Archivierter Artikel vom 14.11.2013, 10:18 Uhr
Nentershausen

Weidenfellers Eisbachtaler Jahre: Schlüsselerlebnis beim Neunmeterschießen

Es gab Zeiten, da hieß der Höhepunkt vor der Bundesligasaison noch Fuji-Cup – und das Finale ging im Koblenzer Stadion Oberwerth über die Bühne. Bayern München gegen Borussia Dortmund – mittendrin: zwei Jungs aus dem Westerwald.

Voller Einsatz: Roman Weidenfeller 1997 bei der U 17-WM in Ägypten.
Voller Einsatz: Roman Weidenfeller 1997 bei der U 17-WM in Ägypten.

Als Auswahlspieler werden Timo Tönges und Roman Weidenfeller von Verbandstrainer Ewald Hammes ins Stadion geschleust. „Wir sollten uns verstecken, damit wir nicht auffallen“, erinnert sich Tönges. „Also haben wir uns zu den Rollstuhlfahrern gestellt und so getan, als wären wir die Begleiter.“ Nach dem Spiel mogeln sie sich in den Kabinentrakt. Die Kumpels haben es geschafft, sie sind angekommen in der großen Welt des Fußballs.

Mittendrin: Bei seinem Heimatverein Eisbachtaler Sportfreunde war Roman Weidenfeller der ehrgeizige Rückhalt einer überragenden Mannschaft.
Mittendrin: Bei seinem Heimatverein Eisbachtaler Sportfreunde war Roman Weidenfeller der ehrgeizige Rückhalt einer überragenden Mannschaft.

Die Spieler marschieren an den beiden vorbei, beachten sie nicht weiter. Da sieht Roman Weidenfeller Jungstar Ibrahim Tanko, greift ihm auf die Schulter und sagt: „Wo du bist, will ich auch mal hin.“ Tanko spielt damals für Dortmund – jenen Verein also, bei dem der Westerwälder seit Jahren die Nummer eins ist. „Roman hatte ein Glänzen in den Augen, wie Jungs das haben, wenn sie ihre Idole sehen“, meint Tönges. „Den Ehrgeiz, es zu schaffen, hatte Roman aber schon damals.“ Das sieht auch Dirk Hannappel so, der neben Tönges und Weidenfeller auch andere Talente wie Jugendnationalspieler Steffen Becker in seiner Eisbachtaler Mannschaft trainierte.

„Aber Roman war anders“, sagt Hannappel, für den das Halbfinale im Qualifikationsturnier zum Westerwälder Keramik-Cup ein Schlüsselerlebnis ist. „Wir wollten den Cup rocken – und haben das Neunmeterschießen gegen Andernach verloren.“ Die Spieler lassen die Köpfe hängen, schon – aber nur einer flippt richtig aus. „Roman war außer sich, konnte die Niederlage, die Enttäuschung nicht ertragen“, sagt Hannappel. „Andere Eltern wollten, dass ich ihn bremse – doch das habe ich nicht getan.“ Der damalige Jugendtrainer sieht einen entscheidenden Unterschied zwischen den vielen Talenten und dem Torwart: Er konnte einfach nie verlieren. „Als Trainer habe ich ihn darin voll unterstützt, entscheidend war aber, dass Roman für seinen Weg auch das richtige Umfeld hatte, seine Eltern haben alles getan.“

Schon vor seinem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern macht Weidenfeller mehr als alle anderen. An drei Trainingseinheiten hintereinander erinnert sich Tönges. „Mit uns in der B-Jugend, mit der A-Jugend und dann mit der ersten Mannschaft.“ Und dabei nimmt der junge Torwart jedes noch so kleine Spielchen ernst. Als ein Ball am Fünfmeterraum liegt, sagt er zu Tönges: „Den kriegst du nicht rein.“ Tönges lupft, Weidenfeller landet im Matsch – und der Ball bleibt in einer Pfütze auf der Linie liegen. „Die anderen haben über ihn gelacht“, weiß Tönges noch. „Aber Roman ist aufgestanden, zum Ball gegangen und hat gesagt: Der ist nicht drin.“

Von unserem Redakteur Marco Rosbach