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    Mainz

    Whiteboards: Was Multimedia in der Schule bringt

    Mit Whiteboards als Tafelersatz ist die digitale Technik im Klassenzimmer angekommen: Sie sollen den Unterricht auflockern und Inhalte anschaulich vermitteln. Das Board ist aber nicht für jedes Fach geeignet - und verleitet oft zum Frontalunterricht.

    Whiteboards
    Whiteboards sollen den Unterricht aufpeppen und Abstraktes anschaulich machen - zum Beispiel im Matheunterricht. (Bild: Anspach/dpa/tmn)

    Ein kleines Mädchen steht vor einer weiß leuchtenden Tafel, ihren Mitschülern hat sie den Rücken gekehrt. Mit der rechten Hand schreibt sie Rechnungen an die Tafel. Statt Kreide hält sie einen kabellosen Stift in der Hand. Tippt sie auf eine bestimmte Stelle, verschwindet das Geschriebene wieder.

    Quietschende Kreide und lindgrüne Tafel haben in vielen Schulen ausgedient: Stattdessen wird der Unterricht mit einem interaktiven Whiteboard - einer «digitalen Tafel» - bestritten. Mehr Motivation und Spaß am Lernen soll die Technik bringen. Doch der Einsatz der mit Computer und Beamer verbundenen Geräte ist für viele Lehrer eine Herausforderung und führt verstärkt zu Frontalunterricht.

    «Whiteboards können zu einer Zentralisierung des Lernens führen», erklärt Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz. Denn alle schauten nach vorne, was an der digitalen Tafel passiert. Das interaktive Element - in der Theorie das entscheidende Argument für die Technik - fehle dadurch oft.

    Doch die weißen Tafeln haben auch ihre Stärken: Gerade in Fächern wie Geografie, Physik oder Chemie, in denen sehr anschaulich gearbeitet wird, können mit Hilfe der Whiteboards Formeln oder Reaktionen dargestellt werden. «Bei Formeln können auch Entwicklungsprozesse abgebildet werden, die dann per E-Mail an die Schüler verschickt werden», so Aufenanger.

    Allerdings ist es mit ein paar schwungvollen Bögen auf der Tafel nicht getan: «Das Schreiben auf dem Whiteboard muss erst gelernt werden», sagt Detlev Harms, Leiter des Medienzentrums Hochtaunuskreis. Auch seien die Anforderungen an die Lehrer je nach Fach sehr unterschiedlich. Fächer wie Ethik oder Religion lebten vom Diskutieren: Visuell zu arbeiten, kann da schwierig werden. Sollen in einer Schule Whiteboards eingeführt werden, dürfen Eltern deshalb ruhig nachfragen, für welche Unterrichtszwecke die Boards denn bestimmt sind.

    Die Schüler sind von der Technik meist angetan: «Ihre Lebensrealität finden sie damit auch in der Schule vor», sagt Kerstin Geis, Vorsitzende des Landeselternbeirats in Hessen. Positiv zu bewerten sei, dass die Kinder früh an Präsentationstechniken herangeführt würden, die sie auch später an der Uni oder im Beruf brauchen: «Das ist heute Standard und keine Kür mehr», sagt Geis.

    Der Einsatz von Multimedia in der Schule bedeutet aber auch, dass der Medienkonsum der Kinder steigt. Denn nach dem Einsatz von PC und Beamer am Vormittag folgen oft Fernsehen, Internet und Handy am Nachmittag. «Ich habe nicht das Gefühl, dass die zusätzliche Nutzungszeit bislang reflektiert wurde», so Geis. Eltern sollten sich also überlegen, wie sie die Nutzung von Computer und Co. wenigstens zu Hause begrenzen können.

    Wie die neue Technik im Klassenzimmer ankommt, hängt auch mit der Jahrgangsstufe zusammen. Während es bis zur fünften Klasse gut ankommt, wenn der Napoleon-Projekttag auch mit einem Napoleonspiel auf der Nintendo-Konsole ergänzt wird, stößt das bei Älteren auf Abwehr: «Das funktioniert meist nur bis zur sechsten Klasse. Danach wollen die Schüler nicht mehr im Unterricht 'spielen'», erklärt Aufenanger. Oft sind es dann die Jugendlichen selbst, die wieder zurück zum konservativen Tafelbild wollen: «Schüler wollen bestimmte Sätze auf der Tafel 'behalten', wie etwa Merksätze.»

    Die Erwartungen an die digitale Technik sind hoch: Sie soll den Unterricht peppiger, anschaulicher und verständlicher machen und die Schüler auf der Notenskala nach oben klettern lassen. «Ausreichend Daten gibt es dazu aber noch nicht», sagt Aufenanger. «Eine empirische Studie in Großbritannien hat zwar gezeigt, dass die Noten durch Whiteboards besser wurden. Aber ich bin da skeptisch.»

    Letztlich entscheidet nicht die magische Tafel an der Wand über die Qualität des Unterrichts, sondern wie der Lehrer mit dem Hilfsmittel umzugehen vermag. Genau da zeigt sich aber die Krux: Viele Lehrer verfügen über keine ausreichenden PC-Kenntnisse oder sind nicht genügend geschult worden. «Ist die Schulstunde mit dem Whiteboard geplant worden und es versagt, bricht der ganze Unterricht zusammen», beschreibt Detlev Harms die Gefahr.

    «Ein guter Unterricht wird mit Whiteboard vielleicht besser, ein schlechter aber nicht», findet auch Aufenanger. Ganz werden Whiteboards deshalb herkömmliche Hilfsmittel wie Folien oder Ausdrucke nicht ersetzen. Stattdessen sei es wichtig, die neuen Medien als Ergänzung da einzusetzen, wo es Sinn macht.

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