorenfirmen und den betreffenden Grundstückseigentümern in zwei Orten kurz vor Weihnachten eine aus deren Sicht frohe Botschaft verkündet: Die Behörde in Birkenfeld erteilt zum einen die Genehmigung für die Erweiterung des Windparks auf dem Weiersbacher Berg um zwei zusätzliche Räder, und sie stimmt zum anderen auch der Errichtung einer Anlage auf der Gemarkung Hattgenstein zu. Derweil wird der abgelehnte Bau von acht weißen Riesen bei Leisel und Siesbach ein juristisches Nachspiel haben.

    Auf dem Weiersbacher Berg drehen sich bereits seit Längerem mehrere Windräder. Nun steht fest, dass dort noch zwei weitere Anlagen gebaut werden dürfen.  Foto: Reiner Drumm
    Auf dem Weiersbacher Berg drehen sich bereits seit Längerem mehrere Windräder. Nun steht fest, dass dort noch zwei weitere Anlagen gebaut werden dürfen.
    Foto: Reiner Drumm

    Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

    Mit einem Schreiben vom 20. Dezember hat die Kreisverwaltung der WEAG Future Energies AG mit Sitz in Neumagen-Dhron erlaubt, dass die Antragsteller unweit der Gemarkungsgrenze zu Leitzweiler zwei Anlagen des Typs Enercon E-92 mit einer Gesamthöhe von je 184 Metern aufstellen dürfen. In diesem Bereich betreibt das Unternehmen bereits einen Windpark mit fünf kleineren, 125 Meter hohen Rädern, die sich dort bereits seit 2003 drehen. Eine neuere, 180 Meter hohe Anlage ging 2014 ans Netz. Mit Blick auf die beiden nun noch hinzukommenden Räder betont Jürgen Schlöder, zuständiger Dezernent bei der Kreisverwaltung: "In dem durchgeführten förmlichen Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit wurden keine Einwendungen gegen die Windenergieanlagen erhoben."

    Anfänglich hatte die Fachgruppe Luftverkehr des Landesbetriebs Mobilität (LBM) zwar Bedenken wegen des nahen Flugplatzes in Hoppstädten geäußert, letztlich aber festgestellt, dass die sichere Durchführung des dortigen Flugbetriebs durch die beiden zusätzlichen Räder nicht gefährdet wird (die NZ berichtete am 8. September). Zu diesem Zeitpunkt hatte auch die Ortsgemeinde Hoppstädten-Weiersbach ursprünglich noch kein Einvernehmen zu den neuen Bauplänen der Firma WEAG erteilt. "In einer späteren Ratssitzung haben wir uns dann aber mit diesem Vorhaben einverstanden erklärt", sagt Bürgermeister Welf Fiedler auf aktuelle Anfrage unserer Zeitung.

    Denn vor diesem neuen Beschluss sei die Investorenfirma der Gemeinde unter anderem in finanzieller Hinsicht entgegengekommen. Konkreter, auch was die Höhe der Zahlungen angeht, will Fiedler aber nicht werden. Die beiden geplanten Räder sollen auf privaten Flächen errichtet werden, die Kommune hat dort aber indirekt Einfluss über die Nutzung des Wegerechts. Die zwei neuen Anlagen werden 1100 beziehungsweise 1500 Meter von den ersten Wohnhäusern in Weiersbach entfernt errichtet. Zu den Wohngebäuden in Leitzweiler beträgt der Abstand 1000 beziehungsweise 1100 Meter.

    Ebenfalls mit Schreiben vom 20. Dezember hat die Kreisverwaltung der Geres Wind Power GmbH die Genehmigung zur Errichtung einer Anlage des Typs Enercon E-92 mit einer Gesamthöhe von 184 Metern auf dem Karschberg bei Hattgenstein erteilt. Deren Standort befindet sich in der Nähe eines landwirtschaftlichen Betriebs. Sie steht auf einer privaten Parzelle, an der die Gemeinde Hattgenstein aber Anteilseigner ist und insofern auch einen Teil der künftig fließenden Pachtzahlungen für das Windrad erhält.

    Der Hattgensteiner Ortschef Udo Laube will im NZ-Gespräch zwar keine genauen Zahlen nennen, er spricht aber von einem "erklecklichen Betrag, der für uns in den nächsten Jahren fest planbar ist und den ich angesichts der chronisch knappen Kassenlage als Bürgermeister auch nicht missen möchte". Das sei auch die mehrheitliche Meinung im Rat, wenngleich Laube offen einräumt, dass es in diesem Gremium auch windkraftkritische Stimmen gebe. Der Abstand der Anlage auf dem Karschberg beträgt nach Information der Kreisverwaltung 820 Meter zur Wohnbebauung in Oberhambach. Von Hattgenstein ist das Rad 950 Meter, von Schwollen 1100 Meter und von Niederhambach 1300 Meter entfernt.

    Auf der Gemarkung Hattgenstein will die Firma Geres noch eine weitere Anlage (Typ Enercon E-101, Gesamthöhe 185 Meter) platzieren. "Über diesen Antrag ist noch nicht abschließend entschieden", sagt Dezernent Schlöder. Der Standort dieser Anlage liegt aber in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück, und die neuen Windkraftregeln des Landes sehen vor, dass in Kernzonen von Naturparks die Errichtung von Rädern grundsätzlich tabu sein soll (die NZ berichtete). Das ist einer der Gründe, warum Udo Laube die Verwirklichung dieses zweiten Bauprojekts als "unwahrscheinlich" bezeichnet.

    Nicht unerwartet hat die Firma Geres inzwischen auch Post ihrer Anwälte von Frankfurt nach Birkenfeld geschickt. Damit hat das Unternehmen formell und fristgerecht innerhalb eines Monats Widerspruch gegen den Bescheid der Kreisverwaltung vom 1. Dezember eingelegt. Wie in unserer Zeitung berichtet, hat die Genehmigungsbehörde den geplanten Windpark Leisel und Siesbach abgelehnt. Ausschlaggebend dafür war in erster Linie das Veto der Bundeswehr, die durch die acht Räder die Funktion eines Antennenmasts, den sogenannten Link 16, auf dem Gelände der Rilchenbergkaserne in Idar-Oberstein beeinträchtigt gesehen hatte. Gegen diese Entscheidung geht die Firma Geres nun vor. Sie hat laut Kreisverwaltung aktuell aber noch keine Begründung für ihren Widerspruch vorgelegt. Mit diesem muss sich nun aller Voraussicht nach in naher Zukunft der Kreisrechtsausschuss beschäftigen.

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