Archivierter Artikel vom 29.07.2011, 07:44 Uhr

Verband nach Steffen-Flucht in unruhigem Gewässer

Shanghai (dpa). Als Britta Steffen schon nicht mehr in Shanghai war, sorgte sie dort immer noch für hohe Wellen. Ihre fluchtartige WM-Abreise stürzte die sportliche Leitung in Erklärungsnot und veranlasste Paul Biedermann zu einem Plädoyer für die Freundin.

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Abgang
Britta Steffen verabschiedet sich von der WM in Shanghai.
Foto: DPA

Statt nach ihrem WM-K.o. die Teamkollegen als Vorzeige-Schwimmerin von der Tribüne aus anzufeuern, reiste Steffen plötzlich zurück nach Deutschland. Die Begründung dafür überließ sie dem Schwimm-Verband – der DSV nannte aber keine. «Sie ist auf dem Heimweg. Es hat verschiedene Gründe dafür gegeben, die ich im Detail nicht erklären werde, auch nicht während der WM», sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow am Freitag unmittelbar vor dem Start der Finalrennen. «Mehr Informationen wird es von mir hier nicht geben.»

Mehr ins Detail ging am Abend Biedermann. «Das, was Britta jetzt abkriegt, das hat sie nicht verdient. Sie ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Sportlerinnen, dann sollte man doch respektvoller mit ihr umgehen», betonte der zweimalige Bronzemedaillengewinner und sprach von «Hetze». Der 24-Jährige deutete zumindest an, warum die entthronte Weltmeisterin eiligst abreiste. «Damit sie hier einfach diesem Dauerfeuer entgeht», sagte Biedermann und bezeichnete den Flug in die Heimat im ARD-Hörfunk als «richtig».

Buschkow ließ durch die ausbleibende Erklärung Tür und Tor für Spekulationen offen. «Es ist ihre Entscheidung.» Für ihn sei nun wichtig, «dass sich die Mannschaft konzentriert». Wann es eine Erklärung für die Abreise geben werde, sagte er nicht. «Lassen Sie Britta Steffen doch erst mal die Weltmeisterschaften verarbeiten», erklärte er in einer Journalistenrunde.

Nach den Vorläufen am Freitag hatte Bundestrainer Dirk Lange sich noch dahingehend geäußert, dass Steffen bis zum WM-Ende am Sonntag in Shanghai bleibt und die Mannschaft unterstützen wird. «Herr Lange hat den gleichen Kenntnisstand», sagte Buschkow dazu. «Ich wusste dann Bescheid, als ich informiert wurde», bemerkte Lange später ausweichend.

Inmitten der Kommunikationspanne konnte Lange den Titelkampf-Abbruch seiner wichtigsten Sportlerin verstehen. «Um da eine ruhige Olympia-Vorbereitung nicht zu gefährden, kann ich das hundertprozentig nachvollziehen», sagte er. Warum solle sie jetzt hier Niederlagen kassieren? «Wir wissen ja, wo der Leistungsstand ist.»

Die Doppel-Olympiasiegerin hatte am Donnerstag nach enttäuschenden Freistil-Leistungen ihre weiteren WM-Starts abgesagt. Paul Biedermann kümmerte sich um seine Freundin und erwartet sie bei den Olympischen Spielen 2012 in London stark zurück: «Sie wird auf keinen Fall deswegen aufhören. Sie schaut jetzt auf Olympia, hakt jetzt diese WM ab.»

Nicht nur Britta Steffen sorgte für Fragezeichen. Unbeantwortet blieb auch die Frage, weshalb es nach dem guten Beginn mit drei Bronzemedaillen an den ersten drei Wettkampftagen im Becken bis zum Überraschungs-Bronze am Freitag durch Christian vom Lehn Flaute über 200 Meter Brust herrschte.

Eine genaue Analyse stehe erst nach der WM an, hieß es unisono. Allerdings ließen die Zwischentöne aufhorchen. DSV-Präsidentin Christa Thiel verwies vor ihrem Rückflug aus Shanghai in einer improvisierten Frage-Runde auf den Leistungssportdirektor – und vor allem auf Lange. Der wiederum wollte die Heimtrainer bei der Fehlersuche nicht ausschließen.