Archivierter Artikel vom 15.09.2010, 22:44 Uhr

Van Gaal huldigt Liebling Müller – «Er ist Chef»

München (dpa). Unglaublich, dieser Thomas Müller. In der letzten Champions-League-Saison war es regelmäßig Arjen Robben, der den FC Bayern mit seinen Traumtoren rettete. In Abwesenheit des verletzten Kunstschützen aus Holland sprang beim 2:0 gegen den AS Rom Jungstar Müller in die Bresche.

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Torschütze
Thomas Mueller jubelt über sein Tor zum 1:0 gegen den AS Rom.

Mit seinem spektakulären Außenrist-Treffer befreite der WM-Torschützenkönig den deutschen Fußball-Meister nicht nur nach 259 trefferlosen Minuten von einer rätselhaften Ladehemmung, sondern bewahrte den Vorjahresfinalisten auch vor einem Fehlstart in Europas Königsklasse und Unruhe nach dem holprigen Saisonauftakt.

Gruß
Bayern-Trainer Louis van Gaal grüßt die nach Rom mitgereisten Fans.

«Da muss viel zusammenpassen, um so ein Tor zu schießen – auch Glück gehört dazu», sagte der Mann des Abends, dessen Mut in der 79. Spielminute belohnt worden war. «Das ist natürlich ein Risiko – hopp oder top», gestand Müller. 66 000 Zuschauer in der Allianz Arena staunten, jubelten und feierten ihren Liebling, als der Ball nach einer Bananen-Flugkurve vom Innenpfosten des Tores ins Netz hüpfte. Zwei Tage nach seinem 21. Geburtstag hatte sich Müller noch einmal selbst beschenkt. «In der Theorie wollte ich das so machen», sagte der Senkrechtstarter des Vorjahres schelmisch und entschwand zufrieden in die Nacht: «Mit dem 2:0 kann man sehr gut leben.»

Schwerarbeiter
Der Münchner Ivica Olic (r) arbeitet sich an der Verteidigung des AS Rom ab.

Louis van Gaal setzte nach dem mühsam und hart erarbeiteten Sieg zu einer schwärmerischen Lobpreisung auf seinen Lieblingsschüler an. «Wir können immer ein Tor erwarten von Müller. Er ist immer da – und das ist es, was ich an ihm liebe, warum er immer spielt.» Der strenge Trainer wechselte Müller sogar noch vor dem 2:0 von Miroslav Klose (83.) aus, als der ausgelaugte Dauerläufer dies wünschte. «Er ist der Chef, ich bin nicht mehr der Chef», kommentierte van Gaal launig.

Grätsche
Roms Marco Cassetti (l) springt Ivica Olic vom FC Bayern München in den Ball.

Matchwinner Müller stand symbolhaft für den FC Bayern in einem Spiel, in dem der um seine Form ringende Rekordmeister ohne die Ausnahmekönner Robben und Ribéry einen langen Anlauf benötigte. Man habe den nur auf Zerstören fixierten Gegner erst «kaputtspielen» müssen, rechtfertigte van Gaal das zähe Querpassfestival der ersten Hälfte. Auch Matchwinner Müller war da so gut wie nichts gelungen.

Zusammenprall
Der Münchner Thomas Müller (r) prallt beim Sprung zum Ball gegen den Italiener Marco Cassetti.

Erst nach der Pause, als van Gaal taktische und personelle Korrekturen vornahm und mit der Einwechslung zweier Spitzen (Gomez, Klose) den Druck erhöhte, überrollte Bayern die morschen Römer um Altstar Francesco Totti. «Es war wichtig, dass wir überzeugend gewonnen haben, ohne wirklich sehr gut zu spielen», resümierte Kapitän Mark van Bommel.

Durchbruch
Bayerns Mark van Bommel (m) versucht zwischen den Römern Marco Borriello (l) und David Pizarro durchzubrechen.

«Ich bin sicher, dass wir noch nicht bei hundert Prozent sind», meinte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Aber der «positive» Start in die Champions League werde «ein Stück Ruhe und Selbstvertrauen» geben. «Wir hoffen jetzt, dass wir da am Samstag gegen den 1. FC Köln weitermachen können.» Zum Start des Oktoberfestes soll den Fans die Maß schmecken. «Wir müssen gewinnen», verordnete Rummenigge.

Ausgespielt
Bayern-Akteur Thomas Müller (l) setzt sich gegen Marco Cassetti vom AS Rom durch.

Nicht nur Müller war ein Gewinner gegen Rom, auch Klose konnte im Dreikampf mit Olic und Gomez um den zentralen Stürmerplatz punkten. Der Nationalstürmer traf als Joker, rackerte, köpfte einmal an den Pfosten, setzte Akzente. «Ich freue mich für Klose. Endlich hat er mal bei mir und nicht nur in der Nationalelf ein Tor gemacht», sagte van Gaal. «Ich bemühe mich, in jedem Spiel zu treffen», entgegnete Klose: «An erster Stelle kommt die Mannschaft, dann das Persönliche.»