Archivierter Artikel vom 19.09.2011, 10:25 Uhr
Berlin

Wie werde ich ...? Literaturagent

Viele Schriftsteller engagieren Literaturagenten. Diese verhandeln anstelle der Autoren mit den Verlagen. Manchmal sind sie auch Seelentröster. Eine geschützte Berufsbezeichnung ist Literaturagent nicht. Jeder kann sich so nennen.

Lesezeit: 2 Minuten
Literaturagenten vertreten Autoren
Literaturagenten wie Uwe Heldt aus Berlin vermitteln Schriftsteller an Buchverlage. (Bild: Brakemeier/dpa/tmn)
Foto: DPA

Schriftsteller putzen kaum noch Klinken in Verlagen. Spätestens seit den 1990er Jahren übernehmen Literaturagenten diese Aufgabe. Diese Experten kennen den Buchmarkt in allen Facetten. Sie bieten Verlagen die Manuskripte von Autoren an und handeln die Konditionen für den Verkauf aus.

Uwe Heldt aus Berlin betreut mit der Schweizer Mohrbooks Literary Agency AG Autoren auf dem deutschen Markt. Davor arbeitete er 20 Jahre als Lektor für Verlage. «Sobald Sie ein Schild hinaus hängen, können Sie sich Literaturagent nennen», spitzt er zu. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Das Germanistikstudium allein führt nicht in den Olymp der Buchbranche. Verkaufstalent und persönliche Kontakte machen den Unterschied.

Literaturagenten betreuen Projekte und schieben neue an. Sie tummeln sich auf Buchmessen und bieten auf Rundreisen ihr Manuskriptportfolio an. «Agenten haben ein Gespür für Buchtrends und wissen oft, was Verlage gerade suchen», sagt Petra Hermanns, Inhaberin der Agentur script for sale.

Oft spezialisieren sich Literaturagenten auf Genres wie Prosa oder Sachbücher. Hier kennen sie die wichtigen Verlage und deren Lektoren. Den neuen Bestseller erkennen sie dank Intuition und Erfahrung. Sie lehnen misslungene Manuskripte ab und auch gelungene, die voraussichtlich keine Chance auf den Büchertischen haben.

Der Agent lebt nicht allein von der Liebe zur Literatur, er muss auch Geld verdienen. «Ein seriöser Literaturagent ist ganz einfach daran zu erkennen, dass er erst Geld sehen will, wenn auch der Autor Geld sieht», sagt Uwe Heldt. «Der Erfolg des Agenten ist der des Autors und umgedreht.» Fünfzehn Prozent vom Autorenhonorar sind üblich. Das Geld ist gut angelegt. «Agenten handeln deutlich höhere Honorare aus als Autoren im Alleingang, weil sie das Geschäft kennen», sagt Hermanns. Manche Agenturen kümmern sich auch um die Filmrechte.

«Niemand sollte sich der Illusion hingeben, nur schöngeistige Gespräche in Cafés zu führen», warnt Hermanns. Literaturagenten sind Kaufleute. Auch Bürokratie, Buchhaltung und Verwaltung gehören zum Alltag. Ohne kaufmännische Kenntnisse geht fast nichts. Ein Jurastudium kann nützlich sein.

Literaturagenten brauchen außerdem Beharrlichkeit und ein finanzielles Polster, denn es dauert bis zu fünf Jahre, bis Tantiemen fließen. Ob sich davon leben lässt, steht auf einem anderen Blatt. Doch die Mühe lohnt sich: «Wenn das Belegexemplar erscheint oder das Buch die Bestsellerlisten erklimmt, weiß ich, der Autor und ich haben alles richtig gemacht», sagt Hermanns.

Webseite von Mohrbooks AG

Uschtrin-Verlag im Web

Medienagentur Scripts for sale

Literaturagenten tragen das Risiko

In Deutschland arbeiten rund 100 Literaturagenturen. Ein Vertrag zwischen Autor und Agenten wird meist für sechs bis zwölf Monate abgeschlossen. Agenten erhalten im Durchschnitt 15 Prozent des selbst ausgehandelten Honorars, sie überwachen die Einhaltung der Verträge und auch, dass der Autor sein Geld erhält. Kommt kein Abschluss mit einem Verlag zustande, geht auch der Agent leer aus.