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    Fürth

    Weltreise statt Studium: Wenn Eltern andere Pläne haben

    Du träumst von einer Backpacker-Reise nach dem Abi – Deine Eltern wollen Dich schleunigst an der Uni im BWL-Studium sehen. Wenn es um Deine Zukunft geht, haben Eltern manchmal ganz eigene Vorstellungen.

    Klar kannst Du dann sagen: «Ist mir doch egal, was meine Eltern wollen!» Doch ohne Finanzspritze sind Studium oder Ausbildung eine doppelte Herausforderung. Und sich ständig für die eigene Berufswahl rechtfertigen zu müssen, kann auch nerven. Deshalb lohnt es sich, mit den Eltern die eigenen Pläne zu diskutieren.

    Dabei gilt: Je früher Du das Thema ansprichst, desto mehr Zeit bleibt, Deine Eltern zu überzeugen. Und wer gut argumentiert, hat schon halb gewonnen. Einige klassische Konflikte im Überblick:

    Reisen statt Lernen: Du willst nach dem Schulabschluss reisen – Deine Eltern wünschen aber, dass Du schnell mit der Ausbildung beginnst und keine Zeit verlierst. «Ich würde den Eltern frühzeitig sagen, was ich vorhabe», rät Ulrike Weißhaupt, die bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth Jugendliche online berät. Sie empfiehlt, einen Plan vorzulegen: «Dann haben die Eltern nicht das Gefühl, die Strukturen vorgeben zu müssen.»

    Wenn Du also sagen kannst: Ich will durch die USA reisen, weil ich später ein Fach studiere, in dem Englisch gesprochen wird, hast Du gute Argumente. Doch auch der Backpacker-Trip durch Vietnam lässt sich begründen: «Man muss in einer Fremdsprache klarkommen, wird selbstständiger und sicherer, was man will», erklärt Weißhaupt. «Man lernt mit schwierigen Situationen klarzukommen, sammelt praktische Erfahrungen», fügt Prof. Carmen Spiegel hinzu. Und vielleicht gibt es ja doch Verknüpfungen zum späteren Job: «Weil man interkulturelle Erfahrungen sammelt und die dabei vielleicht braucht», erklärt die Gesprächsforscherin von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

    Ausbildung statt Studim: «Für Dich reicht eine Ausbildung. Was willst Du an der Uni? Du kümmerst Dich doch mal um die Kinder!» Manche Mädchen müssen sich immer noch solche Sätze anhören. «Aber solche Argumente sind in unserer Welt nicht mehr gültig», meint Spiegel. Längst wollen nicht mehr alle Frauen Kinder. Und wenn sie welche haben, müssten sie diese oft genug alleine versorgen. «Es macht total Sinn, einen Beruf zu wählen, der einen finanzieren kann. Und Akademikerinnen bekommen in der Regel überdurchschnittliche Gehälter.»

    Doch manchmal läuft es auch andersherum: Die Eltern möchten, dass Du studiert, Du hast aber keinen Bock mehr auf Kopfarbeit und willst eine Ausbildung machen. Das kannst Du den Eltern Spiegel zufolge so sagen: «Ich möchte erstmal was Praktisches machen – und vielleicht hänge ich noch ein Studium dran.» Manchmal werden Ausbildungszeiten im Studium anerkannt.

    Afrikanistik statt Jura: Die Eltern sehen Dich in ihren Träumen als Anwalt, Du hast aber mehr Lust, Kulturwissenschaften oder Sport zu studieren. «So eine Entscheidung sollte man gut begründen können», findet Elke Mittag, Studienberaterin an der Universität Hannover. Schließlich musst Du damit rechnen, in der Zukunft immer wieder gefragt zu werden: «Was willst Du denn damit?»

    Persönliche Leidenschaft müsse da sein, findet Weißhaupt, «und ein Plan, was ich damit machen will.» Deswegen ist es gut, wenn Du den Eltern zeigen kannst, dass Dich das Thema schon lange interessiert.

    Elke Mittag rät, ein Jahr vor dem Abi anzufangen, über das Studienfach nachzudenken. Dann könne man in den Herbstferien an einer Uni verschiedene Vorlesungen besuchen. «Die Grundlagenveranstaltungen sind in der Regel offen.» Wer sich so früh informiert, kann seine Fächerwahl besser begründen. «Dann weiß man, was in Sport passiert.» Außerdem besteht die Möglichkeit, mit den Eltern einen Kompromiss zu treffen: Man besucht sowohl Jura- als auch Sport-Vorlesungen und macht sich von beidem ein Bild.

    Ein anderer Kompromiss kann sein, das Wunschfach der Eltern ein oder zwei Semester auszuprobieren. «Dann ist vielleicht ein Jahr weg, aber das erste Jahr gilt als Orientierungsphase», sagt Mittag. Oder Du macht es andersherum und probierst Dein Wunschfach aus. «Dann sollte ich durch Noten nachweisen können, dass ich gut darin bin.»

    Eltern müssen Erstausbildung bezahlen

    «Wenn Du nicht machst, was ich Dir sage, zahle ich nicht!» – mit diesem Argument können Eltern jede Diskussion im Keim ersticken. Weit kommen sie damit aber nicht. Denn sie sind verpflichtet, die Erstausbildung ihres Kindes zu finanzieren, erklärt Ulrike Weißhaupt von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. «Und ein Jugendlicher hat das Recht auf freie Berufswahl.» Den Verweis auf die rechtliche Situation sparst Du Dir in der Diskussion aber besser erstmal: «Das würde ich erst anführen, wenn ich gar nicht weiterkomme. Das ist eine Konfrontation und verhärtet die Fronten.»

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