Archivierter Artikel vom 14.11.2016, 04:50 Uhr

Traumjob mit hohen Hürden

Wie werde ich Feuerwehrmann/frau?

Feuerwehrleute wissen nie, wie ihr nächster Einsatz aussieht – das ist das Spannende und gleichzeitig Anstrengende an ihrem Beruf. Teamplayer werden gesucht. Eine Ausbildung müssen die angehenden Brandschützer in vielen Bundesländern allerdings schon haben.

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Lars Wanger
Lars Wanger hat es geschafft: Er macht die begehrte Ausbildung zum Feuerwehrmann. Davor musste er etwa einen Gesundheits- sowie einen Stresstest bestehen.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Flensburg (dpa/tmn) – Wenn Lars Wanger mit seiner aktuellen Ausbildung fertig ist, hat er gleich drei Berufe gelernt – und ist darin fit: Industriemechaniker, Rettungssanitäter und Feuerwehrmann. Und Beamter ist er noch dazu.

Fahrt zum Einsatzort
Auf dem Weg zum Einsatzort: Wanger sitzt am Steuer des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF).
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Zwar erst einmal auf Widerruf, aber nur, bis er sich drei Jahre lang als Berufsfeuerwehrmann etabliert hat. Denn in den meisten deutschen Bundesländern gilt: Wer zur Feuerwehr will, muss einen handwerklich-technischen Beruf gelernt haben. Sonst wird er nicht zum strengen und vielstufigen Auswahlverfahren zugelassen.

Harald Ewers und Lars Wanger
Der erfahrene Feuerwehrmann Harald Ewers gibt Wanger Tipps zum Gebrauch der Atemschutzmaske.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Zwar war der 23 Jahre alte Wanger nie bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Doch die Feuerwehr hat bei mir schon lange eine Rolle gespielt“, sagt er. Er entschied sich nach der mittleren Reife, sich als Industriemechaniker ausbilden zu lassen – außerdem hat er seine Fachhochschulreife nachgeholt. Dann ging die Vorbereitung für den Einstellungstest los: Erst wer einen Wissens- und Stresstest besteht, die Sportprüfung erfolgreich absolviert und schließlich auch noch sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellen kann, wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Kontrolle der Funkgeräte
Wenn gerade mal kein Einsatz ist, überprüft Wanger in der Elektrowerkstatt zum Beispiel die Funkgeräte.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

„Und dann kommt es noch auf den Amtsarzt an“, sagt Rainer Blaas, der in Flensburg für die Ausbildung des Nachwuchses zuständig ist. Denn der muss nach einer gründlichen Untersuchung sein Okay geben. Eine Brille ist heute kein Hinderungsgrund, zur Feuerwehr zu gehen, sagt Blaas. Manche Feuerwehren verlangen eine Mindestkörpergröße, der Body-Mass-Index muss stimmen.

Prüfung der Wasserverteiler
Damit beim Einsatz alles reibungslos klappt, muss das Material in Ordnung sein. Wanger überprüft deshalb in der Werkstatt, ob die Wasserverteiler einwandfrei funktionieren.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Das Bewerbungsverfahren ist in allen 16 Bundesländern ähnlich – aber damit haben sich die Gemeinsamkeiten auch schon, sagt Arno Dick. Er ist der Bundesfachgruppenleiter Feuerwehr bei der Gewerkschaft Verdi in Berlin. „In jedem Bundesland ist die Ausbildung unterschiedlich.“ Das beginnt damit, dass sie zwischen sechs und 24 Monaten dauert. Auch der Abschluss variiert. „Während man in einigen Bundesländern sowohl zum Feuerwehrmann als auch zum Sanitäter ausgebildet wird, ist man in anderen nur für den Löschdienst vorbereitet.“

Lager mit Schläuchen
Nach dem Einsatz muss Wanger die benutzten Schläuche auf den Fahrzeugen gegen gereinigte im Lager austauschen.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Lars Wanger hat das erste halbe Jahr zunächst im „Feuerwehrinternat“ verbracht, wie die Landesfeuerwehrschule auch genannt wird. Dort hatte er die Möglichkeit, zahlreiche Notfallsituationen zu simulieren. Nach Einsätzen in der Wache, weiteren Seminaren und einem Praktikum im Krankenhaus ist Wanger nach zwei Jahren Brandmeister.

Auf der Drehleiter
Retter in der Not: Mit der Drehleiter erreicht der Wanger Wohnungen auch dann, wenn der Weg durch das Treppenhaus versperrt ist.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

In der Ausbildung verdient er rund 1400 Euro brutto im Monat, aber auch das kann in den anderen Ländern mehr oder weniger sein. Mit dem Berufseinstieg kommt er auf etwa 2000 Euro brutto im Monat, wie bei allen Beamten abhängig vom Familienstand und der Anzahl der Kinder. Die Beamten können über verschiedene Wege aufsteigen, wenn sie sich bewährt haben oder noch einmal die Schulbank drücken. In die Führungspositionen kommen in der Regel eher Leute, die ein technisches Studium absolviert haben.

Im Feuerwehrfahrzeug
Für viele ein Kindheitstraum: Wanger macht die Ausbildung zum Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Flensburg. Auch größere Unternehmen und die Bundeswehr sind mögliche Arbeitgeber.
Foto: Benjamin Nol – dpa

Der Wechsel zwischen den Bundesländern ist kein Problem, sagt Dick. „Feuerwehrleute werden derzeit händeringend gesucht.“ Alternative zur Kommune als Arbeitgeber ist die Bundeswehr, die eine eigene Feuerwehr hat und die Werkfeuerwehren in großen Betrieben. Wichtig bei der Bewerbung ist vor allem Teamfähigkeit. „Die Feuerwehrleute verbringen in ihren Schichten viel Zeit auf der Wache, das ist fast wie eine Familie“, sagt Dick. „Das geht nicht, wenn man ein Eigenbrödler ist.“

Bereit zum Einsatz
Gerüstet für den Einsatz: Wanger in seiner Einsatzschutzkleidung.
Foto: Benjamin Nolte – dpa

Berufsbild Berufsfeuerwehrmann bei der Bundesagentur für Arbeit