Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 10:22 Uhr

Vettel warnt: Ferrari bedrohlich nah herangerückt

Nürburgring (dpa). Der Weltmeister warnt und die Widersacher wittern Morgenluft: Obwohl Sebastian Vettel die Formel 1 derzeit beherrscht wie Michael Schumacher zu seinen besten Zeiten, tritt er vor seinem Heimrennen auf dem Nürburgring auf die Euphoriebremse.

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Gejagter
Gejagter Weltmeister: Sebastian Vettel glaubt, dass die Konkurrenz nicht locker lassen wird.
Foto: DPA

«Ferrari ist bedrohlich nah an uns herangerückt», sagte der Red-Bull-Pilot. McLaren-Kontrahent Jenson Button kündigte an: «Sebastian und Red Bull dürfen sich nicht zu früh freuen.» Und Felipe Massa tönte: «Ferrari gibt niemals auf.»

Vettel hat aber nicht nur die wiedererstarkten «Roten» auf der Rechnung. Der souveräne Spitzenreiter rechnet beim Großen Preis von Deutschland am Sonntag auch mit seinem Teamkollegen Mark Webber. «Und die Jungs von Mercedes und McLaren dürfen wir immer noch nicht unterschätzen», listete er insgesamt sieben ernsthafte Rivalen auf.

Allerdings zeigte sich zuletzt beim Grand Prix von Großbritannien, dass die Red-Bull-Strategen Webbers Angriffslust per Teamorder unterbinden, wenn es hart auf hart kommt. Der Gesamtzweite (112 Punkte) aus Australien kommt daher als Titelkandidat nicht ernsthaft infrage.

Deshalb dürfte Vettel vor allem von Ferrari die größte Gefahr drohen. Silverstone-Sieger Fernando Alonso ist zwar vor dem zehnten Saisonlauf nur WM-Dritter mit gewaltigen 92 Punkten Rückstand, aber die Scuderia kommt nach einem schwachen Start immer besser in Fahrt und gilt als aktuell stärkster Verfolger. «Im Moment redet bei uns keiner vom WM-Titel», sagte der zweimalige Champion aus Spanien. «Aber wir werden in der Qualifikation und im Rennen mit einer sehr aggressiven Strategie antreten und dann schauen, was rauskommt.»

Auch Button, der durch seinen jüngsten «Nuller» beim Heim-Grand-Prix an Boden eingebüßt hat, rechnet sich im Titelrennen durchaus noch Chancen aus. «Wir sind in Silverstone eindeutig unter Wert geschlagen worden. Auf dem Nürburgring wird das wieder ganz anders aussehen», prognostizierte der Brite, der punktgleich mit seinem Landsmann und McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton 95 Zähler hinter Vettel (204) auf Rang fünf liegt.

Vettel-Festspiele sind in der Eifel also nicht garantiert. Dabei würde der 16-malige Grand-Prix-Sieger zu gerne erstmals ein Heimrennen gewinnen. «Klar wäre es ein Highlight», versicherte er. Ein zweiter Platz auf dem Nürburgring 2009 und Rang drei im Vorjahr in Hockenheim sind zu Hause seine bislang besten Ergebnisse.

Unabhängig vom Resultat am Sonntag erscheint angesichts des Kräfteverhältnisses – Vettel gewann sechs der bislang neun Grand Prix und belegte dreimal den zweiten Platz – eine erfolgreiche Aufholjagd der anderen in der WM jedoch unrealistisch. Selbst wenn der 24 Jahre alte Heppenheimer beim Heimrennen leer ausgehen und auch danach ein paar Mal schwächeln sollte, wofür derzeit nichts spricht, könnte er lange von seinem gewaltigen Vorsprung zehren.

Schumacher sieht seinen Kumpel jedenfalls nicht ernsthaft gefährdet. «Es sieht sehr gut aus für ihn, keine Frage», sagte der siebenmalige Weltmeister der Nachrichtenagentur dpa. «Und er hätte den Titel sicherlich auch verdient.»

Der wie immer vorsichtige Vettel wehrt sich dennoch entschieden gegen Einschätzungen, das Rennen sei schon gelaufen und die Rivalen würden resignieren. «Verzweiflung, Nervenschwäche – davon habe ich aber noch nichts gesehen. Ich kümmere mich auch nicht so sehr um die anderen, sondern darum, wie wir die optimale Leistung bringen», sagte er.