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Heerenveen

Vor der WM: Zwei Dopingkontrollen bei Pechstein

dpa

Um 06.00 Uhr holten sie die Kontrolleure aus ihrem Hotelbett, vier Stunden später wurde Eisschnellläuferin Claudia Pechstein erneut auf Dopingpräparate getestet.

Medaillen-Hoffnungen
Stephanie Beckert (l) und Claudia Pechstein wollen bei der WM Medaillen gewinnen.
Foto: Andreas Gebert – DPA

Einen Tag vor Beginn der Einzelstrecken-WM in Heerenveen kontrollierte zunächst die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA, nur wenig später der Weltverband ISU die fünfmalige Olympiasiegerin aus Berlin.

Das löste bei der Berlinerin Empörung aus. «Es gibt sicherlich Angenehmeres, als sich einen Tag vor dem WM-Start zweimal innerhalb von vier Stunden eine Nadel in die Vene stecken und Blut abzapfen zu lassen», beklagte sich die 40-Jährige, die bereits vor und während des Weltcup-Finales in Berlin sechsmal in zwölf Tagen getestet worden war. Es spreche Bände, dass ausgerechnet die deutschen Kontrolleure morgens einen deutschen Athleten aus dem Bett holten, meinte Pechstein. «Das Beste daran ist, dass sie extra für mich gekommen sind und keinen anderen deutschen Athleten getestet haben. Es ist schon erstaunlich, welche Wertschätzung ich genieße», sagte Pechstein der Nachrichtenagentur dpa.

Ihr Manager Ralf Grengel kritisierte nach den Tests die NADA. «So sieht heutzutage also intelligenter Anti-Dopingkampf aus. Einerseits jammert die NADA über zu wenig Geld, anderseits reist sie extra nach Heerenveen, um einen einzigen deutschen Athleten zu testen.»

Bei der WM gilt Pechstein neben Stephanie Beckert und Jenny Wolf als eine der wenigen Hoffnungen des deutschen Verbandes auf eine Medaille. Die fetten Jahre sind aber definitiv vorbei – die Goldsträhne der Deutschen bei der Einzelstrecken-WM droht in Heerenveen zu reißen. Immerhin: Stephanie Beckert hat sich für den Saisonhöhepunkt in der niederländischen Eis-Hochburg ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: «Ich will über 3000 und 5000 Meter eine Medaille», sagte die Erfurterin. Die 23-Jährige klagte zuletzt aber wieder über leichte Rückenprobleme.

Ihre Rivalin Pechstein gab sich nach ihrer Mittelohrentzündung zurückhaltend. «Über 3000 Meter möchte ich gerne eine bessere Platzierung als im Vorjahr erreichen», erklärte sie. Größte Gold-Anwärterinnen am Auftakttag sind die niederländische Titelverteidigerin Ireen Wüst und Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien. Sablikova gilt über 5000 Meter als Gold-Bank. Am Samstag will nach einem Besuch von Königin Beatrix in der Thialf-Halle dann auch Pechstein trotz der nicht gerade optimalen Vorbereitung alles daran setzen, ihr Ergebnis von Inzell zu wiederholen und ihre gute Saison mit einer Bronzemedaille zu krönen.

Nur eine Wirbelblockade vor der Mehrkampf-WM stoppte sie bislang in diesem Winter. Als EM-Zweite hatte Pechstein im Januar ihre 56. internationale Medaille geholt, davon 25 bei Einzelstrecken-WM. 1996 bei der ersten Austragung in Hamar gewann sie den Titel über 5000 Meter. Insgesamt holten deutsche Läuferinnen bisher 36 Mal WM-Gold, 2000 und 2003 räumten sie alle fünf Strecken sogar jeweils komplett ab. Im vorigen Jahr hielt Jenny Wolf die Titelserie mit dem vierten 500-Meter-Triumph nacheinander aufrecht. Die 33-Jährige geht am Sonntag nur mit Außenseiterchancen in die beiden Läufe – nicht ausgeschlossen ist, dass die Berlinerin ihre letzte WM bestreitet.

Ob die deutschen Langstrecken-Rivalinnen am Sonntag gemeinsam in der Team-Verfolgung antreten, hängt auch von Beckerts Rücken ab. Dabei sein möchte die Mannschafts-Olympiasiegerin auf alle Fälle. Cheftrainer Markus Eicher sieht keine Gold-Chancen: «Normalerweise sind die Kanadierinnen nicht zu schlagen, wenn sie keinen Fehler machen», sagte er. Eicher hofft auf insgesamt drei bis vier WM-Medaillen in Heerenveen.

Die deutschen Herren mit Beckerts Bruder Patrick können über die Langstrecken auf Top-Ten-Platzierungen hoffen. Das Team schaffte im Weltcup sogar den starken dritten Platz. Mit Gold schmücken durften sich bei allen bisherigen 13 Weltmeisterschaften aber jeweils nur die deutschen Damen – selbst damit könnte es diesmal vorbei sein.

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