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Was Reisende von einem modernen Hotelzimmer erwarten

Wer hätte gedacht, dass die Zahl der Steckdosen in Hotelzimmern einmal wichtiger wird als die Ausstattung der Minibar? Der moderne Reisende will maximalen Komfort bei uneingeschränkter Flexibilität. Gar nicht so einfach.

Ansprüche haben sich verändert
Ein Paar in einem Hamburger Hotelzimmer – die Ansprüche der Gäste haben sich in den vergangenen Jahren verändert.
Foto: Christin Klose – dpa

Berlin (dpa/tmn). Wenn man Olaf Kitzig zuhört, hat man das Gefühl, die Hotelbranche steckt in einem Zwiespalt. „Wir Menschen haben uns nicht verändert“, philosophiert Kitzig, Gründer einer Firma für Innenarchitektur und Design.

Schlafen, sich waschen, arbeiten: Das müsse man in einem guten Hotelzimmer stets können – einerseits. Andererseits bewegen sich moderne Reisende in einer Welt, die so mobil, wandelbar und vernetzt ist wie nie zuvor.

Erwartet werden natürlich ein bequemes Bett, eine komfortable Dusche und genügend Steckdosen. Doch die Gäste wollen heute ein Zimmer, das sich in jeder Hinsicht nach ihren Bedürfnissen richtet – und nicht umgekehrt. „Der Trend heißt absolute Flexibilität“, sagt Kitzig. Einbaumöbel? War gestern. Badewanne? Wer lässt sich bei einer Nacht Aufenthalt schon ein Bad ein?

Aus den Hotelzimmern dieser Welt verschwinden nach und nach Einrichtungsgegenstände, die lange Standard waren. Schreibtische zum Beispiel. Oder Telefone. Wer jederzeit sein Smartphone oder Laptop zur Hand hat, braucht vor allem ausreichend Lademöglichkeiten und bequeme Sitzmöbel zum Surfen und Arbeiten. Statt einem Fernseher mit hunderten Programmen tut es auch eine Docking-Station auf dem Nachttisch. Damit lassen sich Inhalte vom eigenen mobilen Gerät auf den Bildschirm übertragen – für ein Maximum an Individualität.

„Keep it simple“ – nennt Peter Nistelberger als Formel. Er ist Bereichsleiter beim Hotelkompetenzzentrum in Oberschleißheim bei München, einer Informations- und Veranstaltungsplattform für Hoteliers und Gastronomen. Auf dem Zimmer zähle vor allem der Komfort, sagt der Experte. Es ist ein Rückzugsort, hier will man es bequem und gemütlich haben. Ein Teil des Raumes rückt dabei besonders in den Mittelpunkt: das Bad. „Das Bad muss der Wohlfühlbereich sein“, sagt Nistelberger. Wellnessoase statt Nasszelle oder Sanitärbereich.

Verzichtbar ist die Badewanne. Moment mal, Wellness, Entspannung – und das ohne Badewanne? „Die Leute haben immer weniger Zeit und noch mehr Stress“, sagt Kitzig. Geduscht werde dagegen jeden Tag. In Fünf-Sterne-Hotels ist eine Wanne aber weiter Standard.

Das Zentrum des Raumes bleibt weiterhin – logisch – das Bett. Für eine kuschelige Schlafphase stehen in den Räumen immer größere Ruhelager mit immer dickeren Matratzen. Hier liegt, im wahrsten Sinne des Wortes, die Schaltzentrale: Lichtschalter und am besten die gesamte Technik sollten vom Bett aus bedienbar sein, damit man nicht für jeden Handgriff die wohlige Wärme der Bettdecke aufgeben muss.

Schwierig wird es bei der Frage, wie nahe sich die beiden Wohlfühlbereiche Bett und Bad kommen sollten. Offene Bäder, die in den Raum integriert sind, finden sich zwar in einigen Hotels. Bei den Gästen sind sie allerdings nicht so gefragt: „Die Mehrheit findet das nicht gut“, weiß Nistelberger.

Manche Einrichtungsgegenstände wandern dafür in den öffentlichen Bereich, die Minibar zum Beispiel. „Die Minibar war einmal ein Hype“, sagt Nistelberger. Außer im Fünf-Sterne-Bereich verzichteten aber inzwischen viele Hotels darauf – zu teuer, zu aufwendig in der Wartung. Dafür wird das Angebot an Getränken und Speisen in der Lobby ausgeweitet, der ganze öffentliche Bereich neu geordnet. Rezeption, Frühstücksbereich und Bar liegen zusammen. Co-Working Spaces, also Arbeitsbereiche, kommen hinzu. Wer genug hat von der kuscheligen Komfortzone seines Zimmers, kann also einfach in die Lobby umziehen.

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