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    Wie Düfte uns gezielt beeinflussen

    Stuttgart/Berlin (dpa) - Beim Bäcker duftet es nach frischen Brötchen und Gebäck, im Hotel nach sauberer Bettwäsche: Oft sind diese heimeligen Düfte aber nur aus der Konserve. Mithilfe von Aromen soll der Mensch in seinen Entscheidungen beeinflusst werden.

    Duftbenebelung
    Der Duft einer Kamelienblüte - in vielen öffentlichen Gebäuden riecht es hingegen gar nicht mehr natürlich. (Bild: Uwe Anspach/dpa)
    Foto: DPA

    Viele Hotelketten und Geschäfte arbeiten mit sogenannten Beduftungssystemen und platzieren etwa Düfte gezielt hinter Supermarkt-Regalen. Die entweichenden Aromen sollen die Menschen bei ihrem Kaufverhalten beeinflussen. «Wir sind alle duftgesteuert, aber keiner weiß das, weil es im Verborgenen geschieht», sagte Claus-Peter Hutter, Mitautor des Buchs «Der Duftcode. Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert.» und Leiter der baden-württembergischen Umweltakademie.

    Der Mensch werde durch die «Zwangsbeduftung» seiner Sinne beraubt, ohne dass er es merke. «Wer sagt 'Ich rieche ja gar nichts', hat sogar recht, denn professionelle Duftdesigner sorgen dafür, dass die Konzentration der Duftstoffe unterhalb der Wahrnehmungsgrenze liegt, damit niemand irritiert ist», so Hutter.

    In anderen Fällen nehme man etwa beim Betreten einer Hotellobby einen frischen Geruch wahr und sei dann der Meinung, dass der sicher nur vom Lüften käme. «Das Gegenteil ist aber der Fall. Zahlreiche Hotels arbeiten mit Aromen, die dem Gast suggerieren: Hier bist du zu Hause, hier kannst du dich wohlfühlen», sagte Hutter. In Japan oder Hongkong nenne man jene Beduftung «intelligentes Gebäudedesign».

    In Restaurants liege oft ein leichter, appetitanregender Schokoduft in der Luft. Durch Reisebüros wabere eine dezente Meeresbrise. Beim Gebrauchtwagenhändler würden Sprays zur Manipulation des potenziellen Käufers eingesetzt, die den Geruch von Neuwagen verbreiten sollen. Auch Bekleidungsgeschäfte arbeiteten mit solcherlei Methoden, sagte Hutter. «Sie setzen sogar professionelle Duftdesigner und Marketingexperten ein, die sich um die richtige Duft-Nuance kümmern sollen, damit der Kunde länger im Laden bleibt und letztlich mehr kauft, als ursprünglich geplant.»

    Wissenschaftliche Studien hätten laut Hutter ergeben, dass die Kommunikationsbereitschaft des Kunden so um gut ein Fünftel und die Aufenthaltsdauer im Laden um 16 Prozent steige. Das könne dann den Umsatz in die Höhe treiben - je nach Produktpalette oder Dienstleistung um sechs bis 15 Prozent.

    Die Menschen verlören durch die Beduftung ihren Sinn für den echten und natürlichen Geschmack, warnte Hutter. Ganz abgesehen davon berge diese Methode auch ein gesundheitliches Risiko. «Immer mehr Menschen leiden unter Duftstoff-Allergien mit Ekzemen und Atemnot.» Er fordere daher eine Kennzeichnungspflicht und das Verbot einer Beduftung in öffentlichen Räumen.

    Literatur:

    Goris, Eva/Hutter, Claus-Peter: Der Duftcode. Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert. Heyne-Verlag, 288 Seiten, 17,99 Euro. ISBN-13: 978-3-453-20001-2.

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