Archivierter Artikel vom 15.07.2011, 14:36 Uhr

Viel Lob: «Beste Frauenfußball-WM» aller Zeiten

Frankfurt/Main (dpa). Der Weltfußballverband hat die Frauen-WM in Deutschland in den höchsten Tönen gelobt. Die Organisatoren um Steffi Jones dürfen sich die Hände reiben – obwohl das frühere Ausscheiden der DFB-Auswahl die Bilanz heftig trübt.

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WM-Stimmung
Die Frauenfußball-WM hat die Fans begeistert.
Foto: DPA

«Es ist die beste Frauenfußball-WM der FIFA seit Bestehen», sagte FIFA-Frauenfußball- Abteilungsleiterin Tatjana Haenni vor dem Endspiel zwischen den USA und Japan am Sonntag in Frankfurt/Main der Nachrichtenagentur dpa. Die Schweizerin meinte weiter: «Wir sind super glücklich mit allem. Natürlich war es für Deutschland eine große Überraschung, dass es sich nicht fürs Halbfinale qualifiziert hat. Aber wenn man es neutral von außen betrachtet, dann ist das Turnier fantastisch.»

Die 6. Weltmeisterschaft hatte aber auch ihre Schattenseiten: Erst wurde Kolumbiens Torfrau Yineth Varon positiv getestet, dann erwischte es die beiden Nordkoreanerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim. Nach dem letzten Gruppenspiel des Asienmeisters gegen Kolumbien musste die ganze Mannschaft zur Dopingkontrolle – ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der FIFA. Das Ergebnis steht noch aus. DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach von einem «menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zu Erfolgen zu führen».

Medial war die WM ein voller Erfolg: Die Zeitungen berichteten jeden Tag seitenweise, die TV-Einschaltquoten – mit 16,95 Millionen Zuschauern beim Viertelfinal-Aus Deutschlands gegen Japan als Spitzenwert – schlugen alle Rekorde. Aber ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz prophezeite, dass der Frauenfußball wieder von der Bildfläche verschwinden wird. Die ARD-Sportschau wird künftig mitnichten regelmäßig Spiele der Frauen-Bundesliga zeigen.

Die Besucher in den neun WM-Stadien genossen die friedliche Atmosphäre eines Familienurlaubs: keine Polizei-Aufgebote, keine betrunkenen Fans, keine gefährlichen Feuerwerkskörper. Vor dem Spiel um Platz drei zwischen Schweden und Frankreich am Samstag in Sinsheim und dem Finale in Frankfurt haben 771 419 Zuschauer die Spiele gesehen, im Schnitt 25 714. 1999 in den USA und 2007 in China wurden zwar ein Durchschnitt von über 37 000 erreicht. Doch damals fanden teilweise zwei Partien an einem Tag in einem Stadion statt, und die Veranstalter zählten die Besucher doppelt.

Jedenfalls hat das Organisationskomitee die erhoffte Auslastung von 80 Prozent erreicht und kann den WM-Etat von 51 Millionen Euro ausgleichen. Die Spielerinnen waren begeistert von der ungewohnten Aufmerksamkeit, die sie genossen. «Es ist ein Fußball-Paradies», schwärmte Mexikos Maribel Dominguez. «Danke Deutschland! Eine tolle Organisation», sagte US-Trainerin Pia Sundhage. «Dieses Turnier hat den Frauenfußball auf der ganzen Welt weitergebracht.»

FIFA-Funktionärin Haenni lobte die «hervorragende Stimmung» in den Stadien. «Aber das Wichtigste ist: Die ganze Welt sieht, dass Frauenfußball eine tolle Sportart ist und dass wir ihn weiterbringen.» Sportlich mussten die Fans dennoch einige Abstriche machen – vor allem in der Vorrunde. Und die Schiedsrichterinnen gaben sich teilweise der Lächerlichkeit preis: Das von der Ungarin Gyoengyi Gaal nicht geahndete Handball-Spiel von Äquatorialguineas Bruna war die Slapstick-Einlage des Turniers.

«Letztendlich hat die WM Maßstäbe gesetzt in einer Größenordnung, die wir uns alle nicht vorstellen konnten», sagte Steffi Jones als Präsidentin des Organisationskomitees. Viele Macher im Lande sind geradezu euphorisiert. Siegfried Dietrich, Manager des Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt, sagte in der «Welt»: «Ich glaube daran, dass der Frauenfußball unter den Frauen die Sportart dieses Jahrtausends ist.» Spätestens von Montag an aber sind hierzulande wieder die Männer am Ball, wen es Richtung Bundesliga-Start geht.