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Watt en Schiet in Wattenscheid

Deutsche Meisterschaften in Wattenscheid: Marion Wagner vom USC Mainz verpasst bei ihrer 15. DM-Teilnahme zum ersten Mal das Finale.

Eine ungewohnte Situation erlebte Marion Wagner am Samstag: Erstmals verpasste die USC-Sprinterin ein DM-Finale über 100 Meter. Ob sie dennoch zu EM darf, wird der DLV am Montag bekanntgeben.
Foto: Wolfgang Birkenstock
Eine ungewohnte Situation erlebte Marion Wagner am Samstag: Erstmals verpasste die USC-Sprinterin ein DM-Finale über 100 Meter. Ob sie dennoch zu EM darf, wird der DLV am Montag bekanntgeben.
Foto: Wolfgang Birkenstock

War dies das letzte Rennen in der langen Karriere von Marion Wagner? Beendet die Sprinterin des USC Mainz, die mit deutschen Sprintstaffeln 2001 Weltmeisterin geworden war und 2009 Bronze gewonnen hatte, ihre Laufbahn mit einem DM-Vorlauf über 100 Meter in 11,67 Sekunden? Die Entscheidung darüber liegt wohl in den Händen des Staffel-Bundestrainers. Sollte Thomas Kremer die 34-Jährige trotz ihres vorzeitigen Ausscheidens am Samstag bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Wattenscheid für die Europameisterschaften in Helsinki nominieren, bliebe Wagner der Szene noch erhalten. Ansonsten war's das wohl.

Drei Hundertstel fehlten fürs Finale

"Ich wusste, dass es knapp war", erzählte Wagner, was ihr nach ihrem Vorlauf durch den Kopf gegangen war. Als die Zeiten kamen, war klar, dass die Mainzerin das Finale um drei Hundertstel verpasst hatte. Ihr erster Gedanke: "Oh Gott, jetzt muss ich gleich auf dem Einlaufplatz meinem Trainer unter die Augen treten."

Der war nicht minder enttäuscht darüber, dass sein Schützling bei der 15. Teilnahme an Deutschen Meisterschaften erstmals das Finale verpasst hatte. "Manchmal passieren Dinge, für die man keine Gründe finden kann", sagte Harry Letzelter. "Das ist diesmal passiert. Ich habe das bisher noch nie erlebt, aber heute ist es so." Und ließ noch einen leisen Fluch folgen. Watt en Schiet in Wattenscheid.

Wagner selbst fasste ihren Lauf kurz zusammen: "Schlecht gestartet, nicht ins Laufen gekommen, weniger Wind." Letzteres könnte ein Grund dafür sein, dass Bundestrainer Kremer die USC-Athletin auch weiterhin in dem Team haben will, das sich zunächst auf die EM und perspektivisch auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Denn: Im dritten Vorlauf mit Anne Cibis (früher Möllinger, 11,45 Sekunden), Yasmin Kwadwo (11,60) und Wagner betrug der Rückenwind 0,7 Meter/Sekunde. In den beiden ersten Vorläufen lag dieser Wert bei 1,4 beziehungsweise 1,7. Windbereinigt hätte Wagner nicht schlechter dagestanden als Leena Günther, in 11,64 Dritte des ersten Laufs. "Mit ihr ist Marion in dieser Saison auf einem Level gelaufen", sagte Harry Letzelter. "Leena hatte heute einfach etwas mehr Glück."

Auch die Finalleistungen könnten Wagner Hoffnung auf die Nominierung fürs EM-Team machen. Die amtierende Europameisterin Verena Sailer gewann in 11,22 Sekunden vor Shooting Star Tatjana Pinto (11,26). Dahinter bekleckerten sich Cibis (11,41), Imma Weit (11,43), Kwadwo (11,49) und Günther (11,50) nicht mit Ruhm – zumindest nicht bei 3 Meter Rückenwind.

Keine Stabilität erreicht

"Mit einer Leistung wie zuletzt in Mannheim wäre ich heute unter die ersten Vier gelaufen", sagte Marion Wagner. "Ich habe es aber in dieser Saison nicht geschafft, stabil zu werden. Auf einen guten Wettkampf folgte ein schlechter, auf den sehr guten von Mannheim heute ein sehr schlechter..."

Nach dem enttäuschenden Ausscheiden verdrückte die routinierte Sprinterin ein paar Tränen, reagierte ansonsten aber gefasst auf die ungewohnte Situation. "Ich nehme mir das zu Herzen, aber ich kann es nicht mehr ändern", kommentierte sie ihr Aus. "Der Lauf an sich ist nicht das große Problem, aber Thomas' Entscheidung wird eine Weile an mir nagen."

Trainer hat Handlungsspielraum

Dass es vor den Deutschen Meisterschaften keine klar definierte Regelung gab, nach welchen Kriterien das Staffelteam zusammengestellt wird, lässt dem DLV-Staffeltrainer allen erdenklichen Handlungsspielraum. Sechs Frauen wird Kremer nominieren, Sailer, Pinto und Cibis sind für den EM-Einsatz wohl gesetzt. Und dann?

Cathleen Tschirch ist seit mehreren Wochen verletzt, konnte auch in Wattenscheid nicht antreten und dürfte bis Helsinki kaum infrage kommen. Die Paderbornerin Imma Weit kann zumindest bei Olympia keine Rolle spielen, da sie erst seit einem Jahr im Kontrollsystem der Nationalen Anti-Dopingagentur ist. Bleiben Kwadwo und Günther. Und Marion Wagner.

Die Chance auf eine EM- und eine vierte Olympiateilnahme scheint noch nicht dahin.

Peter H. Eisenhuth

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