Archivierter Artikel vom 20.02.2011, 15:52 Uhr
St. Goarshausen

„Waldhof“-Bergung verschlang Millionen

Der Säuretanker „Waldhof“ liegt sicher im Duisburger Rheinhafen, jetzt beginnt das zweite Kapitel im Havariekrimi. Staatsanwaltschaft und Schiffsexperten klären, wie es zur folgenreichsten Schiffskatastrophe auf dem Mittelrhein kommen konnte.

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Man hatte sich schon an ihren Anblick gewöhnt – das Tankmotorschiff „Waldhof“ hat den Hafen St.Goarshausen verlassen und wird rheinabwärts nach Duisburg geschleppt. Am Donnerstag gegen Mittag sollte sie Koblenz passieren.

Suzanne Breitbach

Die Vorhut: Bergekran Grizzly fährt am Kaiser vorbei. Hagen Metzler hat beim Pausen-Spaziergang am Rhein schnell das Smartphone gezückt und das Foto an unsere Redaktion getwittert.

Suzanne Breitbach

Und dann fährt die Waldhof selbst durch Koblenz – beobachtet auf der WebCam der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Bundesanstalt für Gewässe

St. Goarshausen. Der Säuretanker „Waldhof“ liegt sicher im Duisburger Rheinhafen, jetzt beginnt das zweite Kapitel im Havariekrimi. Staatsanwaltschaft und Schiffsexperten klären, wie es zur folgenreichsten Schiffskatastrophe auf dem Mittelrhein kommen konnte.

Die Behörden werden Antworten auf die Fragen geben müssen, wie ein solcher Unfall mit seinen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in Zukunft zu verhindern ist. Nicht zu vergessen die finanziellen Nachbeben des Unglücks, denn an der Loreley wurden buchstäblich Millionen im Rhein versenkt.

Die Bergung der am 13. Januar im Rhein gekenterten „Waldhof“ dürfte nach Informationen unserer Zeitung eine zweistellige Millionensumme kosten. Behörden geben dazu keine Auskunft, und auch die Reederei Lehnkering in Mannheim, der das Schiff gehört, will sich nicht äußern. „Wir geben darüber keine Auskünfte, selbst wenn wir es wüssten“, sagt Lehnkering-Sprecher Michael Hempel. Auch das Gerücht, wonach sich die BASF, der die säurehaltige Fracht der „Waldhof“ gehörte, mit 4 Millionen Euro an den Bergungskosten beteiligt, will der Ludwigshafener Chemiekonzern weder bestätigen noch dementieren.

Spezialschiffe kosteten jeweils 1000 Euro pro Stunde

Klar ist, dass auf die Reederei beziehungsweise deren Versicherung ein gewaltiger Batzen zukommen wird. Schon der Einsatz von zwei Schleppern der Loh-Schifffahrts GmbH, die den Havaristen vom 13. bis 20. Januar mit Stahlseilen sicherten, kostete rund 80 000 Euro. Dies erklärt die Firma aus Trechtingshausen auf Anfrage unserer Zeitung. Sieben Tage nach dem Unglück trafen dann die ersten beiden Kranschiffe „Atlas“ und „Grizzly“ der niederländischen Spezialfirma Mammoet in St. Goarshausen ein. Insgesamt drei solcher Kolosse waren bis zur Bergung der „Waldhof“ über einen Zeitraum von drei Wochen rund um die Uhr im Einsatz. Nach Informationen unserer Zeitung werden für jedes dieser Spezialschiffe schätzungsweise 1000 Euro pro Stunde berechnet, was sich in der Summe auf mehr als 1,8 Millionen Euro belaufen würde. Ein Betrag, den Mammoet nicht bestätigen will: „Dazu sagen wir nichts.“

Daneben waren viele weitere Spezialschiffe, Einsatzkräfte und Experten an der Sicherung und Bergung des Havaristen beteiligt. Auch sie müssen bezahlt werden. Außerdem rechnen das Innenministerium und die Kreisverwaltung Rhein-Lahn derzeit noch zusammen, was von öffentlicher Seite geltend gemacht werden kann. Hinzu kommen die Schäden an der „Waldhof“ selbst, falls das Schiff überhaupt repariert werden kann. Angesichts der Ausfälle und der Existenz bedrohenden Verluste für die Binnenschiffer, die zum Teil wochenlang auf eine Weiterfahrt warten mussten, erklärte Martin Mauermann, Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen (WSA), laut SWR: „Jeder Tag kostet die Volkswirtschaft zwischen drei und fünf Millionen Euro.“ Weiter heißt es beim WSA: „Die Schiffer und Reeder können natürlich ihre Ansprüche gegen einen noch nicht bekannten Schuldigen formulieren. Bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit ist im Allgemeinen jedoch nie Geld geflossen.“

Während also die Rechenmaschinen auf Hochtouren rattern, wird intensiv nach den Ursachen für das Kentern des Säuretankers gefahndet. Schon als die „Waldhof“ noch im Hafen von St. Goarshausen lag, nahm ein Gutachter das Schiff in Augenschein. In einem Trockendock des Duisburger Hafens wird das Wrack weiter untersucht. Auch durch die Staatsanwaltschaft Koblenz, denn hier läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangverdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs und der fahrlässigen Tötung – ein Besatzungsmitglied der vierköpfigen Crew wurde ja bereits tot geborgen. Ein anderer Matrose wird noch immer gesucht. Zugleich sucht eine vom Verkehrsministerium eingesetzte Expertenkommission nach den Ursachen für das Unglück. Dabei werden sowohl das Schiff und sein Gefahrenpotenzial selbst, aber auch die Gegebenheiten des Unfallortes untersucht. Am Ende soll dann eine Liste mit Vorschlägen stehen, durch deren Umsetzung ein zweiter „Fall Waldhof“ verhindert werden kann.

Je nachdem, welche Ergebnisse die Untersuchungen bringen, könnte dies erhebliche finanzielle Folgen für viele Reeder haben. Spekuliert wird zum Beispiel, dass sich die Schwefelsäure in den Tanks der „Waldhof“ in den vielen scharfen Kurven des Rheins an der Loreley aufgeschaukelt haben könnte, das Schiff Schlagseite bekommen hat und dann umgekippt ist. Ein erfahrener Tankerkapitän erklärt im Internet: „Diese Tankschiffe bräuchten ein Längsschott, eine Schwallwand.“ Wenn die Tankkammern in der Mitte unterteilt sind, kann Flüssigkeit nicht frei von der einen zur anderen Schiffsseite schwappen. Doch die Umrüstung ist teuer und kann pro Schiff im sechsstelligen Bereich liegen. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, müssen die Verantwortlichen gefragt werden, warum solche Schiffstypen überhaupt für Gefahrguttransporte auf dem Rhein und anderen Flüssen zugelassen werden.

Politischer Streit um Wasser-

und Schifffahrtsverwaltung

Derweil hat die politische Diskussion über die Lehren aus der Havarie der „Waldhof“ begonnen. Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) unterstreicht angesichts des Unglücks noch einmal die große Bedeutung einer gut ausgestatteten Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes für die Sicherheit auf den Wasserstraßen und für die Sicherheit der Bevölkerung entlang der Flüsse. CDU und FDP im Bundestag hätten das Bundesministerium für Verkehr aufgefordert, die WSV von einer Ausführungs- zu einer Gewährleistungsverwaltung umzuwandeln. Dabei sollen laut Lewentz bis zu 3200 der jetzigen 13 315 Stellen wegfallen. Dies käme einem „Kahlschlag“ entlang der Bundeswasserstraßen gleich. „Es hätte am 13. Januar keinen Mitarbeiter und keines der eingesetzten Geräte weniger sein dürfen“, sagt der Staatssekretär, „um eine sich abzeichnende Katastrophe an diesem Morgen zu verhindern.“ Nach Meinung der Grünen muss die Reform der Bundeswasserstraßenverwaltung dazu führen, dass „deutlich mehr Finanzmittel, Personal und Material für die Sicherheit“ auf dem stark befahrenen Rhein zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen verschärfte Fahrverbote für Gefahrguttransporte – laut Grünen immerhin fast 30 Prozent der gesamten Frachtschifffahrt auf dem Rhein – bei Nacht und besonderen Hochwasserlagen diskutiert werden. Selbst die Wiedereinführung von Lotsendiensten ist kein Tabuthema mehr.

Von unseren Redakteuren Maximilian Eckhardt, Michael Stoll, Markus Wakulat und Jürgen Zanger