Archivierter Artikel vom 18.08.2011, 11:22 Uhr
Groß Gerau

Versicherungsbetrug: Schon der Versuch ist strafbar

Ein kaputter Laptop wird gestohlen gemeldet, die teure Vase hat angeblich der Nachbar zerstört – so versuchen manche, Geld von ihrer Versicherung zu bekommen. Doch dieses Spiel sei riskant, warnt der Versicherungsrechtsexperte Nicolas Eilers.

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Kein Kavaliersdelikt
Das Handy fällt herunter und ist kaputt: So manch einer versucht dann, Geld von der Versicherung zu bekommen. Dabei ist Versicherungsbetrug kein Kavaliersdelikt. (Bild: dpa)
Foto: DPA

«Jeder Kunde muss wissen: Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt», sagte der Rechtsanwalt von der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Im schlimmsten Fall drohten Haftstrafen. «Immer wenn ein nicht bestehender Anspruch geltend gemacht wird und der Versicherungsnehmer das auch weiß, spricht man von Versicherungsbetrug», sagt Eilers.

Die Formen seien dabei vielfältig. Manch ein Schaden sei frei erfunden, in anderen Fällen würden zu hohe Kosten geltend gemacht, in wieder anderen Fällen würden Vorschäden etwa am Auto verschwiegen. «Man sollte wissen, dass schon der Versuch strafbar ist», gibt Eilers zu bedenken.

Versicherte sollten sich dabei nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Versicherungsunternehmen sähen sich die jeweiligen Sachverhalte genau an, erläutert Eilers. «Erscheint an dem geschilderten Hergang etwas verdächtig, wird der Fall genauer geprüft.» Dabei hätten die Unternehmen ein Raster entwickelt, mit dem potenzielle Betrugsfälle erkannt werden könnten. Verdächtig seien etwa besonders viele Schadensfälle innerhalb kurzer Zeit. Auch wer eine Police erst kurz vor dem Schaden abgeschlossen hat, müsse mit einer Prüfung rechnen. Ebenso spiele die Höhe des Schadensfalls eine Rolle.

Wird ein Betrug entdeckt, hat das für den Versicherten Folgen. «Die Versicherung kann es ablehnen, den Schaden zu übernehmen», sagt Eilers. Dadurch könnten Kunden auch bei eigentlich berechtigten Ansprüchen leer ausgehen, wenn sie fälschlicherweise einen zu großen Schaden angegeben haben. Zudem könne der bestehende Versicherungsvertrag gekündigt und entstandene Kosten etwa für den Einsatz von Gutachtern vom Versicherten zurückverlangt werden. In schweren Fällen werde eine Strafanzeige gestellt.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Kunden daher im Schadensfall alles gut dokumentieren. So sollten Fotos gemacht und Rechnungen immer aufgehoben werden. «Denn der Versicherungsnehmer muss am Ende beweisen können, dass der Schaden auch so eingetreten ist, wie er es beschrieben hat.»