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    Wandern in Rheinland-Pfalz

    Der Wanderer von heute mag es bei aller Anstrengung komfortabel. Wichtig sind ihm gut ausgeschilderte Wege, Sehenswürdigkeiten, Natur und eine Brotzeit.

    Wanderer auf der Traumschleife Rheingold
    Rheinland-Pfalz baut seine Prädikatswanderwege weiter aus. Ein Gütesiegel tragen jetzt über 200 Strecken.
    Foto: Thomas Frey/dpa

    Koblenz (dpa) - Vom Mittelrhein über die Eifel und den Hunsrück bis zur Pfalz - die modernen Wanderer eint ein Anspruch: Premium soll es sein. „Seit gut zehn Jahren ist Qualität ein ganz wichtiges Thema“, sagt Antonia Alberti, Projektmanagerin bei Rheinland-Pfalz Tourismus in Koblenz.

    „Es gibt Wanderer, die sammeln regelrecht Premiumpfade“, ergänzt Barbara Imo von der Pfalz.Touristik e.V. in Neustadt an der Weinstraße. Rheinland-Pfalz hat reagiert und laut Wirtschaftsministerium seit 2007 insgesamt 5,28 Millionen Euro allein in Prädikatswanderwege investiert. Ein Gütesiegel tragen nach dem Ausbau der Infrastruktur jetzt über 200 Strecken, darunter Traumpfade, Seitensprünge oder Traumschleifen. Aber auch zwölf Fernwanderwege wie der Rheinsteig sind ausgezeichnet worden - entweder als Premiumweg des Deutschen Wanderinstituts oder als Qualitätsweg des Deutschen Wanderverbands.

    Die Prädikatswanderwege sind nach den Kriterien des Instituts und des Verbands unter anderem besonders gut ausgeschildert, verlaufen abwechslungsreich, sind zum Großteil leicht begehbar und bieten insgesamt eine gute Infrastruktur, etwa in Form von Restaurants oder öffentlichen Toiletten. 

    Um die Instandhaltung der Wege kümmern sich die einzelnen Regionen selbst. Ein Wegemanager und 23 ehrenamtliche Wegepaten sorgen auf den Traumpfaden im „Rhein-Mosel-Eifel-Land“ beispielsweise dafür, dass Sträucher zurückgeschnitten werden und die Beschilderung erhalten bleibt. Zwei Mal im Jahr laufen sie die Traumpfade ab und erneuern die Wegemarkierungen, ersetzen Markierungsaufkleber oder erledigen kleinere Reparaturarbeiten am Weg. 

    24 000 Euro koste die Erhaltung im Jahr, erklärt Nicole Pfeifer von der Rhein-Mosel-Eifel-Touristik in Koblenz. Außerdem müssten die Wege alle drei Jahre erneut zertifiziert werden, um das Gütesiegel zu behalten. Eine Investition, die sich lohnt: 2016 waren hier rund 330 000 Wanderer auf den Traumpfaden unterwegs. 2010 lag ihre Zahl noch bei 165 000, schätzt das Tourismus-Büro.  

    Im Gebiet Saar-Hunsrück haben die Verantwortlichen vor gut zehn Jahren schnell den Erfolg der gehobenen Wanderung gespürt. Mittlerweile gebe es allein in dieser Region 111 solcher Premiumwege, Tendenz steigend, berichtet Achim Laub, Leiter des Projektbüros Saar-Hunsrück-Steig in Losheim am See (Kreis Merzig-Wadern). 

    „Am beliebtesten ist die Stausee-Tafeltour“, sagt Laub. Mit zehn Kilometern Länge scheint die Tour vorbei am Losheimer Stausee genau die Bedürfnisse der Wanderer zu erfüllen. „Routen von sechs bis zehn Kilometern Länge sind gefragt, gerade bei älteren Ausflüglern“, weiß Laub. Außerdem wichtig: die Versorgung entlang der Route. Die Stausee-Tour bietet gleich drei täglich geöffnete Gastronomiebetriebe.

    Weil aber nicht jeder Weg mit Restaurants aufwarten kann, hat sich das Projektbüro jetzt etwas Neues einfallen lassen. Nach Ostern sollen an drei Traumschleifen Versorgungsautomaten sowie Tische und Bänke aufgestellt werden. Das Konzept erinnert an das von Bahnhöfen. So können künftig auch Wanderer im Kreis Merzig-Wadern etwa auf dem 13 Kilometer langen Zwei-Täler-Weg von Weiskirchen nach Waldhölzbach Hunger und Durst mit Bier, Wein, Saft, Wurst oder Käse stillen. Die Produkte kommen laut Laub aus der Region.

    „Bei uns fragen Wanderer immer öfter nach einer Übernachtungsmöglichkeit“, stellt Barbara Imo von der Pfalz.Touristike.V. fest. Dabei werde das Publikum gerade am Weinsteig zunehmend jünger. „Viele sind zwischen 30 und 50 Jahren“, weiß Imo aus einer Befragung. Ein Trend, den man auch im Hunsrück bestätigen kann. „Früher waren die Gäste um die 70 Jahre alt, mittlerweile sind sie gut 30 Jahre jünger“, sagt Laub. 

    Eine große Gruppe stellen dabei die Genusswanderer dar: keine ehrgeizigen Sportler, sondern Menschen, die Gast in einer Region sind und auch einmal wandern wollen. Oder Einheimische, die ihre Heimat entdecken; Senioren ebenso wie Familien mit Kindern. Bei allem Genuss sind die Wege dennoch fordernd, Wanderschuhe von Vorteil. 

    Wem aber etwa der Pyrmonter Felsensteig zu anstrengend ist, der kann demnächst Premium-Spazierengehen. Im Kreis Mayen-Koblenz sollen ab September nach und nach elf Premium-Spazierwege an den Start gehen. Sie sind drei bis sieben Kilometer lang und vor allem für Familien mit kleineren Kindern oder Senioren geeignet, weil sie flach verlaufen. An der Saarschleife gibt es bereits drei solcher Wege, weitere sind für den Sommer in Planung.

    Saar-Hunsrück-Steig

    Deutsches Wanderinstitut

    Traumpfade Rhein Mosel Eifel

    Deutscher Wanderverband

    Rheinland-Pfalz Tourismus

    Pfalz Touristik

    Mosel-Saar beliebtestes Reisegebiet in Rheinland-Pfalz

    Die Tourismusregion Mosel-Saar ist das beliebteste Reisegebiet in Rheinland-Pfalz. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems haben im vergangenen Jahr rund 2,48 Millionen Gäste die Region besucht. Insgesamt machten in dem Jahr 9,6 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz Station. Auf Platz zwei der Regionen folgt die Pfalz mit knapp zwei Millionen Besuchern. Auch bei der Anzahl der Übernachtungen liegt die Mosel-Saar-Region (7,16 Millionen) deutlich vor der Pfalz (4,55 Millionen) und der Eifel (3,50 Millionen).

    „Deutschlands schönster Wanderweg 2016“ ist laut einer Umfrage der 365 Kilometer lange Moselsteig zwischen Koblenz am Deutschen Eck und Perl im Saarland. Von 22 162 Lesern der Zeitschrift „Wandermagazin“ wählten ihn laut der Mosellandtouristik in Bernkastel-Kues (Kreis Bernkastel-Wittlich) 41 Prozent in der Kategorie Routen (Weitwanderweg) zu ihrem Liebling. Der Moselsteig gehört zu den längsten Wanderwegen in Deutschland. In 24 Etappen geht es entlang der Mosel durch Wald, Weinberge und Wiesen.

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