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    Sotschi

    Weiße Sitze und wenig Euphorie zum Olympia-Auftakt

    Das Feuer im Olympia-Park am Schwarzen Meer in Sotschi brennt – doch der Funke scheint zu Beginn der Winterspiele kaum überzuspringen.

    Leerstand
    In Sotschi sind viele Zuschauerplätze bisher leergeblieben.
    Foto: Fehim Demir – DPA

    Trotz Straßenkünstlern und wummernder Musik kommen nur wenige in den weitläufigen Park mit den Eis-Stadien. Bis zu 120 000 Fans hätten hier Platz. Aber trotz milder Temperaturen und Sonne am Meer sind es nur einige Hundert. Sie nutzen den Tag für Fotos an den olympischen Ringen, zum Posieren auf der Terrasse am «Bolschoi»-Eisstadion – mit dem grandiosen Meeresblick.

    «Die Seele jauchzt vor Freude!», beschreibt eine Mittfünfzigerin ihre Gefühle. «Diese Paläste – einfach beeindruckend!», meint die 67 Jahre alte Maria aus der Schwarzmeerstadt Anapa. Sie hat ihren siebenjährigen Enkel dabei, «damit er diesen Moment nicht vergisst».

    Auch an den für Milliardensummen errichteten Wettkampfstätten sowie bei den Medaillen-Zeremonien gibt es bisweilen Leerlauf – im Fernsehen sind dünn besetzte Tribünen und kaum jubelnde Zuschauer an den Strecken zu sehen. Nur punktuell gibt es ihn, den Massenansturm und Jubel wie etwa beim Biathlon der Männer am Samstag.

    Alexandra Kosterina vom Organisationskomitee (OK) räumt ein, dass es ein kulturelles «Motivationsproblem» gebe. Und sie muss eingestehen, dass elf Prozent der Besucher allein am Samstag gar nicht oder deutlich zu spät zu den Wettkämpfen kamen. Sie hatten die Anfahrtswege und die scharfen Sicherheitskontrollen unterschätzt. Trotzdem seien die Organisatoren am ersten Tag angesichts 92 Prozent verkaufter Tickets glücklich und zufrieden.

    Viele, die denken, dass wie in der Vergangenheit bei Olympia ein Ticket für den Eintritt reicht, merken erst zu spät, dass sie extra einen Fanpass als Zugangsberechtigung brauchen. Das verlangt die Sicherheit. «Wir hoffen, dass es besser wird», sagt Kosterina. Über Medien würden Gäste nun verstärkt informiert über die «Logistik».

    Viele Besucher der Olympia-Region beklagen, dass die meisten der zu Tausenden herumlaufenden Helfer nicht einmal einfachste Fragen beantworten könnten – zur Lage von Sportanlagen etwa. Wer in Sotschi wohnt und einen Abstecher zum Beispiel in den Olympia-Park macht, ist mindestens gut eine Stunde unterwegs im Zug.

    Sicherheitskräfte an den Bahnhöfen sind zu Dutzenden an Rahmen mit Metalldetektoren in Stellung. Sie durchleuchten wie an einem Flughafen Gepäckstücke, lassen Taschen auspacken und tasten Passagiere ab.

    Im Stadtzentrum von Sotschi an der palmenreichen Uferpromenade deutet mit Ausnahme von Wegweisern und Sotschi2014-Schildern wenig auf das Weltsportereignis hin. Eine umzäunte Fanzone mit Großbildleinwänden und Wettkampf-Übertragungen gähnt vor Leere. Vereinzelt sind Männer unterwegs mit Fahnen: «Rossija vperjod!», grölen sie. «Russland vorwärts!» oder «My pobedym!» – «Wir siegen!». Einer ruft, dass er stolz sei: Präsident Wladimir Putin sei wie Peter der Große, der für seine Stadtgründungen berühmte Zar, meint Igor..

    An einem spiegelgläsernen Sotschi-2014-Kubus stehen die Menschen Schlange, um Olympia-Fanartikel zu kaufen. Doch Souvenirverkäufer in den kleinen Geschäften der Flaniermeile am Schwarzen Meer bedauern, dass der erwartete Ansturm bisher ausbleibt. «Es könnte besser laufen. Aber erst einmal sind wir froh, dass die Zeit der Baustellen vorbei ist», sagt die 40-jährige Natalja. Sie brauche jetzt wieder nur 40 Minuten in den Laden statt dreieinhalb Stunden.

    Die Meinungen über Olympia in Sotschi gehen auseinander. Die einen wollen sich die Laune nicht verderben lassen, viele Russen sind von weither aus dem Land mit den neun Zeitzonen angereist und froh über das internationale Flair hier. Aber viele fragen sich, was nach Olympia kommt. «Nur weil jemand neue Kleidung anzieht und dann besser aussieht, heißt das ja nicht, dass er auch von innen jemand anders wird», sagt die 32-jährige Dascha mit Blick auf die Neubauten.

    «Es muss sich so viel mehr tun in diesem Land», sagt die Olympia-Helferin. «Ich kann leider nicht sehen, wie etwas anders werden soll. Wenn Olympia weg ist, wird hier wieder alles verfallen, weil den Erhalt keiner bezahlen kann», sagt Dascha. Die Kindererzieherin meint, dass das viele Geld für eine Olympia-Show der Mächtigen gut hätte etwa in die maroden Schulen des Landes investiert werden können. «Aber damit hätten sie nicht international geglänzt.»

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