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    Wie werde ich ...? Buchhändler

    Hamburg/Frankfurt (dpa/tmn) - Die Buchbranche verändert sich: Online-Buchhändler und bundesweite Ketten dominieren den Markt. Das bedeutet aber nicht, dass der Beruf des Buchhändlers vom Aussterben bedroht ist. Im Gegenteil: Die Anforderungen sind nur andere geworden.

    Buchhändler sind Idealisten
    Buchhändler müssen heute nicht nur mit Kunden umgehen können: Sie müssen auch strategisch denken können und ein Gespür für den Zeitgeist haben. (Bild: nodesign/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Wer als Buchhändler gearbeitet hat, der weiß die Vielfalt des Berufs zu schätzen: «Ich bin seit 30 Jahren Buchhändlerin und das jeden Tag gerne», schwärmt Susanne Erich, die in einer kleinen Familienbuchhandlung in Hamburg arbeitet. Das liegt auch daran, dass sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt hat.

    «Es ist das Prinzip Buch, mit dem sich ein Buchhändler auseinandersetzen muss», sagt Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main. Das Prinzip Buch kann man heute in den verschiedensten Formaten kaufen: als E-Book, als Hörbuch und als klassisches gedrucktes Buch. Nie zuvor waren die Wege, ein Buch zu erwerben und zu präsentieren, so vielschichtig wie heute.

    Buchhändler brauchen daher eine hohe Medienkompetenz. Außerdem müssen sie strategisch denken und Kunden beraten können. Kenntnisse im Marketing sind ein Muss. Den veränderten Anforderungen im Buchhandel trägt ab August eine neue Ausbildungsverordnung Rechnung. Themen in der Lehre sind jetzt auch E-Commerce, Projektmanagement und Sortimentsstrategien.

    «Spannend finde ich immer, den Kunden zuzuhören, um dann herauszufinden, was ihnen gefallen würde», sagt die 54-jährige Susanne Erich. Dabei geht es nicht nur um den eigenen Geschmack. «Natürlich verkaufe ich auch Bücher, die ich selbst nicht lesen würde», sagt Erich. Darin sieht sie einen Grund für den Erfolg von kleinen Buchläden. «Man überlebt nicht, wenn man den Laden einzig nach dem eigenen Geschmack ausrichtet.»

    Dem stimmt Bildungsdirektorin Kolb-Klausch zu: «Kleine Buchhandlungen können überleben, wenn sie professionell arbeiten und sich nicht nur als klassischer Laden verstehen.» So haben immer mehr Buchläden eine Homepage, nehmen Online-Bestellungen entgegen und liefern nach Hause. «Es ist ein Trugschluss, dass das nur die großen Online-Anbieter machen», erklärt sie.

    In immer mehr Läden findet der Kunde Produkte, die mit Büchern nur noch am Rande zu tun haben. «Inzwischen kann man in Buchläden ja auch Wein oder Schokoladen und dazu das entsprechende Buch kaufen», erzählt Kolb-Klausch. Schreibwaren und etliche Merchandising-Produkte gehörten ohnehin zum Sortiment.

    Zum Alltag des Buchhändlers gehört es, die Gesellschaft zu beobachten. «Wenn plötzlich wieder Stricken angesagt ist, müssen wir Strickbücher im Sortiment haben», sagt Susanne Erich, um ein Beispiel zu nennen. Mit der Nähe zum Zeigeist erklärt sich Kolb-Klausch auch die Beliebtheit und das Ansehen des Berufes: «Man beschäftigt sich als Buchhändler mit den Themen unserer Gesellschaft, mit Bildung und Kultur», sagt sie. Zwar sei es immer noch ein sehr traditioneller kaufmännischer Handelsberuf, aber mit sehr vielschichtigen Facetten.

    Die Ausbildung zum Buchhändler dauert in der Regel drei Jahre. «Grundsätzlich ist ein Hauptschulabschluss ausreichend. Wir haben aber viele Realschüler und Abiturienten und eine ganze Reihe Studienabbrecher», erklärt Kolb-Klausch, die auch Geschäftsführerin des Ausbildungszentrums mediacampus frankfurt ist. Die Ausbildung findet zum Teil in einem Betrieb und zum Teil in der Berufsschule statt. «Das kann eine staatliche Schule sein, wenn sie die entsprechende Fachklasse anbietet, oder eben eine private wie der mediacampus», erklärt Bildungsdirektorin Kolb-Klausch. «Letztendlich muss jeder Auszubildende die Prüfung vor der IHK ablegen.»

    Die Auszubildende von Susanne Erich, Helena Flöser, war zweimal neun Wochen in der Frankfurter Buchhändlerschule. «Das ist schon ein tolles Umfeld, und man bekommt viel von der ganzen Branche mit», erzählt die 25-Jährige. Dort hat sie auch von dem Studiengang Internationale Literatur in Tübingen erfahren, wo sie im Herbst mit dem Studium beginnen wird. «Ich will einfach noch mehr lernen», sagt sie. Viele kehren allerdings nach dem Studium zum Buchhändler-Beruf zurück.

    «Die Branche bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten. Man kann sich beruflich in den Zwischenhandel entwickeln oder seinen Karriereweg in einem Verlag fortsetzen. Man kann zum Beispiel im Vertrieb arbeiten oder berufsbegleitend studieren», erklärt Kolb-Klausch.

    Wie bei vielen Ausbildungsberufen verdienen sich Buchhändler aber eher keine goldene Nase. Je nach Bundesland liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 1700 Euro. Auszubildende verdienen rund 600 Euro im ersten Lehrjahr und 800 Euro im dritten Jahr. «Davon kann man keine Familie ernähren», sagt Erich. Der Buchhändler, das sei ein Beruf für Idealisten.

    Börsenverein des Deutschen Buchhandels

    Alles über die Ausbildung

    mediacampus frankfurt

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