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    Verseuchtes Fleisch: Zwischen Falle und Betrug

    Clenbuterol-verseuchtes Fleisch kann zu einer immer größeren Falle für saubere Athleten und zum Schlupfloch für Doping-Betrüger werden.

    Doping-Forscher
    Mario Thevis ist Leiter des Zentrums für Präventive Dopingforschung in Köln.
    Foto: Wolfgang Langenstrassen. - DPA

    «Das ist kein Problem ausschließlich von Mexiko. Es gibt verschiedene andere Länder, in denen es auch eines gibt», sagte Mario Thevis, Leiter des Zentrums für Präventive Dopingforschung in Köln, in einem Gespräch der Nachrichtenagentur dpa.

    Einen Tag zuvor hatte die Mitteilung des Fußball-Weltverbandes FIFA für Aufsehen gesorgt, dass bei der U 17-Weltmeisterschaft im Juli in Mexiko 109 der 208 Nachwuchsspieler positiv bei Doping-Kontrollen getestet wurden. Die FIFA ging diesem «Massendoping» auf den Grund und stellte fest, dass mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol kontaminiertes Fleisch die Ursache war.

    Im Teilnehmerfeld der 24 Mannschaften habe es nur fünf Teams gegeben, in denen keine Spieler positiv getestet wurden. Dazu zählte Gastgeber Mexiko, das die Lehre aus dem Gold-Cup gezogen hatte: Nachdem fünf mexikanische Spieler einen Monat zuvor in den USA positiv auf Clenbuterol getestet worden waren, gab es bei der U 17-WM im eigenen Land die Order, auf Fleischkonsum zu verzichten. Auch im deutschen Team gab es keinen positiven Test.

    Neben Mexiko hat der Fall des Tischtennis-Nationalspielers Dimitrij Ovtcharov aus dem vergangenen Jahr auch ein Schlaglicht auf China geworfen. Er war nach einem Aufenthalt im «Reich der Mitte» positiv auf Clenbuterol kontrolliert worden. Es konnte nachgewiesen werden, dass auch bei Ovtcharov Fleischverzehr der Grund war. Außerdem gab es Berichte über Clenbuterol in Lebensmitteln in Europa: So wurde 2008 über belastete Milch in der Türkei berichtet und 2009 über Clenbuterol-Kontaminationen in der portugiesischen Rinderzucht.

    «Wir können bei der Doping-Analyse nicht differenzieren, ob kontaminierte Lebensmittel zu einem positiven Befund geführt haben oder ein bewusstes Vorgehen eines Athleten», sagte Thevis. Deshalb dürfte die Entscheidung über einen Fall wie den des dreimaligen Tour-de-France-Siegers Alberto Contador nicht einfacher werden. Der Spanier hatte nach seinem positiven Test auf Clenbuterol angegeben, ein europäisches Steak gegessen zu haben.

    In der Regel können nur im Einzelfall (unberechtigt) in Verdacht geratenen Sportler durch Haaranalyse und anderen Indizien aus der Patsche geholfen werden. Die Athleten, die vor Jahren bereits durch kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel gewarnt wurden, müssen zukünftig noch umsichtiger auf ihre Ernährung achten. «Die Sportler sollten noch vorsichtiger vorgehen», warnte Thevis.

    Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hatte im Februar eine Warnung vor kontaminiertem Fleisch in China und im April für Mexiko herausgegeben. «Grundsätzlich sehen wir es als unsere Pflicht an, Warnungen im Sinne der Athleten auszugeben, wenn uns wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen», sagte NADA-Sprecher Berthold Mertes. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat sich in dieser Hinsicht bisher in Zurückhaltung geübt.

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