Archivierter Artikel vom 28.11.2011, 15:25 Uhr

Weihnachtsmärkte locken mit Superlativen

Berlin (dpa). Den Verkauf von Kunsthandwerk, Kerzen und Kitsch kurbeln die Weihnachtsmärkte gern mit Superlativen an. So sprechen die Veranstalter vom höchsten Weihnachtsbaum, der größten Weihnachtskerze oder vom geilsten Weihnachtsmarkt.

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Weihnachtsmarkt Dortmund
Der Weihnachtsmarkt Dortmund rühmt sich seines großen Baumes – die Konstruktion besteht aus 1700 Rotfichten. (Bild: Bernd Thissen/dpa)
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Alle Jahre wieder locken die Weihnachtsmärkte mit Rekorden, um Besucher anzuziehen und die Kassen klingeln zu lassen. Da wetteifern Städte um den ältesten Markt und die höchste Weihnachtspyramide. Und wo steht eigentlich der größte Weihnachtsbaum? Wer Recht hat, lässt sich allerdings kaum überprüfen.

Eröffnung Christkindlesmarkt Nürnberg
Der Christkindlesmarkt in Nürnberg muss nicht mit Superlativen protzen – er ist ohnehin weltbekannt. (Bild: dpa)
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So soll in Kassel die höchste Weihnachtspyramide weltweit stehen – sagt zumindest das Marketingbüro der Stadt. Die Pyramide ist 22 Meter hoch. «Es ist unseres Wissens die größte in Deutschland, und da es sonst nirgendwo große Weihnachtsmärkte gibt, ist es die größte weltweit», erläuterte Andrea Behrens von Kassel Marketing vor einigen Tagen ihre Sicht. Genau sagen könne man das jedoch nicht.

Weihnachtspyramide Kassel
22 Meter ragt die Kasseler Weihnachtspyramide in den Himmel – damit sei sie die größte ihrer Art, wirbt die Stadt. (Bild: Uwe Zucchi/dpa)
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Auch der Weihnachtsmarkt in Dortmund will ganz vorn dabei sein: Dort sprechen die Veranstalter einfach vom «größten Weihnachtsbaum» – ob von Dortmund, Nordrhein-Westfalen oder Deutschland bleibt offen. Die Konstruktion ist in der Tat gigantisch: 45 Meter hoch, 40 Tonnen schwer und von 48 000 Lämpchen erhellt. 1700 Rotfichten sind nach Angaben der Veranstalter für das Ungetüm auf ein Gestell gesteckt worden.

Kerze in Schlitz
Die «größte Kerze der Welt»: Die hessische Stadt Schlitz bespannt für diesen Hingucker einen Turm mit rotem Tuch. (Bild: Fredrik von Erichsen/dpa)
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Am Freitagabend eröffnete der weltberühmte Nürnberger Christkindlesmarkt. Er gilt als einer der bekanntesten und ältesten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1628. Vermutlich hat es das «Städtlein aus Holz und Tuch» aber schon früher gegeben.

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg nimmt für sich gleich mehrere Spitzenplätze in Anspruch: Mit dem beurkundeten Gründungsjahr 1393 habe man einen der ältesten Märkte in Deutschland. Mit 200 Marktständen und drei Millionen Besuchern liege man zudem bundesweit hinter Dortmund auf Platz zwei, erklärte kürzlich die städtische Tourismus und Congress GmbH als Veranstalterin.

Mit Dresden wetteifert die Main-Metropole um den größten frei geschlagenen Christbaum, der in diesem Jahr auf 28 Meter kommt. In der sächsischen Landeshauptstadt eröffnete am Donnerstag der 577. Dresdner Striezelmarkt – ebenfalls einer der ältesten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Er geht auf ein kurfürstliches Privileg von 1434 zurück. Rund um eine etwa 30 Meter hohe, mit Lichtern geschmückte Fichte bieten bis Heiligabend Händler vor allem Volkskunst aus dem Erzgebirge und Köstlichkeiten wie Pulsnitzer Pfefferkuchen oder Christstollen an.

Auf dem Weihnachtsmarkt im hessischen Schlitz soll die mit 42 Metern größte Kerze der Welt erstrahlen. Die Kerze besteht aus einem 36 Meter hohen Steinturm, der von der Feuerwehr in rotes Tuch gehüllt wird. An seiner Spitze bilden 140 Glühbirnen eine sechs Meter hohe Flamme. «Die Kerze hat einen großen Werbeeffekt für uns. Auf vielen Messen sind wir bekannt dafür», sagte Heike Weber aus der Stadt-Abteilung für Fremdenverkehr.

Auch dieser Rekord ist umkämpft: So wirbt die Stadt Halle an der Saale für ihren Markt mit der höchsten Adventskerze Europas – dem knapp 85 Meter hohen Roten Turm, der als Adventskerze mit bunten Lichtern bestrahlt wird. Auch das niedersächsische Lüneburg will mit Größe punkten: Hier soll mit einem Durchmesser von 13 Metern einer der größten Adentskränze Europas hängen, ein Kran setzte ihn auf den alten Wasserturm der Hansestadt.

Als «Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt» lockt derweil «Santa Pauli» auf die Reeperbahn. In einem beheizten Zelt bieten «sexy Engel und knackige Wichtel» Stripshows und Table-Dance, wie die Veranstalter im Internet werben. Auf dem Markt werden neben Glühwein und Lebkuchenherzen auch handgefertigte Fichtenholzdildos aus dem Odenwald angeboten – auf Wunsch nach persönlichen Vorgaben geschnitzt.

Ein Weihnachtsbaum ganz besonderer Art steht in Berlin an der Gedächtnis-Kirche: Der vom Künstler Thomas Plattner konstruierte «Traffic Tree» besteht aus Metallstreben und ist unter anderem mit verwittertem Stopp-Schild, Plüschbär, Stuhl und anderen ausrangierten Gegenständen geschmückt. Alle 30 Minuten schießen Flammen aus Rohren der zwölf Meter hohen Installation.