Archivierter Artikel vom 29.04.2014, 11:20 Uhr
Tórshavn

Von Kingo bis Shaldur: Musik auf den Färöer Inseln

Musik spielt auf den Färöer Inseln eine wichtige Rolle. Sie kommt traditionell ohne Instrumente aus – dafür aber mit umso mehr Versen daher. Das gemeinsame Singen bewahrte auch die eigene Sprache.

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Musiker Hedin Ziska Davidsen
Drei Arten von Musik sind typisch für die Färöer Inseln, erklärt der Musiker Hedin Ziska Davidsen: Kingo, Shaldur und Kettentanz.
Foto: Lea Sibbel – DPA

Das Singen traditioneller Lieder hat die färöische Sprache bewahrt. Denn lange Zeit existierte sie nur mündlich, geschrieben wurde sie erst ab dem 19. Jahrhundert. Drei Arten von Musik sind typisch für die Färöer Inseln, erklärt der Musiker Hedin Ziska Davidsen aus der Hauptstadt Tórshavn: Kingo, Shaldur und Kettentanz. Von Instrumenten werden die Lieder eher selten begleitet: «Es ist alles Gesang», erklärt Ziska Davidsen.

Kingo geht auf einen dänischen Priester zurück – Thomas Kingo – der Hymnen sammelte. «Dieselbe Hymne wird im Norden der Inseln nicht gleich gesungen wie im Süden», sagt Ziska Davidsen. «Es wird komplizierter, je nördlicher man ist.» Auch einzelne Haushalte können das gleiche Lied mit ganz unterschiedlichen Melodien singen. «Ich glaube, das kommt daher, weil wir keine Instrumente hatten.»

Shaldur ist Gesang für Kinder. Die Lieder haben ganz einfache Melodien, und die Texte sind Nonsens, erklärt Ziska Davidsen. «Die Lieder wurden mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben» – eben weil Färöisch lange nicht geschrieben wurde. Als der Theologe Venceslaus Ulricus Hammershaimb 1846 schließlich Schreibweisen für alle färöischen Wörter einführte, brachte das übrigens eher Verwirrung als Erleichterung, weil er sich für die Regeln auf das ursprüngliche Altnordische bezog – das aber nicht mehr viel mit der aktuellen Aussprache zu tun hatte.

Den Kettentanz singen Färinger in Versen – manche haben 1000, die kürzeren zwischen 100 und 300. «Die Lieder sind unterschiedlich, je nachdem, wo man herkommt», sagt Ziska Davidsen. Einer übernimmt die Leitung über den Tanz – er muss alle Verse kennen. Die anderen können jederzeit einstimmen. «Manchmal betrinken sich die Leute und übertönen dann den Anführer.» Der Kettentanz kommt bei besonderen Festen zum Einsatz, zum Beispiel an Weihnachten oder bei Hochzeiten.