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US-Snowboarder Kotsenburg holt erstes Olympia-Gold

Krasnaja Poljana (dpa) – Die Kritik der geschlagenen Slopestyle-Konkurrenz an der Jury brachte Olympiasieger Sage Kotsenburg nicht aus der Ruhe.

Goldjunge
Der US-Amerikaner Sage Kotsenburg holte die erste Goldmedaille in Sotschi.
Foto: Jens Buettner – DPA

«An jedem anderen Tag hätten diese Jungs vielleicht gewonnen, aber heute ist es einfach mein Tag geworden», sagte der Snowboarder aus den USA, nachdem er die erste Goldmedaille der Winterspiele von Sotschi sicher hatte. «Es ist ziemlich stark, dass dieses verrückte, kreative Zeug sich ausgezahlt hat. Ich habe den Holy Crail gemacht und einen 1620 – über den habe ich zuvor noch nicht mal nachgedacht», sagte der als Außenseiter gestartete Blondschopf über zwei seiner wichtigsten Sprünge.

Freizüngig
Sage Kotsenburg kühlt nach gelungenem Lauf gern seine Zunge an der frischen Luft ab.
Foto: Sergei Ilnitsky – DPA

Im ersten olympischen Slopestyle-Finale überhaupt zeigte er am Samstag mit 93,50 Punkten den am besten bewerteten Lauf. «Es fühlt sich großartig an. Ich weiß gerade gar nicht, was abgeht», frohlockte Kotsenburg. «Das ist das Verrückteste, was mir je passiert ist.» Der Norweger Staale Sandbech sicherte sich vor nicht ganz voll besetzten Tribünen bei der sportlich hochklassigen Premiere Silber. Mitfavorit Mark McMorris aus Kanada wurde trotz seiner gebrochenen Rippe Dritter. «Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich auf dem Podium stehe nach der Verletzung vor zwei Wochen», sagte McMorris.

Überstanden
Das Nachsitzen hat sich für Mark McMorris gelohnt, der Mitfavorit hat es ins Finale geschafft.
Foto: Sergei Ilnitsky – DPA

Schon im ersten Lauf ging der Zweite der X-Games volles Risiko, konnte aber seinen Sprung beim ersten von drei Kickern nicht stehen. Im zweiten Lauf glänzte er dann mit einem Backside Triple Cork 1440 (dreifacher Salto mit vier Umdrehungen um die eigene Achse).

Riesig
Furchteinflößend bauen sich die Schanzen vor dem Zuschauer auf – Ryan Stassel springt einfach drüber.
Foto: Jens Buettner – DPA

Noch während die kleine Siegerehrung im Zielbereich lief, begannen die Diskussionen über die Jury-Urteile. «Ich glaube keiner der zwölf Teilnehmer weiß, worauf sie geachtet haben», beschwerte sich der fünftplatzierte Kanadier Maxence Parrot. Als Sieger der X-Games vor zwei Wochen und best bewerteter Qualifikant landete er unerwartet weit hinten.

Geflickt
Billy Morgan offenbart sein handicap am Rücken.
Foto: Jens Buettner – DPA

Weltmeister Roope Tonteri aus Finnland war ebenfalls nicht einverstanden mit der Punktevergabe. «Das war nicht gut und schon in der Quali komisch, es war ein Wettbewerb der FIS, was kannst du da anderes erwarten», sagte er der dpa und spielte damit auf das schwierige Verhältnis der Freigeister mit dem Skiweltverband an.

Hangtime
Wie ein Skorpion schmeißt Scotty James in der Luft die Beine über den Rücken.
Foto: Jens Buettner – DPA

Für Unverständnis sorgten bei einigen Slopestylern die Jury. Als einziger der Podestfahrer hatte Kotsenburg keinen Triple gezeigt und bekam trotzdem die Bestnote des Tages. «Fahrer sind für einen Triple quasi abgewertet worden», meinte Parrot über den gefühlten Nachteil bei Tricks mit dreifachem Überschlag. Selbst Teamkollege McMorris hatte mit Bronze schon abgeschlossen, als Parrot nach einer auf den ersten Blick bärenstarken Vorstellung im Ziel ankam.

Kopfüber
Bei einem Flip (Salto) wechselt Seamus O'Connor zwangsläufig die Perspektive.
Foto: Jens Buettner – DPA

Kotsenburgs detailverliebte Ausführung der Tricks auf den Rails (Geländern) und Kickern (Sprüngen) war am Samstag aber deutlich mehr wert. Viel Lob bekam der tadellose Backside 1620 (viereinhalbfache Drehung) des Zweiten der X-Games 2012. «Das habe ich zuvor noch nie ausprobiert», gestand Kotsenburg. Sein Trainer Mike Jankowski meinte: «Wir wollen keinen Sport, bei dem die Richter nur die Umdrehungen zusammenzählen. Wir wollen nicht alles in Zahlen ausdrücken können. Im Snowboarden zählt auch dieses Gefühl, das alles aufnimmt.»

US-Superstar Shaun White hatte auf den Wettbewerb verzichtet und gratulierte keine 15 Minuten nach dem Sieg des Teamkollegen via Twitter. Ohne den Snowboard-Millionär im Starterfeld erlebten die Zuschauer bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt eine sportlich hochklassige, aber nicht immer stimmungsvolle Olympia-Premiere des Slopestyle. Die Athleten in den weiten Klamotten und mit den großen, meist verspiegelten Skibrillen mussten das Publikum gleich mehrmals zum Jubeln animieren. Schlimm war das aber wohl nicht. «Auf der Strecke hab ich eh' Musik im Ohr. Da höre ich nichts anderes», sagte Weltmeister Tonteri.

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