Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 12:58 Uhr

Weltmeister-Plädoyer für den «Ring»

Nürburgring (dpa). Die Silberpfeile erlebten ihre Geburtsstunde, Jackie Stewart hob die «Grüne Hölle» aus der Taufe und Niki Lauda kämpfte dort um sein Leben. Seit Jahrzehnten bewegt der Nürburgring Fans und Fahrer der Formel 1.

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Eifelkurs
Auch Weltmeister Sebastian Vettel mach sich für weitere Formel-1-Rennen aus dem Nürburgring stark.
Foto: DPA

Und daran hat sich auch vor dem möglicherweise letzten Rennen auf dem Eifelkurs nichts geändert. «Die Strecke macht sehr viel Spaß, und es bedeutet sehr viel, gerade mit der Historie hier, die hier fast so präsent ist, wie nirgends anders auf der Welt», sagte Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. «Wenn man das Rennen hier verlieren würde, wäre das schade – für uns auch.»

Ob Motorsporthistorie im Großen oder persönliche Glückskapitel im Kleinen. «Er wird immer was Besonderes sein. Ich hatte dort einfach viele erfolgreiche schöne Momente», schilderte Vettel-Landsmann Timo Glock der Nachrichtenagentur dpa. Die GP2-Rennen dort 2007 seien ausschlaggebend für seine Formel-1-Zukunft gewesen, betonte der Meister der Formel-Nachwuchsklasse desselben Jahres. Für sportliche Höhepunkte in der «Königsklasse» wird sein derzeitiger Marussia-Virgin-Rennwagen indes nicht reichen – auch wenn er neben Schumacher Vettels Wunschpartner fürs sonntägliche Podium ist.

Der Nürburgring, um dessen Formel-1-Zukunft pünktlich vor dem 40. Grand Prix eine heiße Diskussion mit offenem Ausgang entbrannt ist, zieht Fans und Fahrer in seinen Bann. «Speziell für mich als Mercedes-Pilot ist dieses Rennen etwas ganz Besonderes. Der Nürburgring und Mercedes haben eine lange gemeinsame Motorsport-Historie. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn wir dort sind», erklärte Nico Rosberg. Denn in der Eifel erlebten 1934 die Silberpfeile ihre Geburtsstunde. In diesem Jahr tritt Mercedes zum ersten Mal seit 1955 auf dem Nürburgring wieder mit einem Werksteam an. Und Rosberg darf den alten Silberpfeil von 54er-Sieger Juan Manuel Fangio noch einmal über die legendäre Nordschleife pilotieren.

Sie ist es, die den Nürburgring vor allem geprägt hat. Sie ist es, die den dreimaligen Weltmeister Jackie Stewart zur Bezeichnung «Grüne Hölle» hinriss. Sie ist es, die dem ebenfalls letztlich dreimaligen Weltmeister Lauda bei dessen schrecklichem Feuerunfall 1976 fast das Leben gekostet hätte. Danach machte die Formel 1 erstmal einen Bogen um den Nürburgring, 1984 kehrte der Kurs auf den Rennkalender zurück. Verkürzt, ohne die Nordschleife. Die Streckenlänge des aktuellen Grand-Prix-Kurses beträgt 5,148 Kilometer, früher waren es über 28.

In den Nordschleifen-Genuss mit einem modernen Formel-1-Wagen kam bislang lediglich Nick Heidfeld. 2007 durfte er mit einem BMW-Sauber auf die Strecke – es war der erste Formel-1-Wagen auf der Nordschleife seit Laudas Unfall. «Das war unglaublich, noch besser als ich erwartet hatte», sagte der Mönchengladbacher damals. Das werde er sein ganzes Leben lang mitnehmen, schwärmte der aktuelle Lotus-Renault-Fahrer, der auch schon das Fahrradfahren auf dem Ring gelernt hatte.

Landsmann Adrian Sutil von Force India fasst die Faszination zusammen: «Weil der Nürburgring eine lange Tradition hat, die Nordschleife auch wenn wir sie nicht fahren, faszinierend ist und weil die meisten von uns dort ihre ersten Erfahrungen gesammelt und Erfolge gefeiert haben.» Und selbst wenn Kollege Schumacher, der als einziger fünfmal auf dem Kurs gewinnen konnte, bei der nostalgischen Rückkehr der Silberpfeile keine Siegchancen hat, ist die Vorfreude auf das Heimrennen auch bei dem 42-Jährigen ungebremst. «Ich bin schließlich selbst Motorsport-Fan.»