Archivierter Artikel vom 11.06.2012, 13:05 Uhr
Berlin

Volleyball: «Hammer-Schorsch» am Ziel

Im Moment des großen Olympia-Glücks wurde selbst der «Hammer-Schorsch» ganz weich. «Noch kein Grozer war bei den Olympischen Spielen. Meinem Vater ist das nie gelungen», sagte Georg Grozer mit ganz, ganz leiser Stimme.

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Dabei
Volleyballer Georg Grozer fährt zu den Olympischen Spielen.
Foto: Conny Kurth – DPA

Er konnte dabei nur mit Mühe seine Tränen unterdrücken. «Das war ein Ziel, ein Traum von mir. Das kann man nicht beschreiben.» Im zweiten Anlauf wird Olympia für den Top-Angreifer der deutschen Volleyballer endlich wahr: Für die Spiele in Peking war Grozer 2008 nicht berücksichtigt worden, nun ist das große Ziel Olympia für den 27-Jährigen erreicht. «Ich werde zum ersten Mal Olympia erleben – wunderbar!»

Seit Jahren ist der gebürtige Ungar (Spitzname «Hammer-Schorsch») der Publikumsliebling im Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) – und die personifizierte Hoffnung auf den erhofften Sprung nach ganz oben. Das hat Grozer dem DVV-Team nämlich noch voraus: Mit seinen hammerharten Aufschlägen und fulminanten Schmetterbällen gehört er längst zur Weltspitze. Und hat dazu einen wohl bekannten Namen: Papa Georg Grozer war einst für seine unwiderstehlichen Attacken gefürchtet. Ein «Naturereignis», wie Erfolgscoach Stelian Moculescu einmal befand.

Das ist der junge Grozer mit seinen unglaublichen Oberarmen auch. «Es ist einfach in den Genen drin», erklärt er die Ähnlichkeit mit seinem Vater. «Mein Vater war einer der Weltbesten. Und ich hoffe, dass ich auf einem ähnlichen Weg bin wie er», sagte er einmal.

Er ist – und bewies dies beim Qualifikationsturnier in Berlin eindrucksvoll. Nachdem er nach einer Lebensmittelvergiftung von Bundestrainer Vital Heynen in der ersten Partie gegen Indien noch geschont worden war, war er in den entscheidenden Partien gegen Kuba und gegen Tschechien jeweils mit Abstand der punktbeste Spieler.

«Für solche Momente lebe ich», sagte Grozer nach dem 3:2 am Samstag im vorentscheidenden Spiel gegen Kuba. Drei Matchbälle konnten die Karibik-Ballkünstler nicht verwerten, Grozer machte es besser und sorgte für den glücklichen deutschen Sieg. «Am Ende hat vielleicht Georg Grozer den Unterschied gemacht, er war der entscheidende Faktor für uns», sagte Nationalspieler Denis Kaliberda.

Gegen Kuba machte Grozer den letzten Punkt, gegen Tschechien den ersten. Der Mann setzt einfach Zeichen. Und welche Bedeutung Grozer inzwischen für das deutsche Team hat, zeigte sich 2011. Lange musste er damals aussetzen, Durchblutungsstörungen im rechten Schlagarm machten ihm zu schaffen. Jetzt ist der «Hammer-Schorsch» endlich wieder richtig zurück – und darf nun auch bei Olympia zuschlagen.