Archivierter Artikel vom 10.02.2010, 13:52 Uhr
Leipzig

Verletzte Russin kritisiert Bob-Funktionäre

Rund zehn Wochen nach ihrem schweren Unfall hat die russische Bob-Anschieberin Irina Skworzowa heftige Kritik an Verbandsfunktionären geübt.

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«Von den Verbänden war noch niemand hier, die Verbände spucken nur auf die Sportler. Das ist das Allerschlimmste», wird die 21-Jährige in der «Süddeutschen Zeitung» zitiert. Die fehlende finanzielle Unterstützung von Funktionärsebene sei ein Hauptgrund für ihre Empörung. «Unabhängig von allen Haftungsfragen muss man der Sportlerin helfen und auch finanziell in Vorleistung treten», sagte BSD-Rechtsreferent Norbert Hiedl. Aus rechtlichen und organisatorischen Gründen sei dies bislang aber nicht möglich gewesen.

Zwar hatte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) gemeinsam mit dem Bob-Weltverband (FIBT) ein Spendenkonto für Skworzowa eingerichtet, doch die anfallenden Behandlungskosten habe sonst niemand abgedeckt. Daher seien Skworzowas Anwältin und eine Mitarbeiterin des russischen Teams nach Moskau gereist, um eine Summe von 400 000 Euro vom Verband zu erbitten.

Am 23. November war Skworzowa im Zweierbob mit ihrer Pilotin Nadjeschda Filina während eines Trainings zum Europacup trotz roter Ampel in den Eiskanal gestartet. Zur selben Zeit fuhr am oberen Start der russische Zweierbob der Männer bei Grün los. Bei dem späteren Zusammenstoß wurde die hinten sitzende Skworzowa verletzt. Sie erlitt einen offenen Oberschenkelbruch und weitere Frakturen. Eine Amputation ihres rechten Beins konnte verhindert werden. Die drei anderen Sportler wurden bei dem Unfall weniger schwer verletzt. Ihnen geht es inzwischen besser.

Skworzowa hat eine Schadenersatzklage angekündigt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind aber noch nicht abgeschlossen. Ob Skworzowa ihre Klage gegen einen der Verbände oder einen Weltverbands-Mitarbeiter richtet, der ihren Bob vor dem Unfall angeblich in die Bahn gewunken hat, ist noch unklar. Sie will aber nicht mehr in einen Bob steigen. «Ich möchte weiter Sport treiben, aber in jedem Fall nicht als Bobfahrerin», hatte sie vor rund zwei Wochen angekündigt.