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    Vieles bleibt für das IOC nach Lima offen

    Die Störanfälligkeit des IOC ist hoch. Mag die historische Vergabe der Olympischen Spiele an Paris und Los Angeles ein Erfolg sein, bleiben ansonsten eine Vertrauenskrise und Fragen ohne Antworten.

    IOC-Chef
    Thomas Bach möchte im russischen Dopingskandal noch vor den Olympischen Winterspielen handeln.
    Foto: Martin Mejia - dpa

    Lima (dpa). Und dann ist da doch dieser Moment echten Gefühls auf der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees. „Ich habe Krebs“, sagt Gerard Heiberg, Macher der Winterspiele von Lillehammer 1994.

    Der 78-jährige ehemalige Topmanager aus Norwegen legt seine IOC-Mitgliedschaft nieder. Die anderen im Saal sind sichtlich berührt. Vielleicht das erste Mal überhaupt nach drei Tagen in dem wenig ansehnlichen, aber praktischen Mehrzweckbau, dem Lima Convention Centre der peruanischen Hauptstadt. Passend zeugen die öffentlichen Sitzungen von kühler Choreographie, wenig Widerspruch, aber sehr viel Lob für die Führung um den deutschen Präsidenten Thomas Bach.

    Korruptionsschlagzeilen, Russlands Dopingskandal, Nordkoreas Atom- und Raketentest fünf Monate vor den Winterspielen in Südkorea: Eigentlich hätte die olympische Bewegung mehr Debatte, mehr Kontroverse um den besten Weg aus der Vertrauenskrise verdient, die das IOC weiter nicht in den Griff kriegt. Genervte Mitglieder wie Richard Peterkin von der Karibikinsel St. Lucia sind selten in Lima zu hören. „Ehrlich gesagt, wir kriegen jeden Tag einen übergebraten“, sagt er und sorgt sich um den Ruf des IOC bei den Menschen.

    Waren die Sommerspiele in Rio 2016 und Tokio 2020 gekauft? Haben sich Mitglieder der olympischen Familie dabei die Finger schmutzig gemacht? Gleich auf der ersten Pressekonferenz in Lima hat Bach praktisch nur Fragen zur kriminellen Energie zu beantworten, die das Milliardengeschäft Olympia offensichtlich freisetzt.

    Ganz anders im Sitzungssaal. Die Fragen an den Präsidenten sind zu allermeist gut gemeint. Bach streut immer mal ein Witzchen ein. Und wenn es um die Halbzeitbilanz der von ihm angestoßene Reformagenda 2020 geht, kennt die Begeisterung über das Erreichte im Saal keine Grenze.

    Als dann der frühere UN-Generalsekretär Ban Ki Moon aufs Podium schreitet, um als neuer Chef der Ethikkommission auf den Ruf des IOC zu achten, kommt für einen Moment das Gefühl auf: Alles wird gut. Ganz nebenbei räumt der 73-jährige Südkoreaner noch die Ängste vor einem Konflikt mit dem Nachbarn im Norden ab. Kein Athlet, kein Funktionär müsse sich im nächsten Februar in Pyeongchang - 100 Kilometer entfernt von der Grenze - um seine Sicherheit sorgen.

    Ob in Pyeongchang eine russische Mannschaft an den Start geht, ist die derzeit wohl drängendste Frage, die das IOC beantworten muss. Eigene Untersuchungen im russischen Dopingskandal laufen schleppend. In den Berichten des kanadischen Ermittlers Richard McLaren wird Russland angeklagt, bei den heimischen Winterspielen 2014 in Sotschi systematisch und mit staatlicher Hilfe betrogen zu haben.

    Kommen die zwei IOC-Kommissionen zum selben Schluss, wird - wie vor den Rio-Spielen - die Debatte starten: Kollektivausschluss oder Einzelfallprüfung? Dass in Rio etwa 280 russische Sportler antreten konnten, wird dem IOC und vor allem Bach bis heute als Fehler vorgehalten.

    Was steht auf der Habenseite der 131. Session? Mit der gleichzeitigen Vergabe der Olympischen Spiele 2024 an Paris und 2028 an Los Angeles hat das IOC auf Jahre Planungs- und finanzielle Sicherheit. Geschickt und vor allem schnell hat Bach aus dem Dilemma, dass in demokratischen Ländern die Unterstützung der Menschen für Großprojekte wegbricht, mit er Doppelvergabe an die zwei verbliebenen Kandidaten einen werbewirksamen Erfolg geschafft.

    Bleibt, die Winterspiele 2026 und spätere möglichst nach Europa und Nordamerika zurückzuholen. Auch da dürfte Bach bis zur entscheidenden Session 2019 in Mailand eine pragmatische Lösung anstreben, vielleicht einen historischen Deal wie mit Paris und Los Angeles.

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