Archivierter Artikel vom 16.05.2010, 19:36 Uhr
Monte Carlo

Wieder Tatort Monaco – Strafe wirft Schumi zurück

Schon wieder Tatort Monaco: Vier Jahre nach dem Parkskandal hat Michael Schumacher in den engen Gassen des Fürstentums erneut für ein folgenreiches Nachspiel gesorgt.

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Strafe
Michael Schumacher von Mercedes GP steuert seinen Wagen beim GP von Monaco.

Was erst wie ein Geniestreich des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters auszusehen schien, stellte sich als Regelverstoß dar. Die Rennkommissare brummten Schumacher für sein Last-Minute-Überholmanöver gegen Fernando Alonso eine 20-Sekundenstrafe auf. Die eigentliche Durchfahrtsstrafe war nicht mehr möglich, der Große Preis von Monaco bei der Urteilsverkündung schon rund drei Stunden vorbei.

Schumacher wähnte sich im Recht, die Teamleitung ging auch von einer regelgerechten Aktion aus. «Mir ist mitgeteilt worden, dass die Rennstrecke frei ist», erklärte Schumacher, insofern dürfe man ab der Safety-Car-Linie voll fahren. Und er habe darauf gehofft, «dass mir irgendjemand die Chance gibt». Alonso von Schumachers Ex-Arbeitgeber Ferrari bot ihm die Gelegenheit. Der Spanier selbst war von seinem Team angewiesen worden, keinen Versuch zu starten. Schumacher nicht, also gab der «Racer» Gas.

Und so wurde der Auftritt im Fürstentum fast zum Déjà-vu-Erlebnis. 2006 musste er sich ebenfalls vor den Rennkommissaren rechtfertigen. Nur wenige Meter vom neuerlichen Ort des Geschehens hatte er damals in der berühmt-berüchtigten Rascasse-Kurve sein Auto abgestellt. Für sein Parkmanöver war der mittlerweile 41-Jährige auf den letzten Startplatz strafversetzt worden.

Diesmal gab er dagegen zuviel Gas. Nachdem das Safety Car am Ende der letzten Runde in die Boxengasse abgebogen war, preschte Schumacher an Alonso vorbei, wenige Meter später kam er als Sechster ins Ziel. Ein «echt cooles Manöver» und «richtig super» fand Teamkollege Nico Rosberg die Aktion. Ihm sei auch gesagt worden, «ich soll versuchen zu überholen». Demnach traf die Hauptschuld das Team, das den beiden Grünes Licht für die letzten Meter gab. Und wie die der Internationale Automobilverband am Abend bekannt gab, will Mercedes auch vor das Berufungsgericht des Verbandes ziehen, das Ergebnis bleibe aber offiziell – und Schumacher ist damit nur auf Platz 12.

Schon bei der Qualifikation hatte es mit der Teamstrategie nicht so ganz hingehauen. Er sei blockiert worden, moserte Schumacher unmittelbar nach der Qualifikation: «Leider von meinem eigenen Kollegen, das war nicht sehr passend.» Er habe sich bei Schumacher entschuldigt. «Ganz klar. Für das, was geschehen ist. Michael hat es, glaub' ich, akzeptiert, und deswegen ist es jetzt auch gegessen», betonte Rosberg.

Nachdem er seinen Rennwagen in der Box abgestellte hatte, hatte Schumacher mit fragenden Augen und miesepetriger Miene noch mit den Ingenieuren diskutiert. Rosberg hatte erst gar nicht den Helm abgesetzt, als er aus seinem Wagen ausstieg. Wie die Teamleitung und die Piloten anschließend versicherten, traf Rosberg aber gar keine Schuld. «Unglückliche Umstände» seien es gewesen, schilderte Schumacher nachträglich die Szene und nahm Rosberg in Schutz: «Nico wusste nicht, dass ich so nahe an ihm dran war.» Das Team habe es nicht so gut gemanagt, meinte Rennstallchef Ross Brawn.