Archivierter Artikel vom 21.07.2011, 10:04 Uhr
Nürburgring

Volles Risiko: Vettel-Jäger hat nichts zu verlieren

Volle Attacke: Fernando Alonso hat die bedingungslose Jagd auf Formel-1-Spitzenreiter Sebastian Vettel angekündigt. «Für uns gibt es wenig zu verlieren», sagte der Ferrari-Pilot und Silverstone-Sieger vor dem Vettel-Heimrennen auf dem Nürburgring.

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Angriffslustig
Fernando Alonso will mit Ferrari Red Bull angreifen.
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Ob in der Qualifikation oder im Rennen – Alonso will auf volles Risiko setzen, um in den verbleibenden zehn Saisonrennen den Riesenrückstand von 92 Punkten auf den Titelverteidiger im Red Bull wettzumachen. «Wenn ich die WM anführen würde, würde ich vorsichtiger fahren», sagte der Spanier im Revier des deutschen Weltmeisters.

Wertschätzung
Sebastian Vettel, Nick Heidfeld und Michael Schumacher (v.l.) treffen sich auf dem Nürburgring.
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Dabei haben Vettel und auch sein zweitplatzierter Teamkollege Mark Webber den wiedererstarkten Titelträger von 2005 und 2006 ohnehin auf der Rechnung. «Fernando ist ein weiser, alter Fuchs und er wird definitiv eine Kraft sein in den kommenden beiden Rennen», prophezeite Webber in seiner Kolumne für den britischen Sender BBC.

Red-Bull-Pilot
Der Australier Mark Webber warnte vor Fernando Alonso.
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Der Stachel der Niederlage vor rund zwei Wochen in Großbritannien sitzt noch tief. «Unabhängig davon, wie gut es für meinen Teamkollegen Sebastian Vettel in der Fahrer- und Red Bull in der Konstrukteurswertung aussieht, magst du es nicht, wenn du geschlagen wirst», betonte Webber, der mit 80 Punkten Rückstand Vettel in der WM-Wertung noch am nächsten ist.

Spritztour
Die Mercedes-Piloten Nico Rosberg (l) und Michael Schumacher vergnügten sich mit einer Fahrt in alten Silberpfeilen.
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Doch letztlich heißt es: Alle auf einen. «Ich hoffe, dass wir Sebastian ein paar Punkte abnehmen können», sagte Jenson Button. Der Weltmeister von 2009 hat ebenso wie sein Teamkollege Lewis Hamilton 95 Zähler weniger als Dominator Vettel. «Wir denken von Rennen zu Rennen», betonte Button im Motorhome seines Arbeitgebers. Button (Kanada), Alonso (Großbritannien) und Hamilton (China) waren bislang die einzigen, die den sechsmaligen Sieger Vettel in dieser Saison schlagen konnten. Jedes Mal schaffte es der Heppenheimer aber auf den zweiten Rang.

Familienfoto
Die deutschen Piloten Timo Glock, Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Nick Heidfeld, Adrian Sutil und Nico Rosberg (l-r) bei der PK.
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Auf dem Nürburgring will er wieder ganz oben stehen. Ein Heimsieg wäre «ein Highlight» – der fehlt dem 24-Jährigen nämlich noch in seiner bereits großen Erfolgssammlung von 16-Grand-Prix-Siegen. Allerdings wagte auch der Hesse keine richtige Prognose für das Rennen auf dem Ring.

Fankontakt
Rekord-Weltmeister Michael Schumacher trotze dem Regen und klatschte sich auf dem Elektrofahrrad mit den Fans ab.
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«Es ist schwer zu sagen, wer der Stärkste ist», sagte Vettel bei der offiziellen Pressekonferenz, bei der alle sechs deutschen Piloten Rede und Antwort standen, während draußen das typische Eifel-Wetter mit strömendem Regen einen Vorgeschmack auf die drohenden Wetterkapriolen machte. «Das Wetter wird wieder ein Thema sein, das wird interessant», prophezeite Nürburgring-Rekordgewinner Michael Schumacher. «Du weißt nie, ob es regnet, die Sonne scheint, hagelt oder schneit. Oder alles vier zusammen», schrieb Webber.

Mistwetter
Das Wetter am Nürburgring ließ zu wünschen übrig: Ein Virgin-Mechaniker verkroch sich unter den Schirm.
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Regen und 14 Grad – mehr waren am Donnerstag nicht drin. Viel besser soll es auch Freitag und Samstag nicht werden. Sonntag soll es beim Rennen trocken sein. «Die Lehre aus all den Erfahrungen ist, dass man nie Vorhersagen treffen sollte, wenn man an den Nürburgring kommt», betonte allerdings McLaren-Mann Hamilton.

Der einst auch als «Regengott» gefeierte Schumacher weiß, wie man sich durch das Eifel-Wetter schlägt. Als Jäger auf Vettel mit sage und schreibe 176 Punkten Rückstand eignet sich der fünfmalige Nürburgring-Sieger jedoch in diesem Jahr nicht. «Wir wollen nicht über Siege reden. Das ist schwachsinnig», betonte er. Ans Aufgeben denkt der 42-Jährige aber mitnichten: «Ich habe nicht das Gefühl, dass ich auf dem absteigenden Ast bin. Wer kann von sich behaupten, in dem Alter im Spitzensport noch mithalten zu können.»

Schließlich durfte er am Donnerstag auch mal wieder in einem Sieger-Silberpfeil fahren: Im legendären W196, in dem Juan Manuel Fangio 1954 in Reims den ersten Mercedes-Sieg nach dem 2. Weltkrieg geholt hatte, spulte er auf der berühmt-berüchtigten Nordschleife ein paar Kilometer ab. «Ich hatte noch nie so viel Platz in einem Cockpit», meinte Schumacher.