Archivierter Artikel vom 17.03.2011, 13:02 Uhr

Weltcup-König Kostelic: Familienbande ist Trumpf

Lenzerheide (dpa). Selbst als Weltcup-König ist sich Ivica Kostelic für etwas Unterstützung nicht zu schade. Obwohl er noch große Ziele beim Saison-Finale hatte, feuerte der Gesamtsieger seine Serviceleute und Trainer an, die sich auf dem verschneiten Platz beim Fußballturnier des Skizirkus mühten.

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Ivica Kostelic will in Lenzerheide noch zum ganz großen Wurf ausholen.
Foto: DPA

Auch wenn es um seine eigenen Erfolge geht, präsentiert sich der Kroate im schweizerischen Lenzerheide trotz seines überragenden Winters als fairer Rennfahrer, der auf dem Boden geblieben ist. «Ruhig und gelassen» habe er den vorzeitigen Sieg aufgenommen. «Es ist interessant und befriedigend, wenn man nach 20 Jahren Arbeit sein Ziel erreicht.»

Dass sportlicher Erfolg stets mit harter Schufterei zusammenhängt, hat ihn die Familie gelehrt. Seinen Vater und Trainer Ante bezeichnet er noch heute als «mein Vorbild», Schwester Janica hilft ihm auf der Tour durch den Weltcup «mit Super-Tipps» und einem «guten Auge für Details».

Als er sich über seine fehlenden Emotionen über den Gewinn der Großen Kugel wunderte, fragte er die dreimalige Gesamtweltcupsiegerin um Rat. «Sie sagt: Warte auf die Kugel, dann ist es so weit. Also warte ich jetzt auf den Samstag», erzählte er dem Schweizer «Tages-Anzeiger». Dann wird ihm zum Abschluss der Saison endlich die Trophäe überreicht. Für diese opferte Kostelic sogar das mögliche Super-Kombi-Gold bei der WM und trainierte lieber in der Heimat.

Auf einem ebenso unkonventionellen – und harten – Weg führte Vater Ante seine Kinder stets zum Erfolg. In ihren Jugendjahren reichte das Geld im Wintertraining nicht für Hotel und Liftkarte gleichzeitig. Also übernachtete die kleine Familiengruppe lieber im Zelt, um nicht auf den Zugang zur Piste verzichten zu müssen. Und noch immer ist Kostelic kein Luxusmensch. Im kroatischen Ferienhaus auf der Insel Mljet fließt kein Strom, Wasser holen sie aus einer Quelle.

Trotz inzwischen acht Knieoperationen will er im Alter von 35 Jahren bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi immer noch in der Weltspitze mitmischen. Und auch diese Saison ist lange noch nicht vorbei. Mit 36 Punkten Vorsprung auf den Franzosen Jean-Baptiste Grange kann er am Samstag im Slalom nach der Trophäe in der Super-Kombination auch noch die zweite Kleine Kugel klarmachen. «Ich habe neun Jahre auf diese Chance gewartet. Es wäre mein zweiter Sieg in dieser Disziplin», sagte er. «Slalom ist meine stärkste Disziplin, ich habe viele Trainings dafür investiert, also ist es mir das Wichtigste.»