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Berlin

Wie viel Freiheit gilt im Jugendzimmer?

dpa/tmn

König im eigenen Reich oder nur Bewohner eines geliehenen Raums? Darüber, wie es im Jugendzimmer zugehen soll, klaffen in vielen Familien die Vorstellungen auseinander.

Während Jugendliche sich in den eigenen vier Wänden möglichst ungehindert ausleben wollen, wünschen sich viele Eltern Einblick und Kontrolle. Konflikte bleiben da nicht aus.

Das eigene Zimmer hat große Bedeutung, sagt Tanya Wegberg, die ehrenamtlich für die Berliner Online-Jugendberatung Junoma arbeitet. Das Jugendzimmer sei der erste Ort, an dem sich Jugendliche zurückziehen können. Deshalb ist es ihrer Ansicht nach wichtig, dass Sohn oder Tochter dort so viel Gestaltungsspielraum wie möglich haben. Grenzen sieht sie nur bei baulichen Veränderungen: Zum Streichen der Wände beispielsweise sollten nur Farben verwendet werden, die sich hinterher wieder weiß übermalen lassen. Ansonsten sollten sich Jugendliche in ihrem Zimmer ruhig austoben können.

Tankred Hartwig hat sich dafür entschieden, die Wände weiß zu lassen. «Ich hänge Poster auf, das macht weniger Arbeit und lässt sich leicht wieder rückgängig machen», sagt der 14-jährige Schüler aus Berlin. Aus Zimmerdekoration macht er sich wenig. Wichtiger ist ihm, in seinem Zimmer ungestört zu sein.

«Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre», findet auch Beate Friese vom Jugendtelefon Nummer gegen Kummer in Wuppertal. Daher sollten sie einen Schlüssel für ihr Zimmer haben und abschließen dürfen. Oder die Familie vereinbart, dass vor dem Eintreten immer angeklopft wird – ohne Ausnahme. Tankreds anderthalbjährige Schwester Lena darf sein Zimmer auch ohne Einladung betreten. Seiner Mutter aber hat er verboten, bei ihm aufzuräumen. Trotzdem legt sie manchmal frische Wäsche ab, ohne ihn zu fragen.

Für Tanya Wegberg ist schon das eine Grenzüberschreitung: «Außer in Notfällen sollte das Zimmer bei Abwesenheit nicht betreten werden», findet sie. Den Wäschestapel könne man auch auf die Türschwelle legen. Gar keine Entschuldigung gebe es, wenn Eltern in Schreibtischschubladen oder persönlichen Dingen stöbern. Greifen sie so in die Privatsphäre ein, verletzten sie massiv das Vertrauensverhältnis.

Allerdings liegt es auch am Jugendlichen, die Einhaltung der Privatsphäre einzufordern: Meist passiert es plötzlich, dass Jugendliche ihre Eltern nicht mehr unaufgefordert im Zimmer sehen möchten. «Eltern müssen wissen, wann ihre Anwesenheit nicht mehr erwünscht ist», sagt Wegberg.

Was in den vier Wänden von Sohn oder Tochter passiert, geht Eltern prinzipiell nichts an. Doch auch hier gibt es Einschränkungen: Dröhnt die Musik zu laut aus dem Jugendzimmer oder sitzt der Bewohner tagein, tagaus vor dem Rechner, haben Eltern ein Recht, einzugreifen. Gleiches gilt, wenn der Jugendliche sich den ganzen Tag in seinem Zimmer verbarrikadiert. «Zumindest eine gewisse Zeit am Tag sollten Jugendliche am Familienleben teilnehmen», findet Friese.

Absprachen über gemeinsame Mahlzeiten oder die Nachtruhe können helfen, Streit zu vermeiden. Doch nicht immer funktioniert das. Tankred wollte abends länger wach sein, als seine Eltern es richtig fanden. Irgendwann bauten sie eine Zeitschaltuhr im Flur ein. Seitdem gehen um 22.30 Uhr im Jugendzimmer alle Lichter aus. Tanya Wegberg findet die Sanktion in Ordnung: «Sie wurde vorher angekündigt und hat einen direkten Zusammenhang mit dem Problem.» Tankred sieht das zwar anders, hält sich bis auf seltene Taschenlampennächte aber trotzdem daran. Und das, sagt Beate Friese, sei schließlich die Hauptsache: Ein eigenes Reich mit klar definierten Grenzen nach außen.

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