Archivierter Artikel vom 16.04.2011, 11:40 Uhr
Lausanne

Vorwürfe in Bericht zu Tod von Schwimmer Crippen

Der Weltschwimmverband FINA hat nun doch seinen Abschlussbericht zum Tod des Amerikaners Francis Crippen veröffentlicht.

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Mangelnde Sicherheitsmaßnahmen sollen die Hauptursachen für das Ertrinken Crippens beim Freiwasser-Weltcup im Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sein. Der 78-seitige Report einer Untersuchungskommission wurde mit 60 Empfehlungen auf der FINA-Homepage veröffentlicht. 48 Stunden zuvor war dem Verband von US-Seite noch eine «Verschleppungstaktik» vorgehalten worden.

Schwere Vorwürfe erhebt der Bericht insbesondere gegen die Organisatoren des Rennens. «Die ungenügende Überwachung und mangelnde Sicherheitsmaßnahmen machten es schwierig bis unmöglich, darauf zu reagieren, wenn ein Athlet in Schwierigkeiten während des Rennens kommt», heißt es in dem Bericht, der von dem schwedischen Juristen Gunnar Werner angeführten Untersuchungskommission. Zudem kommt sie zu dem Schluss, dass bei 77 Rennteilnehmern über die olympische Zehn-Kilometer-Distanz nur zwei Jetskifahrer im Einsatz waren.

Zudem wurde das Rennen kurzfristig von Sharjah nach Fujairah in den Emiraten am Persischen Golf verlegt. Ein weiterer Verstoß gegen FINA-Bestimmungen, die vorschreiben, dass eine Strecke drei Monate zuvor vom Weltverband abgenommen werden muss. «Der Technische Delegierte hat die ihm übertragenen Aufgaben und Pflichten nicht vollständig erfüllt», erhebt die Kommission weitere schwere Vorwürfe.

Zu den Umständen, die zum Crippens Tod führten, schreibt die Task Force: «Die Kombination von hoher körperlicher Belastung, hoher Wasser- und Lufttemperatur sowie eine Dehydrierung des Körpers dürften die vermutlichen Gründe sein, dass Crippen mehr und mehr das Bewusstsein verlor und in Ohnmacht fiel. Dies führte letztendlich zu seinem Tod.» So soll die Lufttemperatur bei 35 und die im Wasser bei 29 Grad Celsius gelegen haben. Vor allem die Wassertemperatur soll nach Athletenaussagen aber deutlich höher gewesen sein.

In ihren Schlussfolgerungen fordert die FINA-Task-Force für künftige Rennen unter anderem einen detaillierten Sicherheits- und Notfallplan mit entsprechend ausgebildeten Rettungskräften. Daneben soll die Wassertemperatur zwischen 18 und 28 Grad betragen, wie es bereits auch der neunfache Weltmeister Thomas Lurz (Würzburg) gefordert hat. Damit widerspricht die Task Force einer entsprechenden Empfehlung der sportmedizinischen Kommission des Weltverbandes, die «16 bis 31 Grad» empfiehlt. Als Reaktion auf den Bericht forderte Crippens Trainer Dick Shoulberg, die WM-Rennen in Shanghai (16. bis 31. Juli) wegen der dortigen hohen Temperaturen abzusagen.

Zunächst hatte die FINA den Bericht an die Task Force zur «Überarbeitung» zurück gegeben. Die Veröffentlichung der neuen Version sollte erst im Rahmen der WM erfolgen. Der Vorsitzende einer vom US-Schwimmverband eingesetzten Untersuchungs-Kommission, Richard Pound, hatte der FINA «Verschleppungstaktik» vorgeworfen. Der ehemalige Vizepräsident des IOC kritisierte zudem, dass es auf entsprechende Anfragen keinerlei Reaktion gegeben habe. Die FINA wies diese Vorwürfe prompt zurück, veröffentlichte aber nun ihren Bericht.